Neue Argumente pro Fisch – er senkt das Risiko für Rheumatoide Arthritis

Julia Rommelfanger | 22. August 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Ein Fischgericht pro Woche über viele Jahre hinweg kann das Risiko, an rheumatoider Arthritis (RA) zu erkranken, um die Hälfe senken, sagen schwedische Forscher. Wichtig sei dabei, fettigen Fisch wie Lachs oder Makrele zu essen, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Einen ähnlichen Effekt erzielen 4 Portionen magererer Fisch wie Zander oder Seelachs in der Woche. Die Kohortenstudie, bei der Daten von mehr als 32.000 schwedischen Frauen analysiert wurden, ist kürzlich in der Online Ausgabe von Annals of the Rheumatic Diseases  erschienen [1].

„Die umgekehrte Beziehung zwischen Fischkonsum und rheumatoider Arthritis ist vor allem auf die Omega-3-Fettsäuren im Fisch zurückzuführen“, schreiben die Autoren. Sie schlussfolgern, dass diese Substanzen aufgrund ihrer anti-inflammatorischen Wirkung eine wichtige Rolle in der Entstehung dieser Krankheit spielen.

Krankheiten durch Ernährung beeinflussbar

Von diesen Ergebnissen war ich angenehm überrascht“, sagt Prof. Dr. Olaf Adam, Ernährungsmediziner an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in einem Interview mit Medscape Deutschland. „Die Forscher haben sich Gedanken darüber gemacht, was auf lange Sicht passiert und haben gesehen, dass das Krankheitsspektrum durch die Ernährung beeinflussbar ist.“

„Die umgekehrte Beziehung zwischen Fischkonsum und rheumatoider Arthritis ist vor allem auf die Omega-3-Fettsäuren im Fisch zurückzuführen.“
Daniela di Giuseppe

Bei der Entstehung von rheumatoider Arthritis können sowohl genetische als auch  Umwelteinflüsse wie Rauchen und Alkoholkonsum eine Rolle spielen. Bisher jedoch waren Studienergebnisse über die Bedeutung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA, polyunsaturated fatty acids) bei der Entwicklung der Krankheit nicht eindeutig. „In früheren Metaanalysen, die keinen Effekt zeigten, wurden Studien mit zu kurzen Beobachtungszeiträumen analysiert“, erklärt Adam.

Er verweist auf die Seven Countries Study, eine epidemiologische Longitudinalstudie, die unter anderem den Zusammenhang zwischen Ernährung und koronarer Herzkrankheit untersuchte, sowie die Lyon Diet Heart Study, die Auswirkungen der Mittelmeerdiät, unter anderem den Gehalt von PUFA, auf die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen unter die Lupe nahm.

Die schwedischen Forscher haben Daten über die Ernährung von mehr als 32.000 Frauen analysiert, die an der Swedish Mammography Cohort-Studie teilnehmen und dabei insbesondere den Verzehr von fettigem und magerem Fisch über ein Jahrzehnt betrachtet. Die Frauen füllten zwischen 1987 und 1990 und dann erneut 1997 einen Fragebogen aus zur Ernährung, Größe, Gewicht, Rauchen, sportlicher Betätigung und anderen Aspekten, die bei der Entwicklung von RA von Bedeutung sein könnten.

Im Untersuchungszeitraum erkrankten 205 der Frauen an rheumatoider Arthritis. Von den Erkrankten nahmen 27% weniger als 0,21 g Omega-3-Fettsäuren zu sich, verglichen mit 20% in der gesamten Studiengruppe. Wer mehr als diese Menge PUFA zu sich nahm, was einer Portion fetten Fisch oder 4 Portionen magerem Fisch wöchentlich entspricht, konnte das Risiko, an RA zu erkranken, halbieren.

Nicht nur viel Fisch, sondern auch weniger Fleisch

„Wir haben uns gefragt, warum die Zahl der rheumatischen und Krebserkrankungen in den vergangenen 20 Jahren unverhältnismäßig stark zugenommen hat und sind zu dem Schluss gekommen, dass dies weniger genetische Ursachen hat als vielmehr auf die Ernährung zurückzuführen ist“, erklärt Adam, der unter anderem Ernährungstherapien für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen entwickelt hat. „Durch wachstumsfördernde Substanzen in unserer Kost, die reich an tierischen Produkten und Omega-6-Fettsäuren ist, sind die Menschen größer und dicker geworden und haben eine bessere Immunabwehr.“

„In früheren Metaanalysen, die keinen Effekt zeigten, wurden Studien mit zu kurzen Beobachtungszeit-räumen analysiert.“
Prof. Dr. Olaf Adam

Rheumatische Erkrankungen, die ja mit einer Überaktivität des Immunsystems einhergehen, haben durch diese Kost eher zugenommen, so der Experte. Der Schlüssel zu einer gesundheitsfördernden Ernährung, etwa für Rheumapatienten sei, „weniger tierische Produkte und dafür mehr fetten Fisch zu essen“, betont Adam. Denn wer viel fettes Fleisch oder Wurst esse, nehme beispielsweise viel Arachidonsäure zu sich, deren Stoffwechselprodukte entzündliche Reaktionen im Körper fördern. Zudem wird Arachidonsäure nur zu 10% zur Energiegewinnung verwendet, die übrigen 90% werden in den Zellen gespeichert.

Der Gegenspieler dieser aus der essentiellen Omega-6-Fettsäure Linolsäure gebildeten Fettsäure, die Eicosapentaensäure, kommt in fettem Fisch wie Matjes vor, wirkt entzündungshemmend und gelangt nur zu 50% in die Körperzellen. „Daher raten wir unseren Patienten mit rheumatischen Erkrankungen zu folgender Ernährung: zweimal wöchentlich Fleisch, und das nicht zu fett, ein- bis zweimal Fischmahlzeiten – und drei Veggi-Days.“

Im Vordergrund dieser Ernährungstherapie, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) und dem Bundesverband der Deutschen Rheuma-Liga empfohlen wird, steht die Verminderung entzündungsfördernder und die vermehrte Zufuhr entzündungshemmender Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren.

Referenzen

Referenzen

  1. Di Giuseppe D, et al: Ann Rheum Dis (online) 12. August 2013
    http://dx.doi.org/10.1136/annrheumdis-2013-203338

Autoren und Interessenkonflikte

Julia Rommelfanger
Es liegen keine Interessenkonflikte vor

Adam O: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor

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