Top News vom ASCO 2013: Diashow

Megan Brooks | 8. August 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Eine Immuntherapie beim Melanom sorgte auf dem Jahrestreffen der „American Society of Clinical Oncology ASCO“ vom 31. Mai bis 4. Juni 2013 in Chicago für Aufsehen. Die scheidende Präsidentin der ASCO, Dr. Sandra Swain, hob insbesondere die „wahrhaft beachtlichen“ Ansprechraten der kombinierten Immuntherapie beim Melanom hervor.  

Forscher berichteten außerdem über neue Ergebnisse zur  Behandlung des fortgeschrittenen Zervixkarzinoms, die die klinische Praxis verändern werden. Zusätzlich gibt es mit Sorafenib jetzt erstmals seit  40 Jahren eine neue  Standardsubstanz zur Therapie des metastasierten Schilddrüsen-Karzinoms.
Fotos von Charles Cherney.

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Führende Onkologen präsentierten die neuesten Forschungsergebnisse bezüglich neuer klinischer Therapieoptionen. Zu den Highlights gehören:

  • Pazopanib verbessert das progressionsfreie Überleben beim fortgeschrittenen Ovarial-Karzinom.
  • Praxisrelevant: Wöchentliche Gabe von Paclitaxel in niedriger Dosierung beim Brustkrebs.
  • Potentieller Durchbruch beim seltenen Augenkrebs – der MEK-Inhibitor beim uvealen Melanom.

Fotos von Charles Cherney.

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„Wahrhaft beachtliches“ Ansprechen auf eine Kombinationstherapie beim Melanom

Die kombinierte Immuntherapie aus Ipilimumab (Yervoy®, Bristol-Myers Squibb) und der Testsubstanz Nivolumab (Bristol-Myers Squibb) hat bei der Behandlung des metastasierten Melanoms neue Türen aufgestoßen: Im Rahmen einer Phase I-Studie zeigten sich dauerhafte Tumorregressionen bei der Hälfte aller Patienten.  Die objektive Ansprechrate der Kombinationstherapie sei höher als die Ansprechrate in Studien zur Monotherapie der beiden verwendeten Substanzen, sagte der Leiter der Studie, Dr. Jedd Wolchok vom „Memorial-Sloan-Kettering Cancer Center“ in New York. Die scheidende Präsidentin der ASCO, Dr. Sandra Swain, betonte, dass „dies wirklich bemerkenswert“ sei und dass „ein solches Ansprechen auf eine Immuntherapie noch nie zuvor zu beobachten gewesen ist“. Fotos mit freundlicher Genehmigung der ASCO.

Mehr: Melanom: Kombination von zwei Antikörpern soll die Bremsklötze im Immunsystem lösen

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Medikamentenkombinationen gelten als die Zukunft der Melanom-Therapie

Die kombinierte oder sequentielle Gabe experimenteller Substanzen, die auch als Inhibitoren so genannter „Immune Checkpoints“ bekannt sind, führt zu einem verbesserten Outcome beim metastasierten Melanom. Das untermauern  2 Studien, die am 02. Juni im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht und zeitgleich auf dem ASCO-Meeting vorgetragen wurden. Der Erfolg der Kombination Ipilimumab und Nivolumab sowie die der experimentellen Substanz Lambrolizumab (Merck) öffne die Tür zu einer breiten Varianz von Substanzkombinationen beim Melanom und anderen Tumorentitäten. Dies gelte nicht nur für die Blockade der „Immune Checkpoimts“, wie Dr. James Rileyvon der „University of Pennsylvania“ in Philadelphia in einem begleitenden Leitartikel schrieb.  Fotos mit freundlicher Genehmigung der ASCO.

Mehr: Melanom: Kombination von zwei Antikörpern soll die Bremsklötze im Immunsystem lösen

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Bevacizumab verlängert das Überleben beim fortgeschrittenen Zervixkarzinom

Die Hinzunahme von Bevacizumab (Avastin®, Genentech/Roche) zur Chemotherapie verbesserte das progressionsfreie Überleben, das Gesamtüberleben und die Ansprechrate. Der Leiter der Studie Dr. Krishnansu Sujata Tewari von der „University of California“ in Irvine führte aus, dies sei das erste Mal, dass sich mit Hilfe einer zielgerichteten Therapie eine Verbesserung des Überlebens bei dieser Tumorentität erzielen ließe.  Die Hersteller planten nun, die Zulassung beim fortgeschrittenen Zervixkarzinom als neue Indikation für Bevacizumab zu erwirken. Fotos von Charles Cherney.

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Sorafenib als potenzielle neue Option beim fortgeschrittenen Schilddrüsen-Karzinom

Die zielgerichtete Substanz Sorafenib (Nexavar®, Bayer Health Care) könnte die erste neuartige Standard-Substanz für die Behandlung von metastasierten Schilddrüsenkarzinomen in 40 Jahren werden und somit ein neues Behandlungsfeld in der medizinischen Onkologie eröffnen, wie Dr. Marcia Brose von der „University of Pennsylvania“ in Philadelphia mitteilte. Während einer Plenarsitzung präsentierte Dr. Brose die Ergebnisse der Phase III-Studie „DECISION“, die 417 Patienten mit progressivem, Radioiod-refraktärem Schilddrüsen-Karzinom eingeschlossen hatte. Es zeigte sich eine signifikante Steigerung des medianen progressionsfreien Überlebens im Vergleich von 5.8 Monaten in der Placebogruppe mit 10.8 Monaten im Behandlungsarm mit Sorafenib. Fotos von Charles Cherney.

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Pazopanib verbessert das Überleben beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Dr. Andreas du Bois von den „Kliniken Essen Mitte“ in Essen, Deutschland berichtete Teilnehmern der Konferenz, dass „ wir endlich eine Substanz haben, die eine Stabilisierung der Erkrankung nach erfolgreicher Initialbehandlung gewährleistet“. Nach einer anfänglich erfolgreichen chirurgischen und chemotherapeutischen Behandlung konnte Pazopanib das progressionsfreie Überleben im Durchschnitt um 5.6 Monate im Vergleich zu Plazebo steigern, so Dr. du Bois weiter. Zusätzlich war der mediane Zeitraum bis zur Krankheitsprogression unter Pazopanib länger als unter Placebo (17.9 vs. 12.3 Monate). Fotos von Charles Cherney.

Mehr: Ovarialkarzinom: Erhaltungstherapie mit Pazopanib verlängert krankheitsfreies Überleben

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Starke Evidenz für wöchentliche Gabe von Paclitaxel beim Brustkrebs

Den Kongressteilnehmern wurden weiterhin Daten präsentiert, die zu einem Wechsel der Behandlungspraxis beim Brustkrebs führen werden. Die „Southwest Oncology Group S0221“- Studie postuliert, dass eine konsequente wöchentliche Gabe von Paclitaxel in niedriger Dosierung weniger toxisch ist, aber im Vergleich zum Standard der Dosis-intensiveren, zweiwöchentlichen Gabe von Paclitaxel bei Frauen mit Brustkrebs im Stadium I-III und hohem Risiko gleich gut wirkt. Dies berichtete Dr. Thomas Budd von der „Cleveland Clinic“ in Ohio. „Diese Erkenntnis wird meine Praxis definitiv ändern“, sagte Dr. Andrew Seidman vom „Memorial Sloan Kettering Cancer Center“ in New York. Fotos von Charles Cherney.

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Durchbruch beim seltener Augenkrebs: Die erste Substanz mit Wirkung

Eine neue Möglichkeit zur Behandlung des seltenen Uvea-Melanoms sorgte beim ASCO-Treffen für Aufsehen. Im Rahmen einer „Proof-of-Concept“-Studie erhielten 48 Patienten die zu untersuchende Substanz Selumetinib (AstraZeneca) – einen MEK-Inhibitor. 50% der Studienpatienten zeigten einen partiellen Rückgang der Tumormanifestationen, während 15% eine deutliche Remission aufwiesen. Die Ergebnisse waren „ziemlich bemerkenswert“, da ein radiologisch nachgewiesener Rückgang des Tumors  bei dieser Erkrankung eine Rarität darstelle,  sagte Dr. Richard Carvajal vom „Memorial Sloan Kettering Cancer Center“ in New York. Fotos mit freundlicher Genehmigung von Wikimedia.

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Verdacht der bildgebenden Überdiagnostik bei  Lymphom-Patienten

Die Standardversorgung von Patienten mit diffusem, großzelligem B-Zell-Lymphom, die eine komplette Behandlung mittels Immun-Chemotherapie hinter sich  haben, sieht ein routinemäßiges Monitoring mittels CT alle 6 Monate während der folgenden 2 Jahre vor. Allerdings zeigte eine Studie mit 537 Patienten, dass die regelmäßige Durchführung von CT´s nur wenige Rezidive vor dem Auftreten von klinischen Symptomen erkennen lässt.  „ Unsere Ergebnisse waren überraschend. Wir haben herausgefunden, dass Staging-CT´s nur bei einer Handvoll Patienten ohne klinische Symptome ein Rezidiv nachweisen konnten“, sagte die Leiterin der Studie, Dr. Carrie Thompson, Hämatologin an der „Mayo Clinic“ in Rochester, Minnesota. Foto von Thinkstock.

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Kalzium und Magnesium sollen nicht mehr mit Oxaliplatin gemeinsam verabreicht werden

Die Ergebnisse einer kontrollierten Studie legen nahe, die gemeinsame Anwendung von intravenösem Kalzium und Magnesium zusammen mit Oxaliplatin, die das Risiko einer Neuropathie als Komplikation reduzieren soll, künftig zu unterlassen. „Diese Studie hat gezeigt, dass von intravenös verabreichtem Kalzium und Magnesium keinerlei protektive Schutzwirkung im Hinblick auf eine Oxaliplatin-induzierte Neuropathie zu erwarten ist“, so die Zusammenfassung der Studienautoren. Dr. Charles Loprinzi von der „Mayo Clinic“ in Rochester, Minnesota widersprach:“Diese allgemeine Praxis sollte nicht geändert werden“. Dr. Richard Wilson von der „Queen´s University“ in Belfast, Nordirland hatte die Studie zuvor als „Anlass zum Wechsel der üblichen Praxis“ bezeichnet. Foto von Thinkstock.

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Cetuximab besser als Bevacizumab zur  Erstlinientherapie beim kolorektalen Karzinom

Eine Studie aus Deutschland zeigt, dass Patienten mit metastasiertem,  kolorektalem Karzinom ohne Mutationen des KRAS-Gens von der zusätzlichen Gabe  von Cetuximab (Erbitux®, ImClone Systems) zu einer FOLFIRI-Chemotherapie (Folsäure+Fluoro-Uracil+Irinotecan) mehr profitieren als  durch die zusätzlichen Verabreichung von Bevacizumab (Avastin®, Genentech). Obwohl das progressionsfreie Überleben in der Cetuximab- und Bevacizumab-Gruppe jeweils fast identisch war (10.0 vs. 10.3 Monate), war das Gesamtüberleben bei denjenigen Patienten länger, die Cetuximab erhielten (28 vs. 25 Monate), wie Dr. Volker Heinemann von der Universitätsklinik München in Deutschland berichtete. Allerdings raten Experten zur Vorsicht bei der Interpretation der Resultate, da viele Fragen unbeantwortet bleiben. Fotos von Charles Cherney.

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Screening des Zervixkarzinoms mit Essig reduziert die Mortalität

Eine Studie aus Indien berichtet von einer deutlichen Reduktion der Mortalität durch Zervixkarzinome, wenn im Falle mangelhafter ärztlicher Versorgung einfache Maßnahmen ergriffen werden. Demnach konnte die Mortalitätsrate durch die visuelle Inspektion und Behandlung mit Essigsäure oder Essig durch nichtmedizinisches, aber für eine gesundheitliche Basisversorgung geschultes Personal um 31% gesenkt werden. „Es gab fast keine Überdiagnostik, ein Labor ist nicht notwendig, und die Anwendung kann in Gegenden ohne sonstige medizinische Versorgung verbreitet stattfinden“, sagte der Studienleiter Dr. Surendra Srinivas Shastri vom „Tata Memorial“ Krankenhaus in Mumbai, Indien. „Falls es in Indien auf nationaler Ebene angewendet würde, könnten so 22.000 Zervixkarzinom-bedingte Todesfälle vermieden werden. Bei weltweiter Anwendung in Ländern mit niedrigstem medizinischem Standard könnten derart rund 72.000 Menschen in den Entwicklungsländern gerettet werden“.

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Autoren und Interessenkonflikte

Diese Diashow wurde ursprünglich von Medscape.com am 18. Juni 2013 präsentiert.

Informationen zu den Mitarbeitern:

Megan Brooks
Freiberufliche Journalistin
Weston, Conneticut, USA

Allison Shelley
Herausgeberin der „Medscape Conference News“
Ottawa, Ontario, Canada

Darbe Rotach
Redakteur Abteilung Fotographie Medscape
New York City, USA

Charles Cherney
Freiberuflicher Fotograph
Chicago, Illinois, USA

Zosia Chustecka
Nachrichtenredakteurin „Medscape Oncology“
London, England, GB

Nick Mulcahy
Leitender Journalist „Medscape Oncology“
Philadelphia, Pennsylvania, USA

Roxanne Nelson
Jornalistin „Medscape Oncology“
Bellingham, Washington, USA

Emily Barry
Nachrichtenredakteurin Medscape
New York City, USA

Offenbarung: Für die  oben erwähnten Mitarbeiter bestehen keine Interessenkonflikte.

Übersetzung:

Dr. med. Christoph Eimer

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