Kreuzfahrten gesund genießen: Norovirus und Co. vorbeugen

Douglas Esposito, MD, MPH | 25. Juli 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Auf Kreuzfahrten kann man herrlich entspannen und die Welt kennenlernen – aber nur, solange man gesund ist. Über Norovirus-Epidemien auf Kreuzfahrtschiffen wird in den Medien immer wieder berichtet, aber es gibt noch weitere Risiken auf einer solchen Reise. Dr. Douglas Esposito vom reisemedizinischen Bereich am Centers for Disease Control and Prevention (CDC, Zentren für Krankheitsüberwachung und –prävention), Atlanta, USA, berichtet über Gesundheitsrisiken in Verbindung mit Kreuzfahrten und darüber, welche Ratschläge Ärzte ihren Patienten zur Vorbeugung mitgeben können.

 
„Der einfachste und effektivste Schutz auf Kreuzfahrten dürfte die Einhaltung simpler Hygienevorkehrungen sein.“
Dr. Douglas Esposito
 

Auch die Anlaufhäfen beachten

In dem begrenzten, umschlossenen Raum eines Kreuzfahrtschiffs haben es Infektionskrankheiten besonders leicht, sich zu verbreiten. Dies gilt insbesondere für Magen-Darm-Erkrankungen, hervorgerufen zum Beispiel durch das Norovirus, aber auch für Atemwegserkrankungen durch Erreger wie Influenzaviren oder Legionellen.

Die Schiffsbesatzungen stammen häufig aus Entwicklungsländern mit unzureichenden Impfraten, so dass Krankheiten wie Röteln oder Windpocken, die sich durch Impfungen vermeiden ließen und für die hierzulande die Ansteckungsgefahr oft weit geringer ist, auf den Schiffen ausbrechen können. Wenn Patienten eine Kreuzfahrt planen, sollte der betreuende Arzt daher darauf achten, dass alle Routineimpfungen, insbesondere auch die jährliche Grippeimpfung, auf dem aktuellen Stand sind.

Spezifische Risiken an den Reisezielen und den vorgesehenen Anlaufhäfen sollten sie ebenfalls berücksichtigen. Zwar sind Landausflüge üblicherweise kurz und die Gefahr einer Vektorenübertragung entsprechend niedrig. Doch manche Reisen sehen auch einen oder mehrere Tage mit Übernachtungen an Land vor. Je nach den Reiseplänen der Patienten und je nach Ausflugsziel sowie geplanten Aktivitäten könnten Malariaprophylaxe oder weitere Impfungen indiziert sein. Falls das Kreuzfahrtschiff einen Hafen in einem Land ansteuert, in dem Gelbfieber endemisch vorkommt, könnte es sein, dass dieses Land eine Gelbfieberimpfung verlangt.

Bei einem Aufenthalt im Hafen sollten Reisende außerdem Vorkehrungen zum Schutz vor Insekten und vor durch Lebensmittel und Wasser übertragene Krankheiten treffen. Das Auswärtige Amt hält auf seiner Website Reiseziel-spezifische Gesundheitshinweise bereit, in den USA bietet die Website des CDC Travelers' Health entsprechende Informationen an.

Der einfachste und effektivste Schutz auf Kreuzfahrten dürfte die Einhaltung simpler Hygienevorkehrungen sein. Regelmäßiges, sorgsames Händewaschen gehören dazu. Dabei sollten die Desinfektionsmittel benutzt werden, die überall auf Schiffen in Spendern bereitgestellt werden. Bei Husten oder Niesen sollten Mund und Nase mit Schulter, Armbeuge oder einem Taschentuch bedeckt werden.

Auch der Versicherungsschutz ist zu prüfen

Patienten, die vor der geplanten Reise erkrankt sind, sollte geraten werden, den Reisezeitpunkt zu verschieben. Sollten sie an Bord erkranken, können sie dort den medizinischen Dienst aufsuchen. Um die Ausbreitung von Infektionen zu vermeiden, müssen erkrankte Passagiere in ihren Kabinen bleiben, bis die Symptome abklingen.

Die Krankenstationen auf Kreuzfahrtschiffen sind dafür ausgerüstet, eine Vielzahl an Krankheiten und Verletzungen behandeln zu können und sind darin vergleichbar mit ambulanten Versorgungszentren. Kreuzfahrtpassagiere sollten jedoch vor Reiseantritt überprüfen, ob ihre Krankenversicherung auch für medizinische Behandlungen in internationalen Gewässern aufkommt und sich gegebenenfalls zusätzlich für die Reise versichern.

Chronische Krankheiten können sich durch die Unterbrechung der normalen Routine und Ernährung auf einer Kreuzfahrt verschlimmern. Deshalb sollten sich chronisch Kranke, wenn sie verreisen, vergewissern, dass das medizinische Personal auf dem Schiff in der Lage ist, ihre Krankheit zu behandeln, und dass die Krankenstation entsprechend ausgerüstet ist. Passagiere mit ernsthaften Erkrankungen sollten einen aktuellen medizinischen Bericht und ein EKG mit sich führen. Es gibt auch speziell auf bestimmte chronische Erkrankungen abgestimmte Kreuzfahrten, zum Beispiel für Dialysepatienten.

Die Reisekrankheit ist ein weiteres häufig auftretendes Übel auf Kreuzfahrten. Entgegen weitläufiger Annahmen hängt die Seekrankheit jedoch eher nicht mit der Lage der Kabine zusammen. Ärzte können gegebenenfalls ein Antiemetikum, wie zum Beispiel Ondansetron oder Scopolamin, verschreiben, oder sie raten ihren Patienten, ein rezeptfreies Mittel wie Dimenhydrinat einzupacken.

Insgesamt ist das Risiko einer Erkrankung oder Verletzung auf einer Kreuzfahrt gering: Die meisten Passagiere kehren gesund und munter, um viele schöne Erinnerungen und vielleicht ein paar Extrakilos reicher zurück. Trotzdem sollten Ärzte ihre Patienten darin bestärken, die genannten Regeln zum Schutz ihrer Gesundheit zu befolgen.

Dieser Artikel wurde von Andrea Thode aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

Referenzen

Referenzen

  1. Esposito D: Videobeitrag auf Medscape.com
    http://www.medscape.com/viewarticle/807143

Autoren und Interessenkonflikte

Douglas Esposito, MD, MPH, hat keine relevanten finanziellen Beziehungen offenbart.

Esposito D: Epidemiologe an den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Bereich Travelers' Health/Reisemedizin. Im Rahmen einer Kooperation von CDC und der International Society of Travel Medicine arbeitet er vornehmlich mit GeoSentinel zusammen, dem internationalen Überwachungsnetzwerk für reiseassoziierte Erkrankungen.

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