Ferien vom Diabetes – Wie sollten Betreuer damit umgehen?

Ute Eppinger | 24. Juli 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Endlich Ferien! Morgens ausschlafen, baden gehen, ein Eis essen – mal ein wenig dem Schlendrian nachgeben. Dass Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes dies auch tun und in den Ferien eher mal ihr Krankheitsmanagement schleifen lassen – wen wundert´s?

 
„Kommen die Kinder in die Pubertät, dann wollen und müssen sie sich abnabeln. Reagiert man dann mit zu viel Kontrolle, erreicht man eher das Gegenteil.“
Prof. Dr. Stephan Martin
 

„Das ist doch schon bei erwachsenen Typ-1-Diabetikern so. Und Kinder sind eben Kinder, insofern habe ich mir das schon gedacht“, zeigt sich Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum (WDGZ) in Düsseldorf, wenig überrascht von den Ergebnissen einer vor Kurzem im Journal of Pediatric Endocrinology and Metabolism erschienenen Studie [1].

Dr. Zohar Landau von der Pädiatrischen Endokrinologie und Diabetes Einheit am Wolfson Medical Center in Holon, Israel, und Kollegen haben das Diabetesmanagement von 45 Schulkindern (Alter 7 bis 19 Jahre) mit Typ-1-Diabetes in einer pädiatrischen Diabetesklinik analysiert. Die Kinder wurden nach Alter (21 unter 12 Jahre alt, 24 älter) und nach der Art der  Behandlung (Pumpe oder intensivierte Insulintherapie) stratifiziert. Analysiert wurden Messdaten, die von Glukometer und Insulinpumpe während 5 aufeinanderfolgenden Ferientagen (nicht durch ein Wochenende unterbrochen) und 5 aufeinanderfolgenden Schultagen abgelesen worden waren.

Kinder halten sich enger an den Diabetesplan als Jugendliche

In den Ferien war die durchschnittliche Zahl der täglichen Blutzucker-Messwert-Ablesungen signifikant niedriger (4,4 vs. 4,8, p<0,01). Der Blutglukosespiegel war während der Ferien zudem leicht höher als während der Schulzeit. Dabei hielten sich die jüngeren Kinder auch in den Ferien noch mehr an ihren Diabetesplan als die Jugendlichen. Sie hatten dementsprechend niedrigere HbA1c-Werte (7,7 vs. 8, 6%, p<0,05), häufigere tägliche Ablesungen und einen niedrigeren durchschnittlichen Blutzuckerwert – dies während der Ferien aber auch an Schultagen.

Bei den Pumpenträgern unterschieden sich allerdings die tägliche Bolus-Zahl und die täglichen Insulin-Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht in Ferien- und Schulzeiten nicht.

Das Typ-1-Diabetesmanagement von Schulkindern verschlechtert sich also während der Ferienzeit – und dies noch ausgeprägter bei den jugendlichen Schülern als bei den jüngeren Kindern. Wer in der Betreuung von Kindern mit Typ-1-Diabetes arbeite, solle dies bedenken, empfehlen Landau und sein Team. Sie raten, über entsprechende Interventionsprogramme nachzudenken.

Verschlechterung der Blutzuckerwerte nach den Ferien ist typisch

„Ganz typisch ist, dass die Blutzuckerwerte z.B. nach den Weihnachtsferien schlechter sind, und es ist auch klar, woran das liegt“, stellt auch Martin klar. Nur wie bringt man Kinder und Jugendliche dazu, auf ihre Werte zu achten? Nach der Erfahrung des deutschen Diabetesexperten auf jeden Fall nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.

„Wenn Kinder und Jugendliche wenigstens in den Ferien ihre Erkrankung mal ein bisschen vergessen und beiseite schieben wollen, dann ist das verständlich und nicht so schlimm“, gibt Martin zu bedenken und rät: „Man sollte regulativ darauf eingehen und erklären, dass es wichtig ist, dass die Werte nicht aus dem Ruder laufen, dass es aber auch nicht ungewöhnlich ist, wenn es mit dem Diabetesplan während der Ferien nicht ganz so gut klappt wie zu Schulzeiten.“

Dies sei vor allem auch bei Jugendlichen wichtig. „Normalerweise kümmern sich immer die Mütter um das Diabetesmanagement. Kommen die Kinder in die Pubertät, dann wollen und müssen sie sich abnabeln. Reagiert man dann mit zu viel Kontrolle, erreicht man eher das Gegenteil“, so Martins Erfahrung. Mit den Kindern im Gespräch zu bleiben und auch kleine Fortschritte zu loben helfe, diese Zeiten gut durchzustehen.

Referenzen

Referenzen

  1. Landau Z, et al: JPEM (online) 30. Mai 2013
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23740676

Autoren und Interessenkonflikte

Ute Eppinger
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Martin S: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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