Venenpunktion bei Kindern: Musik hilft gegen den Schmerz

Ute Eppinger | 22. Juli 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Mit Musik geht alles besser – möglicherweise sogar das Legen intravenöser Zugänge. Jedenfalls deuten die Ergebnisse einer jetzt im Journal of the American Medical Association erschienenen Studie darauf hin [1]. Dr. Lisa Hartling vom Alberta Research Centre for Health Evidence an der Universität Alberta in Edmonton, Kanada, hatte an 42 Kindern untersucht, ob Musikhören Schmerzen und Stress beim Legen eines intravenösen Zugangs reduzieren kann.

 
„Der Musikgeschmack einzelner Patienten ist sehr unterschiedlich. Und je nachdem, was einem Kind gefällt, wirkt Musikberieselung dann nicht immer entspannend.“
Prof. Dr. Stephan Kellnar
 

„Grundsätzlich synchronisiert Musik die Hirnströme und entspannt dadurch“, bestätigt Prof. Dr. Stephan Kellnar, Ärztlicher Direktor der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Dritter Orden in München im Gespräch mit Medscape Deutschland. „Eine interessante Studie, wir haben die Ergebnisse im Team diskutiert“, berichtet der Kinderchirurg. „Wir hätten die Idee auch übernommen, wenn statistisch signifikante Beweise für eine deutliche Stressreduktion vorgelegen hätten.“

Doch eben die Stressreduktion belegt Hartlings Studie nicht. Den Aufwand, das Hören von Musik in den Behandlungsräumen zu ermöglichen, stuft Kellnar zwar als gering ein, gibt aber zu bedenken: „Der Musikgeschmack einzelner Patienten ist sehr unterschiedlich. Und je nachdem, was einem Kind gefällt, wirkt Musikberieselung dann nicht immer entspannend.“

Musik kann von Schmerzen ablenken

Die Anlage eines intravenösen Zugangs werde von Kindern als besonders schmerzhaft empfunden, betont Hartling. Zudem ist das Legen von intravenösen Zugängen bei Kindern nicht einfach – zur Ablenkung werden kühlende Sprays, konzentriertes Atmen und Pharmakotherapie eingesetzt. Die Wissenschaftler um Hartling wollten nun wissen, inwieweit auch das Hören von Musik Kinder von der leidigen Prozedur ablenken kann.

Den während einer Venenpunktion untersuchten 42 Kindern im Alter von 3 bis 11 Jahren wurde gut zugeredet und das Procedere erklärt, 21 Kinder hörten zusätzlich via iPod über Lautsprecher 4 Musikstücke in immer der gleichen Reihenfolge: Mozarts Jupitersymphonie, Storms in Africa von Enya, Disco Beat und Sunny Days von Lighthouse. Bei nicht allen Kindern wurden alle 4 Stücke bis zum Ende gespielt. Als primärer Endpunkt galt gestresstes Verhalten (erfasst mittels Observational Scale of Behavioral Distress-Revised, OSBD-R). Sekundäre Endpunkte waren die vom Kind berichteten Schmerzen, die Herzschlagrate, die Zufriedenheit von Eltern und Pflegepersonal, die Leichtigkeit. mit der der Eingriff durchzuführen war, und elterliche Angst.

Hartling: „Wir fanden keinen signifikanten Unterschied im gestressten Verhalten vor dem Eingriff und unmittelbar nach dem Eingriff.“ Schloss man aber Kinder, die keinen Stress während des Eingriffs aufwiesen, von der Analyse aus, zeigte sich ein signifikant geringerer Stressanstieg in der Musikgruppe (Standardpflege-Gruppe = 2,2 vs. Musikgruppe = 1,1, p<0,05). Als klinisch wichtig stuften die Wissenschaftler hingegen die Schmerz-Scores ein, die in der Kontrollgruppe im Vergleich zur Musikgruppe um 2 Punkte höher lagen (p=0,04). Auch die Eltern zeigten sich zufrieden und die Punkteure sagten in 76% der Fälle, dass der Katheter leicht zu legen war (vs. 38% in der Kontrollgruppe).

Kellnar geht in München einen anderen Weg. „Dem Kind in die Augen schauen, mit ihm reden und ihm das Gefühl vermitteln, ich bin für Dich da, es passiert nichts - ich glaube das ent-ängstigt mehr, als das reine Abspielen von Musik.“

Referenzen

Referenzen

  1. Hartling L, et al: JAMA Pediatr (online) 15. Juli 2013
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23857075

Autoren und Interessenkonflikte

Ute Eppinger
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Dr. Hartling wurde unterstützt von den New Investigator Salary Awards des Canadian Institutes of Health Research.

Kellnar S: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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