Doping im Sport – alte und neue Herausforderungen

Prof. Dr. Mario Thevis | 2. Juli 2013

Autoren und Interessenkonflikte

 

Prof. Dr. Mario Thevis
 

Der Nachweis des illegalen Einsatzes von Dopingsubstanzen bzw. von Methoden der unerlaubten Leistungssteigerung wird zunehmend komplexer – und verlangt kontinuierlich verbesserte Detektionsverfahren. Eine der Ursachen hierfür sind die ständig wachsenden Möglichkeiten des Dopings, etwa aufgrund der enorm schnellen und facettenreichen Entwicklung neuer potenzieller Pharmaka. Auch werden Schwarzmarktprodukte und ‚Designer-Substanzen´ über das Internet zunehmend leichter verfügbar. Und es gibt nach wie vor organisierte Netzwerke dopingbereiter Sportler und ihrer Entourage.

Nicht marktfähig als Arznei, aber als Dopingmittel noch tauglich  

Ein hochaktuelles Beispiel des Einsatzes einer nicht-zugelassenen Substanz ist GW1516 (auch als GW501516 bezeichnet). Das Mittel soll zu einer Verbesserung der Muskulatur bezüglich der Ausdauerleistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Gewichtsreduktion führen. Obwohl der Hersteller bereits 2006 die Forschung und Entwicklung dieses Produkts – vor allem wegen eines erhöhten Krebsrisikos – eingestellt hat, sah sich die Welt Anti-Doping Agentur (WADA) 2008 veranlasst, das Präparat namentlich in die Liste verbotener Substanzen aufzunehmen.

Mit vollem Recht, wie sich erst kürzlich bestätigt hat. Mit Hilfe von Nachweismethoden, die zwischen 2008 und 2010 etabliert worden waren, konnten zahlreiche Athleten in der jüngsten Vergangenheit des Missbrauchs dieser Verbindung (GW1516) überführt werden. Sie hatten die Substanz trotz der erheblichen gesundheitlichen Risiken nachweislich genommen.

Ein ähnliches Beispiel gibt es im Bereich der anabolen Wirkstoffe. Immer öfter werden derzeit so genannte SARMs (Selektive Androgen-Rezeptor Modulatoren) im Urin von  Athleten entdeckt. Auch diese Wirkstoffe besitzen ausnahmslos keine klinische Zulassung. Sie wurden entweder bereits aus der Entwicklung zurückgezogen oder befinden sich noch in der Erprobungsphase. Seit dem Jahr 2008 sind diese explizit durch die Verbotsliste der WADA als nicht erlaubte Substanzen deklariert und durch präventive Anti-Doping Maßnahmen im großen Umfang auch detektierbar.

Dopingtest: Es kommt auf die richtigen Proben an 

Dies alles bedeutet jedoch nicht, dass ‚klassische´ Dopingmaßnahmen an Bedeutung verloren hätten. Nach wie vor zählen anabol-androgene Steroide, Stimulantien und Peptidhormone wie Erythropoiese-stimulierende Agenzien (z.B. Erythropoietin) zu den am häufigsten nachgewiesenen und/oder eingestandenen Dopingmaßnahmen. Hier haben sich durch empfindlichere Detektionsmethoden die Nachweismöglichkeiten verbessert und es ist inzwischen auch ein längerfristig zurückliegender Missbrauch von dopingrelevanten Verbindungen möglich.

Komplementär zu diesen als direkte Nachweisverfahren bezeichneten Prozeduren sind zunehmend Effektoren-basierte, indirekte Nachweismöglichkeiten in der Dopinganalytik implementiert worden. Prominentes Beispiel ist der Athlete Biological Passport (ABP), welcher verschiedene Blutparameter berücksichtigt und so Methoden des Dopings wie Bluttransfusionen erkennbar werden lässt. Zudem wird seit 2012 ein indirektes Nachweisverfahren für den illegalen Einsatz von Wachstumshormon (hGH) eingesetzt, welches auffällige Werte beim Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor IGF-1 und dem N-terminalen Propeptid des Pro-Collagens Typ III (P-III-NP) erfasst und somit den zurückliegenden Einsatz von hGH aufzeigen kann.

Wirksam werden doping-analytische Methoden jedoch nur, wenn die erforderlichen Probenmatrices (Urin und Blut) verfügbar sind und diese zu adäquaten Zeitpunkten von den zu kontrollierenden Personen erhalten werden können. Aufgrund der sehr variablen Eliminationszeiten, Dosierungen und Nachweisbarkeiten der verschiedenen Verbindungen und Präparate in Blut oder Urin sind unangekündigte Trainingskontrollen ein wesentlicher Bestandteil des modernen Anti-Doping Kampfs.

Anti-Doping Arbeit bedarf kontinuierlicher Weiterentwicklung

So kann gegenwärtig z.B. ein Blutdoping nicht mittels Urinproben festgestellt werden und umgekehrt kann ein länger zurückliegender Anabolika-Missbrauch deutlich besser im Urin als im Blut nachvollzogen werden. Als ein weiterer Meilenstein im Sinne eines effektiven Anti-Doping Programms hat sich die Langzeitlagerung und Möglichkeit zur Re-Analyse von Dopingkontroll-Proben erwiesen. Damit konnte retrospektiv eine Vielzahl von dopenden Sportlern des betrügerischen Einsatzes verbotener Substanzen überführt werden.

Die Anti-Doping Arbeit bedarf kontinuierlicher Weiterentwicklung, um den fortschreitenden Möglichkeiten der illegalen Leistungssteigerung, darunter auch den verschiedenen Methoden des Gendopings, adäquate Grenzen setzen zu können.

Autoren und Interessenkonflikte

Prof. Dr. Mario Thevis
Deutsche Sporthochschule Köln, Zentrum für Präventive Dopingforschung/Institut für Biochemie & Europäische Beobachtungsstelle für neue Dopingsubstanzen (EuMoCEDA)

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