Urlaub mit Opium: Regeln für das Reisen mit Betäubungsmitteln

Inge Brinkmann | 28. Juni 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Wie schnell man gegen die Einreisebestimmungen eines Landes verstoßen kann, musste ein Schweizer Bürger vor ein paar Jahren schmerzlich bei der Einreise in die Vereinigten Arabischen Emirate lernen. Ein noch am Flughafen Heathrow verzehrtes Mohnbrötchen – bzw. die 3 Mohnsamen, die man später noch an seiner Kleidung fand – reichten offensichtlich für seine Inhaftierung aus. Zumindest hatte die britische Nicht-Regierungsorganisation „Fair Trials International“ Anfang 2008 darüber berichtet [1]. Die Organisation bietet kostenlose Beratung und Informationen an für Personen, die außerhalb ihres Heimatlandes verhaftet worden sind.

 
„Ärzte sollten immer eine ausreichend hohe Dosierung auf den Bescheinigungen angeben.“
Dr. Gerhard Müller-Schwefe
 

Bei dem Fall des Schweizer Mannes mag es sich um einen medienträchtigen Einzelfall gehandelt haben. Er kann aber den Blick für mögliche Probleme beim Reisen schärfen, besonders wenn dabei Betäubungsmittel mitgeführt werden müssen. Auch Dr. Gerhard Müller-Schwefe vom Schmerz- und Palliativzentrum Göppingen und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e. V. erklärt im Gespräch mit Medscape Deutschland, wie wichtig es ist, die jeweiligen Länderbestimmungen einzuhalten: „Sonst kann es einem in einigen Ländern passieren, dass man wie ein Drogendealer behandelt und entsprechend bestraft wird.“

Besonders bei Reisen in asiatische oder arabische Länder sollten sich Patienten vorher genauestens informieren und bei den diplomatischen Vertretungen des Ziellandes die Bestimmungen erfragen.

Einheitliche Regeln bei Reisen in Schengen-Staaten

Pünktlich zu Beginn der Urlaubszeit hat auch die Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zum wiederholten Mal auf die Regeln beim Reisen mit Betäubungsmitteln hingewiesen [2]. Beachten müssen diese nicht nur Schmerzpatienten, sondern beispielsweise auch mit Modafinil behandelte Narkoleptiker oder ADHS-Patienten, die Methylphenidat einnehmen.

Damit auch diese Patienten möglichst entspannt in Urlaub fahren können, sollten Mediziner ihre Patienten über die mit der Reise verbundenen Vorschriften informieren. Relativ unkompliziert lassen sich dabei noch Reisen in Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens planen. Denn Arzneien, die nach der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) verschrieben wurden, können von den Patienten in einer der Dauer der Reise angemessenen Menge als persönlicher Reisebedarf für 30 Tage mitgeführt werden.

Ganz ohne Bürokratie geht es aber nicht bei Reisen nach Finnland, Ungarn oder Portugal: Vor Reiseantritt muss vom behandelnden Arzt für jedes einzelne Medikament eine Bescheinigung gemäß Artikel 75 des Schengener Abkommens ausgefüllt werden, die anschließend noch von der obersten Landesgesundheitsbehörde (oder einer von ihr beauftragten Stelle) beglaubigt werden muss. Die Bescheinigung und eine Liste der zuständigen Landesbehörden können jedoch unkompliziert auf www.bfarm.de/reisen heruntergeladen werden.

Reisen in andere Länder

Bei Reisen in andere Länder sollten Ärzte die mehrsprachige Bescheinigung des International Narcotics Control Board (INCB) ausstellen, die Angaben zu Einzel- und Tagesdosierungen, Wirkstoffbezeichnung, Wirkstoffmenge und Dauer der Reise enthält. Ein Muster dafür findet sich ebenfalls auf den Seiten des BfArM.

Müller-Schwefe ergänzt: „Die Menge der mitgeführten Betäubungsmittel muss dann aber auch genau der berechneten Menge auf der Bescheinigung entsprechen.“ Wenn es im Laufe der Reise zu Verzögerungen kommt, zum Beispiel bei einem verspäteten Flug, können dadurch schon mal Probleme entstehen. „Ärzte sollten deshalb immer eine ausreichend hohe Dosierung auf den Bescheinigungen angeben.“

Patienten könnten ihrerseits Unannehmlichkeiten vorbeugen, indem sie bei Flugreisen die Medikamente im Handgepäck verstauen oder zumindest auf mehrere Gepäckstücke verteilen. „Wie oft kommt ein Koffer nicht mit an, dann hat man wenigstens noch etwas im Handgepäck.“

In einigen Ländern reichen aber selbst die INCB-Bescheinigungen nicht aus. Sie verlangen zusätzlich Importgenehmigungen, schränken die Menge der mitzuführenden Betäubungsmittel ein oder verbieten die Mitnahme von bestimmten Mitteln sogar generell. Die Rechtslage muss vor Reiseantritt individuell geklärt werden.

In die Vereinigten Arabischen Emirate etwa dürfen keinerlei Opiatderivate eingeführt werden. Und wer glaubt, dass es sich bei der Geschichte des Schweizer Mannes, dem ein paar Mohnsamen auf der Kleidung zum Verhängnis wurden, um ein modernes Märchen handelt, kann sich auf der Webseite der Regierung von Dubai eines Besseren belehren lassen: Dort wird ausdrücklich vor der Einfuhr von Backwaren mit diesen Samen gewarnt [3].

Referenzen

Referenzen

  1. Fair Trials International, Pressemitteilung vom 7. Februar 2008
    http://www.fairtrials.net/press/press-releases/charity-issues-urgent-warning-to-all-travellers-to-uae-after-briton-is-imprisoned-for-4-years/
  2. BfArM, Pressemitteilung 6/2013 vom 12. Juni 2013
    http://www.bfarm.de/DE/BfArM/Presse/mitteil2013/pm06-2013.html
  3. Official Portal of Dubai Government: Avoid bringing banned items into the UAE, veröffentlicht am 30. Mai 2011
    http://www.dubai.ae/en/Lists/HowToGuide/DispForm.aspx?ID=6

Autoren und Interessenkonflikte

Inge Brinkmann
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Müller-Schwefe G: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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