Saxagliptin: Nicht besser als Plazebo zur Reduktion harter kardiovaskulärer Endpunkte

Ute Eppinger | 20. Juni 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Primärziel Sicherheit erreicht, Primärziel überlegene Wirksamkeit nicht – so auf den Punkt bringen lassen sich die Topline-Ergebnisse, die die Arzneimittelhersteller Bristol Myers Squibb und AstraZeneca jetzt zum oralen Antidiabetikum Saxagliptin (Onglyza®) bekannt gegeben haben [1]. Damit liegen erste, eher ernüchternde Resultate der Phase-4-SAVOR-TIMI-53-Studie (Saxagliptin Assessment of Vascular Outcomes Recorded in Patienten with Diabetes Mellitis) vor.

Die Zulassung von Saxagliptin durch die FDA fiel in die Umbruchphase neuer FDA-Richtlinien, die Endpunkt-Studien zu kardiovaskulären Ereignissen fordern. Da die klinischen Tests seitens der Hersteller abgeschlossen waren, liefert die im Mai 2010 gestartete SAVOR-TIMI 53 mit 16.500 erwachsenen Typ-2-Diabetikern diese Daten nach. Die Studie wurde geleitet von Dr. Itamar Raz von der Hadassah Medical Organization in Jerusalem, Israel, und Dr. Deepak Bhatt vom Brigham and Women's Hospital in Boston, USA. Alle Studienteilnehmer weisen eine Anamnese von bestehenden kardiovaskulären Erkrankungen oder multiple Risikofaktoren auf [2].

Den Angaben der Hersteller zufolge zeigen die Ergebnisse, dass Saxagliptin, wenn man es in einer Tagesdosis 5 mg oder 2,5 mg zur Standardtherapie der Patienten hinzufügt, im Vergleich mit einem ebenfalls zur Standardtherapie verabreichten Plazebo zwar ein gutes Sicherheitsprofil aufweist. Der primäre Nachweis seiner Überlegenheit in der Reduktion harter Endpunkte – nämlich kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall – gelang hingegen nicht.

Saxagliptin ist indiziert als Ergänzung zu Diät und Sport für die Verbesserung der glykämischen Kontrolle des Blutzuckers bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern. Die Substanz sollte laut Hersteller nicht bei Patienten mit Typ-1-Diabetes angewandt werden oder bei diabetischer Ketoazidose (erhöhte Ketonspiegel in Blut oder Urin), da es für diese Indikationen nicht wirksam ist. Saxagliptin ist bei Patienten, die eine Anamnese für Pankreatitis aufweisen nicht erforscht.

Saxagliptin hemmt die Di-Peptidyl-Peptidase 4 (DPP-4) und darüber hinaus den enzymatischen Abbau von körpereigenem GLP-1. Durch die DDP-4-Hemmung erhöhen sich die Spiegel des Inkretinhormons Glucagon-like Peptid (GLP) 1, das glukoseabhängig die Insulinsekretion fördert und die Glukagonsekretion blockiert.

GLP 1 wird normalerweise sehr rasch von der DPP-4 abgebaut und hat dann nur eine Halbwertszeit von wenigen Minuten. DDP-4-Hemmer wirken nicht nur über Insulin und Glukagon, sie verlangsamen auch die Magenentleerung und weisen nur ein geringes Hypoglykämierisiko auf.

Dass sich diese Mittel außerdem nicht nachteilig auf das Körpergewicht auswirken oder sogar das Abnehmen unterstützen, werten viele Patienten und Ärzte als bedeutsamen Vorteil gerade für übergewichtige Typ-2-Diabetiker. Von den Typ-2-Diabetikern in Deutschland werden schätzungsweise 1,5% der Patienten mit Inkretinmimetika und 7% mit DPP-4-Hemmern behandelt. Die Hersteller teilten mit, dass die vollständigen Ergebnisse auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) am 2. September in Amsterdam vorgestellt werden.

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Ute Eppinger
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