Ärztegehälter stagnierten 2012 – erste Medscape-Umfrage in Deutschland mit einigen überraschenden Ergebnissen

Dr. Franz Jürgen Schell | 17. Juni 2013

Autoren und Interessenkonflikte

Im vergangenen Jahr stagnierten die Einkommen der Ärzte weitgehend. So gaben mit 63% fast zwei Drittel der Teilnehmer an, dass ihr Einkommen gleich geblieben ist. Über eine Erhöhung von bis zu 10% konnten sich 19% der Befragten freuen. Noch mehr gab es nur für 4% der Befragten. Demgegenüber hatten 5% bis zu 10%ige Einbußen zu verkraften und für 8% lagen diese sogar über 10%.

Das sind einige Ergebnisse der ersten Online-Umfrage von Medscape unter den auf dieser Website registrierten deutschen Ärzten. Mit 753 Teilnehmern ist die Erhebung sicherlich nicht repräsentativ im Vergleich zu den USA, wo bei der letzten Umfrage 24.000 Ärzte teilnahmen, aber in Deutschland gibt es Medscape auch erst seit letztem Jahr. Ein interessantes Stimmungsbild ergibt sich dennoch.

Das Klischee des viel verdienenden Klinikarztes, wie er etwa in TV-Serien dargestellt wird, hat mit der Realität der Nutzer nicht viel zu tun. Obwohl mit 31% fast jeder Dritte eine Leitungsfunktion als Chef- oder Oberarzt in einer Klinik innehat, verdienen 3 von 4 Krankenhausärzten weniger als 100.000 € brutto im Jahr. Bei jedem Vierten (26%) sind es 50.000 € oder weniger im Jahr. Richtige Großverdiener mit 180.000 € oder mehr sind mit 6,3% nur wenige.

Praxen sind nur selten Goldgruben

 
 

Auch die bei Medscape registrierten Niedergelassenen erzielen geringere Erlöse als es oft kolportiert wird. Exakt die Hälfte von ihnen hat durch die Behandlung gesetzlich Versicherter Jahreseinnahmen von maximal 50.000 € pro Jahr. Zwischen 50.000 und 100.000 € erwirtschaften 29% und nur knapp jeder Fünfte verdient mit Kassenpatienten mehr als 100.000 €.

Bestimmte Medien und einige Politiker verbreiten gerne, Praxisärzte würden dafür umso mehr an privat Versicherten und durch – angeblich oftmals überflüssige – IGe-Leistungen verdienen. Zumindest für die Teilnehmer unserer Umfrage trifft das nicht zu, denn 73% gaben an, weniger als 50.000 €/Jahr damit zu erzielen. Bei weiteren jeweils 5% sind es 50.000 bzw. 60.000 € und nur knapp 7% kommen hier auf mehr als 100.000 €/Jahr.

Dann blieben als Erwerbsquellen vielleicht noch nicht-patientenbezogene Arbeiten wie Gutachten oder Tätigkeiten für die Pharmaindustrie. Immerhin hatten 14% der Teilnehmer angegeben, letzteres auszuüben. Aber auch hier sind die Erlöse überraschend niedrig. Die Mehrzahl von 58% hatte gar keine Einkünfte dieser Art und für 37% lagen sie bei unter 20.000 €/Jahr.

Besonders schlecht schneiden Frauen beim Gehalt ab: sowohl in der Klinik, wo sie bei den Geringverdienenden mit einem maximalen Jahreseinkommen von 50.000 € die Mehrheit stellen, als auch bei den Besserverdienenden ab 100.000 €, unter denen sie mit 6% kaum vertreten sind (Männer: 39%).

Aufs Land mit Buschprämie?

Der Ärztemangel auf dem Land und wie ihm abzuhelfen ist, wird derzeit in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Mit einem höheren Gehalt, also einer Art „Buschprämie“, ließe sich immerhin gut jeder dritte Arzt der Umfrage gegebenenfalls aufs Land locken. Ein Teil ließe sich durch die Bereitstellung von Praxis und Wohnung motivieren (9%), auch Betreuungsangebote für Kinder (7%) oder Unterstützung für den Partner bei der Stellensuche (5%) spielen eine Rolle. 16% gaben an, bereits auf dem Land zu arbeiten und mehr als jeder Vierte (28%) schloss das für sich kategorisch aus.

Angemessen bezahlt fühlen sich nur 44% – die Mehrheit von 56% verneint das. Da überrascht es kaum, dass nur ein Drittel den Verdienst als entscheidend für die Zufriedenheit mit dem Arztberuf angibt. Für ein weiteres Drittel ist es das Gefühl, die Herausforderungen von Diagnose und Therapie zu bewältigen und besonders gut im Beruf zu sein. Für 18% ist die Beziehung zu den Patienten und deren Dankbarkeit entscheidend und jeder Zehnte hat das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Nur für einen von hundert steht der Stolz auf den Beruf im Vordergrund.

Die meisten würden der Medizin treu bleiben

Trotz aller Kritikpunkte würden mehr als 2 von 3 Ärzten wieder Medizin studieren und über die Hälfte sogar die gleiche Spezialisierung wählen. Bei der gleichen Tätigkeit endet dann aber die Treue: Das würde nur jeder Vierte machen wollen. Mit „eher nicht wieder Medizin studieren“ (17%) und „auf gar keinen Fall“ (4%) würde jeder Fünfte der Medizin den Rücken kehren. Nur zum Vergleich: In den USA lag die Quote derjenigen, die wieder Medizin studieren würden, im Vorjahr fast identisch bei 69% – fiel aber dann auf 54%. Ob uns die USA bei der zunehmenden Unzufriedenheit unter Ärzten auch wieder voraus sind?

Referenzen

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Franz Jürgen Schell erhielt finanzielle Zuwendungen in den folgenden Funktionen:

Er wirkte als Berater für Novo Nordisk, und als Sprecher oder Gremienmitglied für Asklepios Klinik. Stock options: Novo Nordisk.

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