Mammakarzinom im Frühstadium: Bestrahlung der Axilla oder Operation?

Dr. Susanne Heinzl | 6. Juni 2013

Autoren und Interessenkonflikte

 

Dr. Emiel J. T. Rutgers
©ASCO/Scott Morgan
 

Chicago – Eine Strahlentherapie der Achselhöhle führt bei Frauen mit einem Mammakarzinom im Frühstadium und Befall des Wächterlymphknotens nach 5 Jahren zu vergleichbaren Überlebensraten und progressionsfreiem Überleben wie eine Operation. Das Nebenwirkungsprofil fällt zugunsten der Bestrahlung aus: Lymphödeme traten danach nur halb so häufig auf wie nach der Operation. Dies ergab die europäische Phase-3-Studie AMAROS (After Mapping of the Axilla: Radiotherapy or Surgery?), deren Ergebnisse von Dr. Emiel J. T. Rutgers vom Netherlands Cancer Institute in Amsterdam bei der Jahrestagung der ASCO 2013 vorgestellt wurden.

Bei Frauen mit frühem Mammakarzinom und Befall des Wächterlymphknotens werden derzeit in der Regel die Lymphknoten der Achselhöhle chirurgisch entfernt. Als Folge der Operation kommt es jedoch häufig zu einem für die Frauen sehr unangenehmen Lymphödem mit einer schmerzhaften Schwellung des Arms und einer beeinträchtigten Beweglichkeit der Schulter.

In der Phase-3-Studie AMAROS der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) wurde nun untersucht, ob eine Strahlenbehandlung der Axilla zu vergleichbaren Ergebnissen führt wie eine Lymphknotendissektion.

Zwischen 2001 und 2010 wurden 4.806 Frauen in die Studie aufgenommen, von denen bei 1.425 (29,7%) ein Befall des Wächterlymphknotens nachgewiesen wurde. Etwa 40% waren prä- und 60% postmenopausal, das mediane Alter lag bei rund 55 Jahren. Sie wurden randomisiert operiert (n = 744) oder bestrahlt (n=681). Primärer Endpunkt war die Rezidivrate in der Axilla nach 5 Jahren.

Die Studie war auf Nichtunterlegenheit angelegt, für deren Nachweis war im Studiendesign von 52 Ereignissen ausgegangen worden. Sekundäre Endpunkte waren Gesamtüberleben, krankheitsfreies Überleben, Lebensqualität, Schulterbeweglichkeit und Lymphödeme nach einem und nach 5 Jahren.

Vorteil Bestrahlung – auch im Therapieablauf

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 6,1 Jahren betrug die axilläre Rezidivrate in der Operationsgruppe 0,54% (4/744), in der Bestrahlungsgruppe 1,03% (7/681). Aufgrund der – laut Rutgers „glücklicherweise“  – geringen Zahl der Ereignisse war der vorgesehene Nichtunterlegenheitstest nicht möglich. Keine signifikanten Unterschiede wurden beim Gesamtüberleben (5-Jahres-Überleben 93,27% Operation, 92,5% Bestrahlung) und beim krankheitsfreien Überleben nach 5 Jahren gesehen (86,9% Operation und 82,65% Bestrahlung, p=0,1788).

Lymphödeme traten nach dem chirurgischen Eingriff mit 40% nach einem und 28% nach 5 Jahren doppelt so häufig auf im Vergleich zur Bestrahlung mit 22% nach einem und 14% nach 5 Jahren (jeweils p<0,0001). In der Lebensqualität der Frauen zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Rutgers zog aus den Ergebnissen die Schlussfolgerung, dass die Bestrahlung der axillären Lymphknoten eine gute Alternative zur Operation sei, sie reduziere das Risiko eines Lymphödems, ohne die Überlebenschancen der Frauen zu verringern. Zudem könne die Lymphknotenbestrahlung auch mit der Bestrahlung der Brust und Thoraxwand kombiniert werden, die die meisten Patienten zur Behandlung des Primärtumors erhalten.

Referenzen

Referenzen

  1. American Society of Clinical Oncology ASCO Annual Meeting 13, 31. Mai bis 4. Juni 2013, Chicago.
    http://chicago2013.asco.org/
  2. Rutgers EJT: Abstract LBA 1001
    http://meetinglibrary.asco.org/content/109779-132

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Rutgers EJT
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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