Tamoxifen nach Mammakarzinom: Besser zehn als fünf Jahre adjuvant therapieren

Dr. Susanne Heinzl | 4. Juni 2013

Autoren und Interessenkonflikte

 

Prof. Dr. Richard Gray
 

Chicago – Eine adjuvante Therapie mit Tamoxifen über 10 Jahre schützt Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Mammakarzinom besser vor einem späten Rezidiv und einem Mammakarzinom-bedingten Tod als eine Behandlung über 5 Jahre, die derzeit Standard ist. Dies ergab die britische aTTom-Studie, deren Ergebnisse von Prof. Dr. Richard Gray, Oxford University Clinical Trial Service Unit & Epidemiological Studies Unit, in einer Plenarsitzung bei der ASCO-Jahrestagung präsentiert wurden [1].

Viele Frauen nehmen nach Operation und/oder Chemotherapie eines Östrogenrezeptor-positiven Mammakarzinoms im Frühstadium das Antiöstrogen Tamoxifen. Durch eine Behandlung über 5 Jahre kann die Mammakarzinom-bedingte Sterblichkeit über einen Zeitraum von 15 Jahren nach der Diagnose um etwa ein Drittel verringert werden.

In verschiedenen Studien war schon untersucht worden, ob eine Einnahme über 10 Jahre die Ergebnisse weiter verbessert. So wurden hierzu Ende 2012 die Ergebnisse der internationalen ATLAS-Studie (Adjuvant Tamoxifen Longer Against Shorter) mit 11.646 Patienten vorgestellt.

In die britische vom Cancer Research UK und vom UK Medical Research Council unterstützte aTTom-Studie (adjuvant Tamoxifen Treatment offer more) wurden zwischen 1991 und 2005 6.953 Frauen aufgenommen, die über 5 Jahre Tamoxifen genommen hatten. Randomisiert wurden sie entweder über weitere 5 Jahre mit dem Antiöstrogen behandelt, oder sie beendeten die Therapie. Jährlich wurden die Frauen kontaktiert, um Therapieadhärenz, Rezidive, Krankenhausaufenthalte und Sterblichkeit zu erheben. Die Therapieadhärenz war gut, etwa 75% nahmen Tamoxifen über 10 Jahre.

Längere Therapie – geringere Rezidivrate und Sterblichkeit

 
„Die beiden Studien aTTom und ATLAS belegen nun eindeutig, dass eine längere Tamoxifen-Einnahme das Brustkrebs-bedingte Letalitätsrisiko der Frauen verringert.“
Prof. Dr. Richard Gray
 

Die längere Tamoxifen-Therapie reduzierte die Rezidivrate signifikant im Vergleich zur 5-Jahres-Gabe: 580/3468 vs 672/3485 (p=0,003). Das absolute Risiko eines Rezidivs war damit um 4% geringer. Dieser Effekt war zeitabhängig: Je länger die Therapie dauerte, umso stärker wurde das Rezidivrisiko vermindert.

Auch die Brustkrebs-bedingte Sterblichkeit war bei längerer Tamoxifen-Einnahme geringer (404 vs 452 Todesfälle nach Rezidiv; p=0,06) mit einer Senkung des absoluten Risikos um 2%. Die Gesamtsterblichkeit wurde nicht signifikant verändert. Aus den Ergebnissen wurde errechnet, dass eine Tamoxifen-Einnahme über 10 Jahre das Risiko der Brustkrebs-bedingten Letalität um ein Drittel in den ersten 10 Jahren nach der Diagnose und danach um die Hälfte verringern kann.

Allerdings hat dieser Schutz offenbar seinen Preis: Bei längerer Therapie wurden vermehrt Endometriumkarzinome beobachtet: 102 vs 45 Fälle (RR: 2,20 (1,31-2,34; p<0,0001), an denen 37 (1,1%) vs 20 (0,6%) Frauen starben (p=0,02). In seltenen Fällen kann es durch Tamoxifen zu Thrombosen und Schlaganfall kommen. Allerdings sind die Experten der Ansicht, dass die Vorteile der Therapie die Nachteile bei weitem aufwiegen. Für einen Todesfall durch ein Endometriumkarzinom können 30 Mammakarzinom-bedingte Todesfälle verhindert werden.

Werden die Ergebnisse der aTTom-Studie und der kürzlich publizierten internationalen ATLAS-Studie zusammen analysiert, erhöht sich die statistische Signifikanz des Nutzens der 10-Jahres-Therapie deutlich mit einer Signifikanz von p<0,0001 für ein Rezidiv, von p=0,002 für die Brustkrebs-bedingte Sterblichkeit und von p=0,005 für das Gesamtüberleben.

Die beiden Studien aTTom und ATLAS belegen nun eindeutig, so Gray, dass eine längere Tamoxifen-Einnahme das Brustkrebs-bedingte Letalitätsrisiko der Frauen verringert. Frauen, die die Behandlung vertragen, sollten also weitere 5Jahre mit dem Antiöstrogen behandelt werden.

Risiko Endometriumkarzinom

Dr. Ann H. Partridge vom Dana Farber Cancer Institute in Boston wies in ihrem Diskussionsbeitrag auf das große Problem der späten Rezidive beim Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinom hin. Der Nutzen der antihormonellen Therapie müsse aber gegen die Risiken abgewogen werden, wie Endometriumkarzinom oder vermehrte kardiovaskuläre Ereignisse. Auch die Lebensqualität könne durch die antihormonelle Therapie verschlechtert werden und man müsse die Bedürfnisse der Frauen bei der Therapieentscheidung berücksichtigen, denn selbst scheinbar harmlose Nebenwirkungen könnten sich im Lauf der Zeit sehr störend auswirken.

Für prämenopausale Frauen sei aber eine verlängerte Tamoxifen-Therapie eine viel versprechende Option mit einer hohen Risikoreduktion und einem niedrigen Risiko für schwere unerwünschte Wirkungen.

Referenzen

Referenzen

  1. American Society of Clinical Oncology ASCO Annual Meeting, 31. Mai bis 4. Juni 2013, Chicago.
    Gray R: J Clin Oncol 2013; 31 (suppl; abstr 5)
    Davies C et al: Long-term effects of continuing adjuvant tamoxifen to 10 years versus stopping at 5 years after diagnosis of oestrogen receptor-positive breast cancer: ATLAS, a randomised trial. Lancet 2013;381:805-816
    http://chicago2013.asco.org/abstracts

Autoren und Interessenkonflikte

Dr. Susanne Heinzl
Es liegen keine Interessenskonflikte vor.

Gray R: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Partridge AH: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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