Ekzeme: Nachtkerzenöl nutzt nicht, schadet aber auch nicht

Ute Eppinger | 15. Mai 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Orales Nachtkerzenöl (EPO) bringt keinen signifikanten Behandlungserfolg bei Neurodermitis. Das belegt jetzt eine in der Cochrane Library publizierte Übersicht [1]. In bestimmten Fällen, so der Erstautor Dr. Joel Bamford von der Medical School and Essentia Health System an der University of Minnesota in Duluth und Kollegen, könne EPO zudem die Blutungsneigung erhöhen.

 
„Wenn jemand mit Nachtkerzenöl zufrieden ist, kann er es auch weiterhin nehmen, es ist nicht schädlich.“
Prof. Dr. Thomas Dirschka
 

Betroffene Patienten greifen bei quälendem Hautausschlag gerne zu Nachtkerzenöl oder Borretschöl (BO) – in der Hoffnung auf nebenwirkungsarme Linderung. „Man hatte bislang angenommen, dass Nachtkerzenöl, verabreicht in Kapselform, die Hautintegrität verbessert, aber die Wirkung war nie top“, erklärt Prof. Dr. Thomas Dirschka, Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie aus Wuppertal, gegenüber Medscape Deutschland. Er selbst habe das Mittel aus diesem Grund nur wenig eingesetzt. Nachtkerzenöl habe jedoch den Wünschen vieler Patienten entsprochen, die lieber auf Cortison verzichten möchten. Die Betroffenen schätzten den pflegerischen Effekt, so Dirschka. Dass Nachtkerzenöl aber keine therapeutischen Verbesserungen bringt, bestätigt jetzt die Cochrane-Analyse.

Nutzen nicht feststellbar

Bamford und Kollegen prüften 27 Studien mit 1596 Probanden, Kindern und Erwachsenen in 27 Ländern. Die Studienteilnehmer hatten Nachtkerzenöl oder Borretschöl oder ein Plazebo über einen Zeitraum von 3 bis 24 Wochen verwendet. 19 Studien hatten die Gabe von EPO untersucht, 8 Studien die Gabe von BO.

Bei EPO zeigte eine Metaanalyse, dass die Substanz im Vergleich zu Plazebo die Symptomatik nicht signifikant verbessert (Mittlere Abweichung MD -2,22, 95% Konfidenzintervall KI -10,48 – 6,04, 176 Teilnehmer, 7 Studien). Die Plazebo-Behandlung bestand aus Oliven- und Paraffinöl.
Gemessen wurde die Wirksamkeit mit Hilfe einer visuellen analogen Skala (0-100), auf der die Patienten die Schwere ihrer Neurodermitis selbst einschätzten. Auch bei der Einschätzung durch die Mediziner fiel das Mittel durch (MD -3,26, 95% KI -6,96 to 0,45, 289 Teilnehmer, 8 Studien).

Für BO kamen weder Patienten noch Mediziner zu besseren Ergebnissen.  – wobei laut Bamford die Erstellung einer Metaanalyse aufgrund der sehr heterogenen Studienlage nicht möglich war.

Sein Resümee: „Es gibt keinen Beweis, dass die Einnahme von Nachtkerzenöl oder Borretschöl einen Nutzen für Patienten bringt, die an Ekzemen leiden.“ Auch eine Verbesserung der Lebensqualität während der Komplementärtherapie zeige sich nicht. Allerdings, schränken die Forscher ein, hatten nur 2 Studien die Lebensqualität überhaupt gemessen.

Nicht ohne Nebenwirkungen

Die Carl und Veronica Carstens-Stiftung weist darauf hin, dass ein Defizit von in EPO und BO enthaltener Gamma-Linolensäure die Entwicklung einer atopischen Dermatitis begünstigen könne, eine Supplementierung mit diesen Ölen also grundsätzlich sinnvoll erscheine. Dennoch konstatiert auch die Stiftung: Unter dem Strich profitierten die Studienteilnehmer im Vergleich mit der Plazebo-Kontrolle weder von der Therapie mit Nachtkerzenöl noch von der Einnahme des Borretschöls. „Die Effekte der pflanzlichen Öle und der Plazebo-Öle waren in etwa vergleichbar gut“, bestätigt Michel Gehrke, Sprecher der Stiftung gegenüber Medscape Deutschland.

Manche Teilnehmer in den Studien berichteten von milden Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Magenverstimmung oder Diarrhoe unter Plazebo. Keine der ausgewählten Studien evaluierte oder erwähnte jedoch Blutungsneigung oder Anti-Gerinnungseffekte, die mit Nachtkerzenöl assoziiert sind. „EPO kann bei Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten anwenden, eine verstärkte Blutungsneigung hervorrufen. Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden“, betont Bamford.

„Wenn jemand mit Nachtkerzenöl zufrieden ist, kann er es auch weiterhin nehmen, es ist nicht schädlich“, beruhigt dagegen Dirschka. Die Effekte von Nachtkerzenöl auf Vitamin-K-Antagonisten seien marginal. „Es kommt hinzu, dass es sich bei unseren Patienten ja meist um Kinder und Jugendliche handelt und die nehmen in aller Regel keine solchen Antagonisten.“

Referenzen

Referenzen

  1. Bamford J TM, et al: The Cochrane Library (online) 30.4 2013
    http://dx.doi.org/10.1002/14651858.CD004416.pub2

Autoren und Interessenskonflikte

Ute Eppinger
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Gehrke M, Dirschka T: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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