Hautkrebsscreening: Jeder Dritte war schon dort

Simone Reisdorf | 7. Mai 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Dresden Hautkrebs ist ein Thema, über das immerhin jeder Zweite nachdenkt, und jeder Dritte hat sich mindestens schon einmal untersuchen lassen. Dies besagt eine aktuelle FORSA-Umfrage im Auftrag der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Nach Zahlen, die bei einer Pressekonferenz während der DDG-Tagung in Dresden vorgestellt worden sind, steigt die Zahl der Hautkrebs-Diagnosen, doch sinkt im Gegenzug die Mortalität.

Die FORSA-Umfrage im April 2013 knüpfte an eine erste Befragung im März 2011 an. Damals, knapp 3 Jahre nach Einführung des Vorsorgeanspruchs,war Hautkrebs für 45% der gesetzlich versicherten Erwachsenen ein Thema. Heute denken schon 51% darüber nach, berichtete DDG-Präsident Prof. Dr. Rudolf Stadler, Chefarzt der Dermatologie am Klinikum Minden [1].

Auch die Vorsorgebereitschaft ist leicht gestiegen: „2011 gaben nur 28% der Berechtigten an, dass sie das Hautkrebsscreening schon einmal genutzt haben; 2013 waren es bereits 35%“, so Stadler. Frauen nutzten das Angebot konsequenter als Männer (2013: 39% vs. 30%).

Auch von Ärzten zunehmend akzeptiert

79% der Untersuchten (2011 wie 2013) ließen das Screening von ihrem Dermatologen durchführen, die Übrigen meist beim Hausarzt. Bei 15% (2011) bzw. 19% (2013) wurde eine krankhafte Hautveränderung entdeckt. Prinzipiell informiert über ihren Screening-Anspruch waren 44% bzw. 50% der Berechtigten ab 35 Jahren [2].

„Dermatologen führen seit 2009 durchschnittlich 340 Hautkrebsscreenings pro Quartal durch und werden dafür mit jeweils etwa 22 Euro vergütet“, ergänzte Prof. Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Insgesamt wird das Screening von den Hautärzten zunehmend positiv bewertet, wie die Daten einer begleitenden Versorgungsstudie zeigen: Während 2009 nur etwa 32% von ihnen damit zufrieden waren, 40% jedoch unzufrieden, lagen diese Zahlen im Jahre 2012 bei etwa 62% vs. 12% [3, 4].

Maligne Melanome durch Sonnenbank

Ein wichtiger Grund für die Einführung des Hautkrebsscreenings im Juli 2008 waren die hohen Erkrankungszahlen: Nach Hochrechnungen auf Basis des Krebsregisters Schleswig-Holstein erkranken jährlich 175.000 Menschen in Deutschland an aggressiven Formen des Weißen Hautkrebses sowie 17.100 an invasiven Malignen Melanomen.

Stadler machte neben den bekannten Erkrankungsgipfeln in hohem Alter – oft bei chronisch lichtgeschädigter Haut – auf einen zusätzlichen „Sonnenbankgipfel“ bei jungen Frauen aufmerksam: Er zeigt einen Anstieg der Erkrankungsraten bereits ab etwa 35 Jahren. „Bei der Inzidenz Sonnenbank-assoziierter Melanome nimmt Deutschland europaweit einen unrühmlichen Spitzenplatz ein“, bedauerte er [5, 6].

Trotzdem weniger Sterbefälle – Erfolg des Screenings?

Die Mortalität durch Melanome geht aber seit einigen Jahren drastisch zurück – „sicherlich auch ein Erfolg des Screenings mit oft frühzeitiger Diagnose und Therapie“, waren sich Stadler und Augustin einig. Diese Annahme wird durch aktuelle Zahlen aus Schleswig-Holstein untermauert, wo das Screening in einem Pilotprojekt zuerst eingeführt worden war [7].

Auch eine europäische Studie zeigt zwar hohe Melanom-Inzidenzraten in nördlichen Ländern einschließlich Deutschland, das hier auf Platz 8 liegt. Die Melanom-assoziierte Mortalität ist aber in Deutschland, dem laut Augustin „einzigen Land, das eine gesetzliche Früherkennungsmaßnahme dieser Art hat“, mit Platz 28 von 29 europaweit fast am geringsten [8].

Referenzen

Referenzen

  1. 47. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), 1. bis 4. Mai 2013, Dresden, Pressekonferenz am 1. Mai 2013:
    http://www.derma.de/de/fuer-aerzte/47-ddg-tagung/
  2. FORSA Umfrage zu Hautkrebsscreening:
    http://www.derma.de/de/news/uebersicht/detail/article/2770/1049/
  3. Augustin M et al: J Dtsch Dermatol Ges. 2010; 8 (9):674-680
    http://dx.doi.org/10.1111/j.1610-0387.2010.07437.x
  4. Kornek T et al: Dermatology. 2012; 225: 289-293
    http://dx.doi.org/10.1159/000342374
  5. Krebsregister Schleswig-Holstein:
    http://www.krebsregister-sh.de
  6. Boniol M et al: BMJ. 2012; 345,e4757
    http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e4757
  7. Pilotprojekt Hautkrebs-Test in Schleswig-Holstein:
    http://www.hautkrebs-screening.de/news/2012/02/581.php
  8. CVderm Pilot-Analyse der EUROSTAT-Daten 2010

Autoren und Interessenskonflikte

Simone Reisdorf
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Stadler R, Augustin M: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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