Auch frühe Biologika-Therapie stoppt die Rheumatoide Arthritis nicht

Simone Reisdorf | 8. April 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Wiesbaden   Biologika wie die TNFa-Inhibitoren gelten derzeit in der Behandlung von Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) erst dann als indiziert, wenn 2 Therapieschritte mit konventionellen Disease-Modifying Antirheumatic Drugs (DMARDs) erfolglos geblieben sind. Könnten sie nicht vielleicht – früher eingesetzt in der Erstlinientherapie – einen Benefit bringen und vielleicht sogar den Krankheitsverlauf aufhalten?  

Dieser Frage ging Prof. Dr. Hubert Nüßlein, niedergelassener Rheumatologe in Nürnberg, auf dem 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere  Medizin (DGIM) in Wiesbaden nach.

Die Antwort in Kürze: Die initiale Gabe von TNFa-Inhibitoren bewirkt bei Patienten mit früher Rheumatoider Arthritis zwar ein rasches Ansprechen und verzögert die radiologische Progression. Doch nivelliert sich der Vorteil im Erkrankungsverlauf nach einigen Jahren; zumindest die Inflammation schreitet weiter voran.

„Letztlich läuft alles auf eine Abwägung der Therapiekosten gegen den Gewinn einiger Punkte jährlich im Totals-Sharp-Score hinaus“, fasste der Rheumatologe zusammen. „Es geht darum, wie viel uns die Verzögerung der radiologischen Progression kosten darf und soll.“

Langfristig bleibt nur der radiologische Vorteil

„Die initiale Kombinationstherapie von TNFa-Inhibitoren mit Methotrexat (MTX) war in randomisierten, kontrollierten klinischen Studien jeweils der MTX-Monotherapie überlegen“, erinnert Nüßlein. Solche First-Line-Therapien mit TNFa-Blockern seien auch in „Strategiestudien“ untersucht worden [2].

So zeigte sich bei MTX-naiven Patienten mit früher RA ein rasches Therapieansprechen, wenn sie kombiniert mit Adalimumab (ADA) und MTX behandelt wurden. Obwohl Adalimumab nach 6 Monaten wieder abgesetzt wurde, war noch nach 2 Jahren eine deutliche Verzögerung der radiologischen Progression nachweisbar.

 
„Es geht darum, wie viel uns die Verzögerung der radiologischen Progression kosten darf und soll.“
Prof. Hubert Nüßlein
 

In der BeST-Studie wurden vier verschiedenen Strategien untersucht, eine davon mit Infliximab (IFX) und MTX als Primärtherapie [3]. „Nach einem anfänglichen klinischen Vorteil für die IFX-Kombination glichen sich die Remissionsraten in den Gruppen nach fünf Jahren weitgehend wieder an“, so Nüßlein. „Ein wichtiger Unterschied lag aber in der radiologischen Progression: Sie war in der Gruppe, deren Therapie mit IFX/MTX begonnen worden war, am geringsten.“

Die kürzlich vorgestellte TEAR-Studie beinhaltete ebenfalls 4 Studienarme zur Behandlung MTX-naiver Patienten mit früher RA, 2 davon mit sofortiger und 2 mit erst nach MTX-Versagen einsetzender Kombinationstherapie [4]. „Nach zwei Jahren war der DAS 28 aller vier Gruppen sehr ähnlich“, so Nüßlein.

Die Progression im Sharp-Score betrug bei sofortiger Therapie mit ETA/MTX 0,64 Punkte und bei einer sofortigen konventionellen DMARD-Tripletherapie 1,6 Punkte (p=0,047). Von den Patienten dieser beiden Gruppen waren 76,8% vs. 66,4% nach 2 Jahren noch ohne radiologische Progression (p=0,02). Die auf TNFa-Inhibition basierende Therapie war der konventionellen Tripletherapie somit hinsichtlich des Gelenkerhalts geringfügig, aber signifikant überlegen.

Um das Bild abzurunden, zitierte Nüßlein auch Daten zum Einsatz von TNFa-Inhibitoren in der Zweitlinie [5]. So erinnerte er an die SWEFOT-Studie, in der die Kombination IFX/MTX sich gegenüber dem Therapieregime MTX/SSZ/HCQ durch ein besseres klinisches Ansprechen nach 1 Jahr und eine geringere radiologische Progression nach 2 Jahren ausgezeichnet hatte.

Referenzen

Referenzen

  1. 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 6.-9. April 2013, Wiesbaden
    Klinisches Symposium „Heilung für Rheumatoide Arthritis in Sicht“ am 7.04.2013
    http://www.dgim.de/internistenkongress/kongressderdgim/tabid/91/default.aspx
  2. Detert J, et al: Arthr Rheum 2011; 63 Suppl. Abstr.1697
  3. Klarenbeek NB, et al: Ann Rheum Dis. 2011;70(6):1039-1046     
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21415052 
  4. Moreland LW, et al: Arthritis and Rheumatism 2012;64(9):2824-2835
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22508468
  5. van Vollenhoven RF, et al: Lancet 2009;374(9688):459-466   
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19665644

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Simone Reisdorf
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