Doppelkinn ade? Desoxycholsäure baut unerwünschte Fettdepots ab

Damian McNamara | 5. April 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Miami – Unerwünschte Fettansammlungen unter dem Kinn lassen sich mithilfe der sekundären Gallensäure Desoxycholsäure (ATX-101, Kythera Biopharmaceuticals) verringern. Darauf weist eine offene Phase-3-Studie hin.  

Die Studienergebnisse wurden beim 71. Jahrestreffen der American Academy of Dermatology (AAD) präsentiert. Die synthetische Desoxycholsäure-Formulierung fördert, vermutlich unter Beteiligung von Makrophagen, den Abbau von submentalem Fett.

„ATX-101 bedingt eine Adipozytolyse, also den Abbau und die anschließende Resorption von Fettzellen“ sagte Dr. Susan Weinkle, eine niedergelassene Dermatologin in Bradenton, Florida, im Gespräch mit Medscape Medical News. „Die Fettzelle wird abgetötet und verschwindet für immer“, erläuterte sie.

Das Forschungsteam hat 165 Studienteilnehmer aus 21 Zentren untersucht. Den Patienten wurden mit einer 30 G-Nadel Mikroinjektionen von 2 mg/cm2 Desoxycholsäure in 2 mm-Abständen rasterartig verteilt in die Partie unterhalb des Kinns gespritzt. Diese Behandlung wurde jeweils im Abstand von 28 Tagen bis zu 6 Mal wiederholt.

Ärzte sowie Patienten wurden im Anschluss an jede Behandlung und dann 3 Monate nach der letzten Injektion anhand einer validierten Skala – unterteilt nach leicht, moderat und schwer – um ihre Einschätzung zum Erscheinungsbild des vorhandenen submentalen Fetts gebeten.

Erhebliche Verbesserung

„Sowohl aus Sicht der Ärzte als auch aus Patientensicht ergab sich eine deutliche Verringerung des submentalen Fetts“, berichtete Weinkle. In Woche 12 nach der letzten Behandlung verzeichneten die Ärzte bei 87% der Patienten eine Verbesserung um mindestens einen Punkt auf der Bewertungsskala.

Außerdem bezeichneten 83% der Patienten bei der Folgeuntersuchung die Wirkung als eine „erhebliche Verbesserung“. Weinkle meinte dazu: „Das ist bedeutend. Ich möchte zufriedene Patienten haben.“ Laut Weinkle gaben die Patienten an, sich weniger beeinträchtigt, weniger gehemmt und jünger zu fühlen. „Einige fühlten sich, als hätten sie abgenommen, obwohl ihr BMI und ihr Gewicht gleich geblieben waren.“ Die meisten Patienten (86%) gaben an, „wenigstens etwas zufrieden“ mit ihrem Erscheinungsbild zu sein, und 94% waren „wenigstens etwas zufrieden“ mit der Behandlung.

Auf Anfrage von Medscape Medical News kommentierte Dr. Doris Day, eine niedergelassene Dermatologin in New York City, die Ergebnisse: „Dies ist ein wichtiges Gebiet für Dermatologen. Denn wir können so viel dazu beitragen, dass unsere Patienten jünger und frischer aussehen.“ Jedoch fügte sie auch hinzu, dass es jenseits von Fettabsaugung und plastischer Chirurgie noch schwierig sei, „klinisch relevante, belastbare Ergebnisse für die submentale Region zu erhalten.“

Deshalb, betonte sie, schätze sie die vorliegende Studie wegen ihrer Präzision. Desoxycholsäure würde allgemein mit sehr stringenten Studien auf den Weg zur Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) gebracht. Die klinischen Studien seien verblindet, kontrolliert und korrekt umgesetzt und würden zuverlässige, realistische Ergebnisse liefern.

Straffer statt schlaffer

Von Interesse ist bei solchen Behandlungen immer die Elastizität der Haut nach der Entfernung der Fettzellen. Den Forschern zufolge beurteilen ungefähr 96% der Patienten den Zustand ihrer Haut entweder als unverändert oder sogar verbessert.

„Nicht nur die Entfernung der Fettzellen ist wichtig für uns. Histologisch gesehen kommt es nach 28 Tagen zur kollagenen Septenbildung, was teilweise zur Hautstraffung in den betroffenen Hautbereichen beiträgt“, bemerkte Weinkle.

Day hält die Ergebnisse für beeindruckend, und auch die Wirkung scheint nachhaltig zu sein. Sie würde die Zulassung des Produkts begrüßen und hofft auf die Ausweitung der Indikation für die Gesichtsregion unterhalb der Augen, um die Arme, den Bauch, die Knie und andere Körperpartien, die den Patienten Kummer bereiteten.

Kurzfristig kommt es zu Beschwerden

Day wies auch darauf hin, dass die Therapie nicht ganz so unproblematisch sei, wie es scheint; die Patienten müssten einiges erdulden: „Sie brauchen danach einige Zeit, um sich zu erholen, und unmittelbar nach der Behandlung können Schwellungen und leichte Schmerzen auftreten.“

Bei 92% der Teilnehmer kam es im Zusammenhang mit der Behandlung zu unerwünschten Ereignissen. „Diese waren leicht bis moderat und vor allem vorübergehend: Blutergüsse, Taubheit, Schmerzen, Ödeme und Hautrötungen. Die Beschwerden klangen rasch ab und bereiteten den Patienten nur geringfügige Unannehmlichkeiten“, erläuterte Weinkle.

Vitalparameter und Laborwerte wurden ebenfalls überprüft, wobei sich keine systemischen Veränderungen und auch keine klinisch signifikanten Änderungen der Blutlipidwerte durch die Zerstörung und den Abbau der Fettzellen zeigten.

Im Verlauf sollen auch die Ein-Jahres-Ergebnisse zu langfristiger Sicherheit und Wirksamkeit ausgewertet werden.

Dieser Artikel wurde von Andrea Thode aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

Referenzen

Referenzen

  1. 71. Annual Meeting of the American Academy of Dermatology (AAD). 1. bis 5. März 2013, Miami, Florida. Late-breaking research, präsentiert am 2. März 2013.

Autoren und Interessenskonflikte

Damian McNamara
Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

Die zitierte Studie wurde von Kythera Biopharmaceuticals finanziert.

Weinkle S: Beraterin und Forschungsärztin für Kythera.
Day D: Keine relevanten finanziellen Beziehungen.

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