Keine Angst vor der Darmspiegelung – kaum Komplikationen

Jasmin Andresh | 19. März 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Wer seine Patienten zur Darmkrebsvorsorge schicken möchte, kann sie jetzt beruhigen: Bei Koloskopien treten kaum unerwünschte Ereignisse auf. Dies bestätigt eine aktuelle Untersuchung von Forschern um Dr. Christian Stock vom Deutschen Krebsforschungsinstitut (DKFZ) in Heidelberg.

Die Endoskopie des unteren Gastrointestinal-Traktes, einschließlich Koloskopie, wird in Europa und den USA immer häufiger als Screening-Maßnahme für Kolonkarzinome genutzt. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Untersuchte selten aufgrund der Vorsorgemaßnahme ins Krankenhaus mussten.

Das Risiko für Perforationen, Blutungen und nicht-gastrointestinale Ereignisse war in den ersten 30 Tagen nach der Untersuchung auch nicht häufiger als bei einem nicht untersuchten Menschen. Insgesamt trafen ernsthafte Folgeereignisse wie Blutungen oder Perforationen, die stationär behandelt werden müssen, bei weniger als einem von 1000 Patienten auf.

Screening-Maßnahmen müssen besonders sicher sein

Screening-Maßnahmen müssen in punkto Sicherheit besonders hohen Ansprüchen genügen. Schließlich müssen sich dem Verfahren in aller Regel Menschen unterziehen, die gesund sind. Die Wissenschaftler suchten in einer großen Anzahl von Versichertendaten nach unerwünschten Ereignissen, die in einem Zeitraum von 30 Tagen nach Darmspiegelungen aufgetreten waren.

Sie werteten Akten von etwa 33.000 koloskopierten AOK-Patienten aus und verglichen diese mit den Daten von ebenso vielen AOK-Versicherten, die keine Darmspiegelung erhalten hatten. Komplikationen galten dann als ernsthaft, wenn sie bis zu 30 Tage nach dem Eingriff zu einem Krankenhausaufenthalt mit mindestens einer Übernachtung führten. Todesfälle wurden – ohne Aufschluss über die Ursache – aufgrund der Krankenkassendaten ermittelt.

Stock und sein Team legte besonderes Augenmerk auf Perforationen, Blutungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Milzrisse und eine Reihe anderer Vorkommnisse (z.B. chirurgische, Pflege- und anästhesiologische Komplikationen). Die Darmspiegelungen waren ambulant in deutschen Routinezentren vorgenommen worden; 8.658 Untersuchungen fanden im Rahmen des Früherkennungsprogramms (Screening) statt, 24.428 waren Nicht-Screening-bedingte Koloskopien.

Die Teilnehmer der Screening-Gruppe waren 55 Jahre oder älter und wiesen mittleres Risiko für Darmkrebs auf. Die Gruppe, die aus anderen Gründen eine Darmspiegelung erhielt, umfasste alle übrigen Untersuchten inklusive der Personen, die zur Kontrolle eines Adenoms kamen.

90% der Koloskopien galten mit dem Erreichen des Blinddarms als vollendet. Das mittlere Alter lag in der Screening-Gruppe mit 66 Jahren etwas höher als das der Nicht-Screening-Gruppe mit 59 Jahren. In beiden Gruppen befanden sich mehr Frauen als Männer.

Darmspiegelung zieht selten Komplikationen nach sich

Ernsthafte Komplikationen traten in 0,2 (Herzinfarkt) bis 0,8 Fällen (Perforation) pro 1000 Screening-Untersuchungen auf. In der Nicht-Screening-Gruppe wurden Komplikationen zwischen 0,4 (Herzinfarkt) und 1,1 Fällen (Blutungen) pro 1000 Untersuchten beobachtet. Perforationen waren in der Screening- und Nicht-Screening-Gruppe ähnlich selten (0,8 bzw. 0,7/1000 Koloskopien). Bei den meisten Patienten mit Perforationen waren Polypen entfernt (Polypektomie), Biopsien vorgenommen oder eine Blutung gestillt worden.

Herzinfarkt, Schlaganfall und andere ernsthafte, nicht-gastrointestinale Komplikationen waren bei den mit Koloskopie untersuchten Personen beider Gruppen gleich selten, ebenso in der Kontrollgruppe. In der ganzen Studienpopulation wurden keine Milzrisse beobachtet.

Allgemein waren die von ernsthaften Komplikationen Betroffenen im Durchschnitt älter und hatten mehr Begleiterkrankungen als der Durchschnitt der Studienteilnehmer. Die einzige Ausnahme waren einzelne Patienten mit Blutungen nach Screening-bedingter Koloskopie. Andere ernsthafte Ereignisse waren vor allem Synkopen und Kollaps sowie nicht näher spezifizierte technische Komplikationen; Synkopen und Kollaps traten auch in der Kontrollgruppe auf.

Ergebnisse decken sich mit Untersuchungen anderer Wissenschaftler

Das Auftreten von ernsthaften Komplikationen nach einer Darmspiegelung erwies sich mit maximal 1 je 1000 durchgeführten Untersuchungen als gering. Statistisch signifikante Risikounterschiede zwischen koloskopierten Personen und Nicht-Untersuchten bestanden nur in Hinsicht auf Perforationen und Blutungen.

Das Auftreten von Perforationen in dieser Studie deckt sich mit den Ergebnissen aus 3 anderen Untersuchungen, die ebenfalls einen 30-Tages-Nachbeobachtungszeitraum hatten, und einer Studie mit 7 Tage Nachbeobachtung. Die aktuellen Studienergebnisse stimmten auch überein mit einer aktuellen Übersichtsstudie zu Komplikationen bei diagnostischen und therapeutischen Koloskopien.

Einige Studien geben das Risiko für Blutungen mit 1-6 pro 1000 Koloskopien an. Diese Abweichung könnte nach Ansicht der Autoren mit verschiedenen Definitionen von Blutungen zu tun haben. So wurde in der vorliegenden Studie eine Blutung, die vom Chirurgen gestillt wurde, nicht gezählt. Im Allgemeinen ist die Anzahl der Komplikationen in den letzten Jahren gesunken, was auch Grund dafür war, erneut eine Risikoabschätzung vorzunehmen.

Zusammenfassend sprechen die Autoren von einer weiteren Bestätigung der Annahme, dass Koloskopien als Routinemaßnahme sicher sind. Krankenhauseinweisungen aufgrund von ernsthaften Komplikationen waren selten, unabhängig davon, ob Koloskopien als Screening oder aus anderen Gründen durchgeführt wurden.

Referenzen

Referenzen

    Stock C, et al: Gastrointest Endosc. 2013; 77(3):419-29
    http://dx.doi.org/10.1016/j.gie.2012.10.028

Autoren und Interessenskonflikte

Jasmin Andresh
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Die Studienautoren geben an, keinen für diese Studie relevanten Interessenskonflikt zu haben.

Die Studie wurde unterstützt durch das Network Aging Research der Universität Heidelberg (gegründet durch die Klaus Tschira Stiftung, Heidelberg).

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