Ein Dermatologen-Blick genügt – schon bessert sich die Melanomprognose

Damian McNamara | 12. März 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Miami Beach – Schon bei nur einmaliger Konsultation des Dermatologen steigt für Melanompatienten die Wahrscheinlichkeit, dass der schwarze Hautkrebs frühzeitig und in einem weniger invasiven Stadium entdeckt wird. Die Ergebnisse, vorgestellt beim 71st Annual Meeting of the American Academy of Dermatology (AAD) im März 2013, unterstützen die Auffassung, dass bereits ein einmaliges Melanomscreening bei Erwachsenen über 50 Jahren lohnt und Kosten spart.

„Unsere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Patienten sogar von einer einmaligen Ganzkörper-Hautuntersuchung profitieren können. Womöglich ist dies auf eine gesteigerte Selbstwahrnehmung von Hautveränderungen und auf die Aufklärungsmaßnahmen des Dermatologen zurückzuführen“, erklärte Jacqueline Moreau, Medizinstudentin im 4. Studienjahr an der University of Pittsburgh School of Medicine in Pennsylvania, USA, gegenüber Medscape Medical News.

„Dermatologen sollten sich bewusst sein, dass ein Ganzkörperscreening nicht nur die Möglichkeit bietet, ein vorhandenes Melanom zu entdecken. Vielmehr ist es eine Chance zur Aufklärung, so dass Patienten Melanome selbst bereits in einem früheren, leichter zu behandelnden Stadium erkennen können“, fügte sie hinzu.

Auf der Tagung präsentierten die durch Dr. Michelle Cheng von der University of Pittsburgh angeführten Wissenschaftler die Daten von 405 erwachsenen Melanompatienten. Sie fanden heraus, dass Patienten mit mindestens einer vorangegangenen dermatologischen Konsultation häufiger nichtinvasive Melanome oder „In-situ-Melanome mit weniger invasiven Läsionen” aufwiesen als diejenigen Patienten, die sich zuvor keiner Untersuchung durch einen Dermatologen unterzogen hatten.

Tabelle: Prognose bei Patienten mit oder ohne vorherige dermatologische Konsultation

Diagnose Patienten mit dermatologischer Konsultation (n = 236) Patienten ohne dermatologische Konsultation (n = 169) P-Wert
Nichtinvasives Melanom 63% 46% = 0,001
Durchschnittliche Breslow-Tiefe 0,62 mm 1,29 mm < 0,001

Dies beruhte aber nicht auf einer höheren Diagnoserate durch den Arzt. Moreau: „Die Selbstentdeckung der Hautveränderungen hatte bei der Patientengruppe ‚mit vorheriger dermatologischer Untersuchung’ offensichtlich weniger invasive Melanome zur Folge gehabt – im Vergleich zu Patienten ohne eine solche Konsultation. Das Ergebnis war überraschend und weist darauf hin, dass die Rolle des Dermatologen in der Aufklärung des Patienten entscheidend sein kann, indem sie zu einer früheren Diagnosestellung führt”. Unter den Patienten, die ihr Melanom selbst entdeckt hatten, waren 59% zuvor vom Dermatologen untersucht worden, gegenüber 37% aus der Vergleichsgruppe (P = 0,007).

Dr. Hensin Tsao vom Massachusetts General Hospital in Boston kommentierte die Studie gegenüber Medscape Medical News: „Ich halte diese Ergebnisse für sehr positiv. Sie untermauern, dass die Aufklärung des Dermatologen möglicherweise ebenso wertvoll ist, wie das Screening selbst.” Er fügte hinzu: „Ich bin auf die endgültigen Ergebnisse schon gespannt.”

Dr. James Spencer, niedergelassener Dermatologe in St. Petersburg, Florida, USA, der nicht an der Studie beteiligt war, erklärte: „Es ist eine interessante Studie, die den Nutzen von Hautuntersuchungen durch einen entsprechend qualifizierten Dermatologen belegt, selbst wenn die Untersuchungen nur einmalig erfolgen.”

 
„Es ist eine interessante Studie, die den Nutzen von Hautuntersuchungen durch einen entsprechend qualifizierten Dermatologen belegt, selbst wenn die Untersuchungen nur einmalig erfolgen.”
Dr. James Spencer
 

Nutzen der Untersuchung unabhängig vom Zeitpunkt

Von 401 Melanomen mit vorhandenen Angaben zur Läsionstiefe waren 56,4% „in situ“ und 43,4% invasiv. Die Wissenschaftler hatten dabei festgestellt, dass der Nutzen einer dermatologischen Untersuchung von deren Zeitpunkt unabhängig war. Hinsichtlich Melanominvasivität oder -tiefe bei Patienten, die zum Diagnosezeitpunkt „vor weniger als 1 Jahr” beim Dermatologen gewesen waren vs. jenen, bei denen die Konsultation „mehr als 1 Jahr” zurücklag, konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.

„Wir waren auch überrascht, dass von den Patienten mit selbstentdecktem Melanom eine Terminwartezeit von ‚weniger als 30 Tagen’ gegenüber ‚mehr als 30 Tagen’ zum Zeitpunkt der Diagnose keine signifikante Auswirkung auf Invasivität oder Melanomtiefe hatte”, fügte Moreau hinzu. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass sich Patienten mit fortgeschrittener aussehenden Läsionen um kurzfristigere Arzttermine bemühen würden.

Zur Bestimmung des optimalen Alters für eine erste Untersuchung und zur Ermittlung der idealen Melanom-Screeningfrequenz solle man weitere Studien mit einem größeren Patientenkollektiv initiieren, meinte Moreau.

Eine Reihe von Fragen blieben nach wie vor unbeantwortet, z. B. welche günstigen prognostisch Auswirkungen der Patientenaufklärung und welche dem direkten Screening zuzuschreiben sind.

Dieser Artikel wurde von Dr. Immo Fiebrig aus www.medscape.comübersetzt und adaptiert.

Referenzen

Referenzen

  1. 71st Annual Meeting of the American Academy of Dermatology (AAD). 03. März 2013, Miami Beach, Florida, USA.
    Abstract P6226.
    http://www.aad.org/meetings-and-events/2013-annual-meeting

Autoren und Interessenskonflikte

Dr. Immo Fiebrig
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Bei den Studienautoren liegen keine Interessenkonflikte vor.
Tsao H: Fördergelder und Honorare von und Beratungen für Cephalon, Genentech, Metamark Genetics, Quest Diagnostics, SciBase und WorldCare Clinical LLC.
Spencer J: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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