Manchmal verrät ein Blick auf die Haut, wo es im Inneren krankt

Dr. Susanne Kammerer | 11. März 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Miami Beach „Zwar gibt es unzählige Hautmanifestationen, aber einige Veränderungen sind besonders typisch für innere Erkrankungen“, erklärte Prof. Dr. Cindy Owen, Lehrstuhl für Dermatologie der Universität Louisville in Louisville, Kentucky, bei der Jahrestagung der American Academy of Dermatology im März 2013.

Ein Beispiel dafür ist ein neu auftretendes Exanthem („rash“) – besonders, wenn es auf keine Behandlung anspricht oder von Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen begleitet ist. Dies deutet auf eine Infektion hin.

Tritt ein Exanthem an der Oberseite der Füße und im Wadenbereich auf, das weder auf topische Steroide noch auf Antimykotika anspricht, kann dies auf eine Hepatitis C hinweisen (nekrolytisches akrales Erythem).

Hinter einem Exanthem kann auch die Reaktion auf ein Arzneimittel stecken. „Dabei muss jedes Exanthem genau überwacht werden, da es sich um ein Dress-Syndrom handeln kann, bei dem aufgrund eines möglichen viszeralen Befalls rasches Eingreifen erforderlich ist“, erklärte Owen. Ein Dress-Syndrom (Drug Reaction with Eosinphilia and Systemic Symptoms) ist ein Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen.

Diese Reaktion ist besonders tückisch, da sie Wochen bis Monate nach der Medikamenteneinnahme auftreten kann, so dass die Diagnose schwerfällt. Frühes Warnzeichen ist ein Exanthem, das von einer Schwellung des Gesichts oder der Lymphknoten und einem starken Krankheitsgefühl begleitet ist.

Hinter einem lividen Erythem der Oberlider sowie rötlich-lividen lichenoiden Papeln über den Fingerknöcheln oder Nagelveränderungen mit sichtbaren Gefäßen und fransiger Nagelhaut kann eine Dermatomyositis stecken. Dabei handelt es sich um eine generalisierte mesenchymale Erkrankung, die die Skelettmuskulatur und die Haut betrifft. In bis zu 20% der Fälle geht eine Dermatomyositis mit diversen Tumoren (am häufigsten mit einem Ovarialkarzinom bei der Frau) Hand in Hand. In diesem Fall muss dringend eine entsprechende Abklärung erfolgen.

Auch Fettstoffwechselstörungen, wie erhöhte Triglyzeridwerte, können sich an der Haut manifestieren, z.B. in Form von eruptiven Xanthomen, gelben oder orangen, wachsartigen Papeln an den Armen, den Beinen oder dem Stamm. Sie entstehen durch Makrophagen, die Cholesterin, Triglyzeride und Phospholipide aufnehmen und schließlich in der Dermis ablagern. Häufig verbirgt sich hinter diesen Symptomen auch ein unkontrollierter Diabetes.

Auf Farb- und Strukturveränderungen achten

Eine ikterische Hautveränderung bleibt sicher keinem Arzt verborgen. Es gibt aber auch seltenere Erkrankungen, die von anderen Farbveränderungen begleitet sind. „Nimmt die Haut eines Diabetikers eine bronzeartige Verfärbung an, so kann dahinter eine Hämochromatose stecken, eine erbliche Störung im Eisenmetabolismus, die schließlich zu Leberversagen führen kann“, so Owen. Morbus Addison kann durch vermehrte Pigmenteinlagerung der Melanozyten eine dunkle Hautverfärbung an sonnenexponierten Stellen verursachen.

Auch Veränderungen der Hautstruktur sind häufig Anzeichen eines tieferliegenden Problems. Schwellungen und Verhärtungen können z.B. auf eine Sklerodermie hinweisen. Ein ernst zu nehmendes Warnzeichen, das immer eine weiterführende Diagnostik erfordert, ist eine erworbene Cutis laxa, d.h. eine erschlaffte, unelastische Haut, die sich teigig anfühlen kann. Diese Erscheinung ist zwar selten, kann aber Anzeichen eines Lymphoms oder  eines Multiplen Myeloms sein.

„Schließlich sollten wir auch unsere Patienten anweisen, ihre Haut kritisch zu beobachten und bei Veränderungen möglichst rasch einen Dermatologen aufzusuchen“, so der abschließende Tipp von Owen.

Referenzen

Referenzen

  1. 71th Annual Meeting of the American Academy of Dermatology (AAD), 1. – 5. März 2013, Miami Beach, Florida, USA.
    Owen S: Skin Signs of Internal Disease: Case-Based Challenges. Forum F001 am 1. März 2013.
    http://www.aad.org/meetings-and-events/2013-annual-meeting

Autoren und Interessenskonflikte

Dr. Susanne Kammerer
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Owen C: Es liegen keine Interessenskonflikte vor.

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