Vitamin C schützt Sportler offensichtlich eher als die Allgemeinbevölkerung

Ute Eppinger | 27. Februar 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Triefnase, Husten, Niesen, rote Augen und Kopfschmerzen – die klassische Erkältung. Über 200 verschiedene Viren können diese Symptome auslösen. Vitamin C soll helfen, heißt es, doch ob das stimmt, fragen sich Wissenschaftler nicht erst seit gestern. Und so ist die jüngste Cochrane-Publikation zum Thema auch nur das Update eines seit fast 20 Jahren laufenden Review [1].

Dieser schließt zwar ein paar neue Studien ein, ändert aber nichts am Gesamtergebnis: Die bisherigen Daten zeigen keine signifikante Reduktion der Inzidenz von Erkältungskrankheiten durch regelmäßige Vitamin-C-Supplementierung – es sei denn, Vitamin C wurde Marathonläufern, Skifahrern oder Soldaten während des Drills gegeben. Darüber hinaus waren Dauer und Schwere des Krankheitsverlaufs reduziert, bei Kindern mehr als bei Erwachsenen. Der Einsatz von Vitamin-C-Gaben als Therapeutikum zeigte uneinheitliche Ergebnisse.

Als mögliche Therapie gegen Erkältungen ist Vitamin C ein ziemlich alter Hut. Das in den 30er Jahren isolierte Vitamin C wurde populär, als in den 70er Jahren Nobelpreisträger Linus Pauling aus frühen plazebokontrollierten Versuchen schloss, dass es Erkältungen verhindern oder zumindest deren Symptome lindern kann. Mehr als 2 Dutzend weitere Studien wurden seither durchgeführt und Vitamin C ist weithin akzeptiert als präventives und therapeutisches Mittel.

Sinnvoll als Supplementierung oder zu Beginn der Erkältung?

Die Cochrane-Forscher haben geprüft, ob Vitamin C das Auftreten, die Dauer oder die Schwere einer Erkältung verringern kann, wenn es entweder als dauerhafte Supplementierung jeden Tag oder als Therapeutikum bei Beginn der Erkrankung gegeben wird. Sie nutzten für die Literaturrecherche diverse Datenbanken. Als „Inzidenz“ werteten die Forscher den Anteil der Teilnehmer, die sich während der Vitamin-C-Einnahme eine oder mehrere Erkältungen einfingen. Zudem wurde als Dauer die mittlere Zahl an „Erkältungstagen“ dokumentiert.

In die Metaanalyse zur Inzidenz flossen 29 plazebokontrollierte Studien mit insgesamt 11.306 Teilnehmern ein. Ausgeschlossen wurden Studien mit einer Tagesdosis von weniger als 0,2 g und nicht plazebokontrollierte Studien. Die Mehrzahl der Studien war randomisiert und doppelblind. In der allgemeinen Teilnehmergruppe (n=10.708) lag die gepoolte Risk Ratio (RR) für die Inzidenz bei 0,97 (95% Konfidenzintervall KI 0,94 – 1,00). Fünf Studien, die insgesamt 598 Marathonläufer, Skifahrer und Soldaten umfassten, ergaben hingegen eine gepoolte Risk Ratio von 0,48 (95% KI 0,35 bis 0,64).

Routine-Supplementierung nicht gerechtfertigt

31 Studien untersuchten den Effekt regelmäßiger Vitamin-C-Supplementierung auf Dauer und Schwere einer Erkältung (9745 Krankheitsverläufe). Bei Erwachsenen reduzierte sich die Dauer um 8%, bei Kindern um 14%. Bei den Kindern, die sogar 1 bis 2 g/Tag erhielten, nahm die Erkältungsdauer um 18% ab. Die Schwere der Erkrankung wurde ebenfalls verringert.
Sieben Vergleichsstudien untersuchten den Effekt therapeutischer Vitamin-C-Gaben (3249 Krankheitsverläufe) bei Auftreten der ersten Krankheitssymptome. Dabei allerdings konnte kein konsistenter Effekt auf Dauer oder Schwere der Erkrankung nachgewiesen werden.

Die Autoren folgern:„Das Versagen der Vitamin-C-Gabe bei der Reduktion der Inzidenz in der allgemeinen Bevölkerung zeigt, dass eine Routine-Supplementierung mit Vitamin C nicht gerechtfertigt wäre.“ Allerdings könne Vitamin C bei Menschen helfen, die kurzfristigen extremen körperlichen Anstrengungen ausgesetzt sind. Berücksichtige man noch dazu die geringen Kosten und die nicht vorhandenen Nebenwirkungen, könne es „auf individueller Basis sinnvoll sein auszuprobieren, ob Vitamin C hilft“. Weitere RCT (randomized controlled trial) seien jedoch notwendig.

Lebensstil womöglich bedeutender als Dosis

Die schon beim Update 2004 aufgeflackerte Diskussion zur Vitamin-C-Dosierung setzt sich fort. Moniert wird, dass die Dosis „viel zu gering und nur einmal am Tag“ gegeben worden sei und sich so die Wirksamkeit des schnell auflösenden Vitamin C gar nicht zeigen konnte. Die Cochrane-Forscher halten dagegen, dass es nur wenige Studien zu hohen Dosierungen gebe, sie diese also auch nicht hätten berücksichtigen können. Diese könnten aber Ausgangsbasis für weitere Untersuchungen sein. Nur eine einzige große Studie an Erwachsenen legt einen Benefit einer 8 g-Dosis bei Auftreten von Erkältungssymptomen nahe, und auch 2 therapeutische Studien mit 5-tägiger Supplementierung ergaben einen Benefit.

Die Autoren kommen deshalb zu dem Schluss, dass mehr und vor allem plazebokontrollierte Versuche gerade auch mit Kindern notwendig seien, um die Rolle von hoch dosiertem Vitamin C (mindestens 8 g/Tag sofort nach Auftreten der ersten Symptome) zu bewerten. Die hoch signifikante Wirkung von relativ kleinen Dosen bei Sportlern lässt die Autoren allerdings vermuten, dass die Lebensumstände für die Wirksamkeit eventuell bedeutender sind als die Dosis.

Referenzen

Referenzen

  1. Hemilä H, et al: Cochrane Database of Systematic Reviews (online) 31. Januar 2013
    http://dx.doi.org/10.1002/14651858.CD000980.pub4

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