Kolorektal operiert und entlassen: Worauf sollten Patienten achten?

Petra Plaum | 14. Februar 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Was sind mögliche Symptome für Komplikationen, wenn Patienten nach einer Kolon- oder Rektum-Operation frühzeitig nach Hause entlassen werden? Zumindest in den USA wurden  Patienten bislang oft nur vage über solche Warnsignale informiert. Wann sollten sie möglichst rasch beim Arzt oder der Klinikambulanz vorsprechen? Wann dürfen sie abwarten?
Eine Studie in der aktuellen Februarausgabe des Journal of the American College of Surgeons beschäftigt sich mit genau dieser Fragestellung [1].

Ein Expertenteam um Dr. Linda T. Li, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Houston VA Health Services Research Center of Excellence und Assistenzärztin in der Chirurgie im Michael E. DeBakey Department of Surgery am Baylor College of Medicine in Houston, hat 12 Warnsignale herausgearbeitet, die Patienten in der Phase nach ihrer Klinikentlassung veranlassen sollten, ihre Chirurgen zu kontaktieren oder die Notaufnahme aufzusuchen. Ein Gespräch mit einem Chirurgen ist demnach indiziert bei:

  1. Wundnässen,
  2. Wundöffnung,
  3. einer Rötung der Wunde,
  4. fehlenden Darmbewegungen bzw. dem Ausbleiben  von Gas oder Stuhlgang über den künstlichen Darmausgang über mindestens 24 Stunden,
  5. zunehmende Unterleibsschmerzen,
  6. Erbrechen,
  7. Anschwellen des Bauches,
  8. hohe Ausscheidungsmenge über den künstlichen Darmausgang und/oder dunkler bzw. fehlender Urin,
  9. Fieber (Körpertemperatur liegt über 38,5 Grad),
  10. Unfähigkeit, über mehr als 24 Stunden etwas zu sich zu nehmen.

Zusätzliche Symptome, die die Patienten alarmieren sollten, sind:

  1. Brustschmerzen
  2. Atemnot

In diesen Fällen sollten die Patienten unverzüglich die Notaufnahme aufsuchen.

Auf diese Warnsignale und Empfehlungen haben sich  Li und ihr Team gemeinsam mit  einem Gremium aus 11 in den USA anerkannten Experten für kolorektale Chirurgie geeinigt, die sie  nach der bewährten Delphi-Methode befragt hatten: Nach einem ersten persönlichen Treffen beim Academic Surgical Congress (ASC) im Februar 2012 folgten binnen 5 Monaten 5 Fragerunden, in denen die Experten anonymisiert ihre Erfahrungen mit den Kollegen teilten und Feedback auf Antworten der anderen gaben. Die Fragen lauteten z. B.: „Beschreiben Sie mindestens 10 Symptome, vor denen Sie Ihre Patienten warnen würden“ und „Ordnen Sie diese Warnsignale nach ihrer Wichtigkeit und erklären Sie, warum“.

Die Studie belegt: Bisher waren in den USA die Empfehlungen, die Patienten nach kolorektaler Chirurgie bei der Klinikentlassung bekamen, sehr uneinheitlich. So gab es unter anderem unterschiedliche Angaben darüber, ab welcher Körpertemperatur von Fieber gesprochen werden muss.

Hohe Rate an Wiederaufnahmen in Krankenhäuser

 Li und ihr Team hoffen nun, dass die Warnsignale in die bereits etablierten Patientenempfehlungen aufgenommen werden und dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Patienten und Chirurgen zu verbessern. Vielleicht lasse sich so die Zahl an Wiederaufnahmen bereits entlassener Patienten nach einem kolorektalen Eingriff in Krankenhäuser reduzieren.

Laut einer Studie des Journals Diseases of the Colon & Rectum im Jahr 2011 kommt es in den USA bei 11,4 Prozent aller Patienten nach einer Operation des Kolon oder Rektum binnen 30 Tagen zur Wiederaufnahme in die Klinik [2]. Dies kostet das US-Gesundheitssystem im Jahr insgesamt 300 Millionen US-Dollar.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes Patient Protection and Affordable Care Act (ACA) im Jahr 2010 kann das staatliche Gesundheitsfürsorgeprogramm – zusammengefasst in den Centers for Medicare & Medicaid Services – Krankenhäusern unter bestimmten Umständen Zahlungen verweigern: etwa für Patienten, die nach einer Entlassung wieder ins Krankenhaus zurück müssen. „Viele Krankenhäuser behalten ACA und Wiederaufnahmen genau im Auge“, betont Li. „Wir versuchen, herauszufinden, ob der Entlassungsprozess etwas mit der Wiederaufnahme zu tun hat.“ Ein effektives Frühwarnsystem nach einer kolorektalen Operation liege somit nicht nur im Interesse der Patienten, sondern betreffe das ganze Gesundheitssystem.

Deutsche Patienten haben es besser

In den USA setzt eine Studie wie diese wichtige Impulse, meint PD Dr. med. Wolfgang Thasler, Bereichsleiter für Allgemein-, Kolorektale und Minimalinvasive Chirurgie des Klinikums der LMU München, Campus Großhadern. Dort werden Patienten nach kolorektalen Operationen früh aus Kliniken entlassen – in Deutschland in der Regel erst, „wenn die in der Studie unter 1 bis 9 aufgeführten Warnsignale nicht mehr auftreten“. Das sei im Schnitt „nach 7-10 Tagen der Fall“. So lange behalten die behandelnden Mediziner solche Symptome möglicher Komplikationen gemeinsam mit ihren Patienten im Auge.

Auch Barbara Herter, die eine fachärztliche Praxis für Endoskopie, Chirurgie und Ernährungsmedizin in München führt  und Belegärztin der Sektion Abdominalchirurgie und Endoskopie des Isar Klinik Medizinzentrums ist, betont: „Wenn wir Patienten nach einer kolorektalen Operation entlassen, in der Regel nach 5 bis 7 Tagen, sind sie schmerzfrei und haben Stuhlgang.“ Auch inhaltlich stimmt sie nicht allen Empfehlungen der US-Mediziner zu. Sie rät Patienten nach kolorektalen Operationen bei jeder Art einer Veränderung des Stuhlgangs zur Konsultation eines Arztes – Nässen, Öffnen und Rötung einer Wunde seien hingegen nicht notwendigerweise Warnsignale, sondern oft Teil des normalen Heilungsprozesses.

Um Komplikationen vorzubeugen, sollten Patienten zudem einen Diätplan erhalten: „Wir wissen, dass falsche Ernährung nach kolorektalen Operationen, z. B. der Verzehr von faserreichen Zitrusfrüchten, oft zu schlechtem Befinden führt.“ Herter sieht zudem keinen kausalen Zusammenhang zwischen kolorektalen Operationen und Herzinfarkt-Symptomen wie Schmerzen in der Brust oder Atemnot.

„Für Patienten der kolorektalen Chirurgie in Deutschland braucht es solch eine Studie über Warnsignale eher nicht“, meint darum Thasler. „Doch auch hier kann das postoperative Entlassungsmanagement verbessert werden und Patienten sollten mit konkreten patientengerechten Informationen wie einem Patientenbrief aufgeklärt und adäquat informiert werden. Wenn mehr Zeit im klinischen Alltag wäre, gäbe es durchaus Verbesserungspotenzial.“

Referenzen

Autoren und Interessenskonflikte

Petra Plaum
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

W Thasler: Es liegen keine Interessenkonflikte vor.
B Herter: Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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