Highlights von der ASH 2012: Diashow

Medscape.com | 11. Februar 2013

Autoren und Interessenskonflikte

“Mehr mit weniger erreichen” stellte eines der Hauptthemen der 54 . Jahresversammlung der American Society of Hematology (ASH) vom 7. bis 11. Dezember 2012 in Atlanta, Georgia dar. Gleich mehrere Vorträge beschäftigten sich mit innovativen Wegen, wie bessere Ergebnisse mit geringeren Medikamentendosen erreicht werden können.

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Zu den Highlights der diesjährigen Versammlung gehören:

  • Eine Chemotherapie wird für die Therapie einer akuten promyelotischen Leukämie als nicht notwendig erachtet.
  • Neue Studien haben nicht zu einer Beendigung der Debatte über Thrombozytentransfusionen bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen geführt.
  • Die als Prüfmedikation verwandte Substanz Quartizinib hat eine bislang nicht bekannte Aktivität beim Rezidiv der AML gezeigt.
  • Ibrutinib gilt als prädiktiv hinsichtlich eines Therapiewechsels bei der chronisch lymphatischen Leukämie.
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Behandlung der schlimmsten hämatologischen Neoplasie ohne Chemotherapie

Die APL kann ohne Chemotherapie behandelt werden, wenn es nach einer Studie geht, die in einer Plenarsitzung vorgestellt wurde. Stattdessen könne sie mit einer Kombination aus All-Trans-Retinsäure (ATRA) und Arsentrioxid (ATO) therapiert werden, Substanzen, die bereits seit langem in der traditionellen Chinesischen Medizin Anwendung finden, wie Prof.Dr. Francesco Lo-Coco von der Klinik für Hämatologie an der Universität Tor Vergata in Rom, Italien berichtete. Er führte weiter aus, daß die Ergebnisse zeigten, dass eine Transformation maligner Zellen (ATRA) gelingen würde, statt sie zu eliminieren (mit Chemotherapie), und dass “Krebs nicht eine irreversible Erkrankung” sei. Zwei weitere Experten beschrieben die Ergebnisse als “sehr beachtenswert” und “fantastisch”.

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Transfusion von Thrombozyten bei hämato-onkologischen Patienten: offene Fragen

Eine neue Studie hat nicht zu einer Klärung des andauernden Streitpunktes führen können, ob eine prophylaktische Thrombozytentransfusion bei Patienten mit Leukämie, Lymphomen oder Myelomen, die sich einer Stammzelltransplantation unterziehen und bei Patienten, die eine Induktions-oder Konsolidierungstherapie erhalten, sinnvoll ist oder nicht. Im Rahmen der TOPPS-Studie wurden 600 Patienten randomisiert eingeschlossen, die entweder Thrombozytentransfusionen erhielten oder nicht. In beiden Studienarmen zeigten sich ähnliche Ergebnisse, so Simon Stanworth . von der John Radcliffe Klinik an der Universitätsklinik Oxford, England.

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Quizartinib: überraschende, unbekannte Aktivität beim AML-Rezidiv

Die Studienmedikation Quizartinib (Astellas/Ambit) zeigte eine bislang noch nicht dagewesene Aktivität bei Patienten mit Rezidiv einer AML oder refraktärer Erkrankung im Rahmen einer Phase-II-Studie. Quizartinib ist “die erste und einzige Einzelsubstanz”, die zu einem klinischen Nutzen bei Patienten mit AML und “Internal Tandem”-Duplikationen der Tyrosinkinase FTL3 sowie vorangegangenem Therapieversagen geführt hat, wie Dr. Mark Levis,  Dozent für Onkologie, Pharmakologie und Innere Medizin am Sidney Kimmel Comprehensive Cancer Center an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, Maryland berichtete. “Es hat uns wirklich sehr überrascht, wie gut Patienten auf Quartizinib in diesem Setting ansprachen”, fügte er hinzu.

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Ibrutinib als effektive und sichere Behandlungsoption bei der CLL

Laut zweier Studien ist der neuartige Brutontyrosinkinase-Inhibitor Ibrutinib (Pharmacydics, Inc.) eine hochaktive und gut verträgliche Substanz bei Patienten mit CLL. Sie könne dauerhafte Remissionen bei Patienten hervorrufen, die therapie-naiv oder bereits refraktär sind bzw. ein Rezidiv erleiden. Ibrutinib “stellt ein großes Potenzial bereit, was einen signifikanten Wechsel in der Behandlungslandschaft der CLL betrifft”, sagte der Studienleiter einer der beiden Studien Dr. John C. Byrd, Direktor der Abteilung für Hämatologie am Comprehensive Cancer Center der Ohio State Universität in Columbus.

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Ponatinib zeigt Effektivität bei der CML nach Versagen aller anderen Therapieoptionen

Die Prüfmedikation Ponatinib (Ariad Pharmaceuticals) gibt Grund zur Hoffnung für Patienten mit CML, bei denen keine andere Therapie mehr ein Ansprechen gezeigt hat, so die Schlussfolgerung der PACE-Studie, die auf dem Jahrestreffen der ASH ebenfalls vorgestellt wurde. Dr. Jorge Cortes, stellvertretender Leiter der Abteilung für Leukämie am Anderson Cancer Center der Universität Texas in Houston erläuterte, dass “wir einfach noch nie eine Therapie hatten, die so hohe und dauerhafte Ansprechraten bei derart multipel vorbehandelten Patienten erzielt hat”. Die PACE-Studie wurde vom Präsidenten der ASH und Direktor der Abteilung für Hämatologie an der Universität in Toronto in Ontario, Kanada, Dr. Armand Keating, als “großer Fortschritt” bezeichnet. Die Substanz ist gerade erst in den USA zugelassen worden.

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Pomalidomid: eine weitere Substanz für die Therapie des Multiplen Myeloms

Der Leiter der Arbeitsgruppe „Multiples Myelom“ am John Theurer Krebszentrum der Hackensack Universität in New Jersey, Dr. David Siegel, stellte heraus, dass Pomalidomid (Celgene) „bei weitem die aktivste Substanz“ sei. Ihre Zulassung als neue Substanz zur Therapie des Multiplen Myeloms wird im Frühjahr 2013 erwartet. Pomalidomid als weiterer Vertreter der immunmodulatorischen Medikamente aus dem Hause Celgene (nach Thalidomid, Thalomid und Lenalidomid, Revlimid) ist das Produkt mit dem höchsten Potenzial unter den genannten drei. Seine Wirksamkeit kann sich auch dann entfalten, wenn bereits eine Resistenz gegen ähnliche Substanzen entwickelt wurde. Und „dies ist äußerst bedeutsam“, kommentierte Dr. Siegel. Dadurch ergebe sich die Möglichkeit einer weiteren Therapieoption für diejenigen Patienten, die unter Thalidomid und Lenalidomid keine Response mehr gezeigt hatten, fügte er hinzu.

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Eine neue, orale Substanz als „Joker“ beim Multiplen Myelom

Ein in der klinischen Prüfung befindlicher Proteasomeninhibitor hat in einer frühen Phase-I/II-Studie zum Multiplen Myelom vielversprechende Resultate gezeigt, die zu einer sich direkt anschließenden Phase-III-Studie geführt haben. Die Substanz mit der Bezeichnung MLN9708 (Millennium) ist oral verfügbar und wird einmal wöchentlich eingenommen. Dr. Shaji Kumar von der Abteilung für Hämatologie an der Mayo Klinik in Rochester, Minnesota, der auch die klinischen Ergebnisse zu MLN9708 präsentierte, erklärte, daß MLN9708 bald auch eine Alternative zum parenteral applizierten Bortezomib darstellen werde. Des Weiteren gehe diese neuartige Substanz im Vergleich mit Bortezomib mit einer geringeren Inzidenz an peripherer Neuropathie einher.

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Gleiches Outcome ohne Daunorubicin bei der ALL-Induktionstherapie

Eine Studie aus Frankreich bestätigt, dass das kardiotoxisch wirkende Anthrazyklin Daunorubicin im Rahmen einer Induktionsbehandlung bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie im Kindesalter weggelassen werden kann. Dr. André Baruchel, Chef der Klinik für Pädiatrische Hämatologie an der Universitätsklinik „Robert Debré“in Paris erklärte, dass in den USA dieses Vorgehen bereits als klinischer Standard in der täglichen Routine implementiert sei, auch wenn diese Praxis auf einer Studie beruhe, die die Rolle von Daunorubicin im Rahmen einer Induktionstherapie nicht genau untersucht habe. Die vorgestellte Studie aus Frankreich untermauere die amerikanische Praxis nun. In vielen anderen Ländern werde Daunorubicin innerhalb von Induktionsregimen nach wie vor angewendet, wobei es bislang unklar war, ob diese Haltung evidenzbasiert war. „Unsere Studie verdeutlicht nun eindeutig, dass Daunorubicin verzichtbar ist“, sagte Dr. Baruchel.

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Genotyp als Prädiktor der therapiebedingten Mortalität bei der AML

Ein spezifischer, genetischer Marker könnte in Zusammenhang stehen mit einer geringeren Toxizität durch eine chemotherapeutische Behandlung in gewissen pädiatrischen Populationen, die an einer AML leiden. Dies legte Dr. Phoenix Ho, Arzt am Seattle Children´s Hospital und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, Washington, anhand von Daten dar. Laut dieser Studie korrelierte das Vorliegen des Einzelnukleotidpolymorphismus (single nucleotide polymorphism, SNP) rs16754 im WT1-Gen mit einem verbesserten Outcome in bestimmten, ethnischen Populationen – vorzugsweise bei asiatischen und farbigen Kindern mit AML.

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Mehr nicht unbedingt besser: Einfache gegenüber doppelter NSB-Behandlung

Kinder mit hämatologischen Neoplasien, die eine doppelte Transplantation von Nabelschnurblut (NSB) erhalten, zeigen keinen Überlebensvorteil, wenn es nach den Ergebnissen einer Studie geht, die von Dr. John E. Wagner, Direktor des „Programms für pädiatrische Blut-und Knochenmarkstransplantationen“ an der Universität von Minnesota in Minneapolis, präsentiert wurden. Bei Patienten, die sich einer Transplantation unterzogen hatten, war das 1-Jahres-Gesamtüberleben vergleichbar zu denen, die entweder eine NSB-Einheit oder zwei NSB-Einheiten erhalten hatten (71 % vs. 66  p 0 .12). „Eine einfache NSB-Transplantation sollte als Standard bei Kindern angewandt werden, eine doppelte Transplantation von NSB sei für die Kinder geeignet, die nicht über ein ausreichendes NSB verfügen“, sagte Dr. Wagner.

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Ein niedrigerer Hämatokrit (HKT) verhindert das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse bei der Polycythaemia vera

Die Aufrechterhaltung eines niedrigeren Hämatokrits kann das Risiko kardiovaskulär bedingter Todesfälle bei Patienten mit Polycythaemia vera reduzieren, wie Ergebnisse einer Studie unterstreichen, die auf einer Plenarsitzung vorgetragen wurden. Patienten mit einem Hämatokrit zwischen 45 und 50 % wiesen ein kardiovaskuläres oder thromboembolisch bedingtes Mortalitätsrisiko auf, das 4-fach höher war als bei Patienten, die einen Hämatokrit unter 45 % hatten. „Daher sollte ein Hämatokrit unter 45 % das Ziel einer jeden Behandlung der Polycythaemia vera sein“, sagte Dr. Tiziano Barbui, erster Autor der Studie und Professor für Hämatologie sowie wissenschaftlicher Direktor der Klinikgemeinschaft „Ospedali Riuniti di Bergamo“ in Italien.

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Kampf für die Hämatologie: ASH trotzt den sich abzeichnenden Budgetkürzungen

Im Angesicht anstehender Budgetkürzungen in der biomedizinischen Forschung ruft die ASH ihre Mitgleider auf, aktiv zu werden. Die Kampagne „Kampf für die Hämatologie“ betont die Wichtigkeit wissenschaftlicher Förderungen gesundheitsorientierter, nationaler Einrichtungen. Die ASH fordert ihre Mitglieder daher auf, für den Wert der biomedizinischen Forschung einzustehen und zu betonen, wie wichtig Investitionen in das NIH für gewählte Offizielle und die Öffentlichkeit ist. Am 2. Januar 2013 stehen dem Budget der NIH einschneidende Kürzungen bevor, wenn automatische Kürzungen aller föderal geförderten Programme (auch als Sequestrationen bekannt) umgesetzt werden, es sei denn, sie werden durch den Kongress noch gekippt. Die Sequestrationen würden eine verheerende Wirkung auf auf die Krebsforschung mit sich bringen, sagte Dr. Robert Hromas, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der ASH. „Wir befinden uns buchstäblich am Rand einer Klippe“.

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Autoren und Interessenskonflikte

Diese Slideshow wurde ursprünglich veröffentlicht auf Medscape.com am 20. Dezember 2012.

Deborah Flapan, Direktorin, Medscape Medical News, Chicago, Illinois

Darbe Rotach, Medscape Senior Photo Editor, New York City

John Amis, freiberuflicher Fotograph, Alpharetta, Georgia

Zosia Chustecka, News Editor, Medscape Onkologie, London, United Kingdom

Roxanne Nelson, Journalistin, Bellingham, Washington

Megan Brooks, freiberufliche Journalistin, Weston, Connecticut

Übersetzung
Dr. Christoph Eimer, Düsseldorf

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