Aflibercept in Europa gegen Darmkrebs zugelassen

Zosia Chustecka | 7. Februar 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Aflibercept (Zaltrap®, Regeneron/Sanofi) ist soeben in Europa zur Behandlung von metastasierten kolorektalen Karzinomen zugelassen worden.

Die Zulassung gilt für die Kombination mit der konventionellen Chemotherapie FOLFIRI (Leucovorin, Irinotecan, 5-Fluoruracil) in der Zweitlinientherapie von Patienten, bei denen die Krankheit unter einer Oxaliplatin-haltigen Behandlung fortschreitet.  

Das Mittel wurde für die gleiche Indikation in den USA bereits im August vergangenen Jahres zugelassen [1]. 

Die Zulassung basiert auf der kürzlich publizierten Phase-3-Studie VELOUR (Aflibercept Versus Placebo in Metastatic Colorectal Cancer After Failure of an Oxaliplatin-Based Regimen [2].

Bei den 1.226 Teilnehmern der VELOUR-Studie zeigten sich unter Aflibercept zusätzlich zur Standardbehandlung signifikante Verbesserungen sowohl in der Gesamtüberlebensdauer als auch beim progressionsfreien Überleben. Die Gesamtüberlebensdauer verlängerte sich von 12,06 auf 13,5 Monate (Hazard Ratio (HR): 0,917; p=0,0032), das progressionsfreie Überleben von 4,67 auf 6,9 Monate (HR: 0,758; p=0,00007).

Laut Kommentar des leitenden Forschungsarztes der VELOUR-Studie, Dr. Eric Van Cutsen vom Universitätsklinikum Leuven in Belgien, belegen die Ergebnisse den Ausnahmestatus von Aflibercept: Es ist der erste und einzige Wirkstoff, der eine statistisch signifikante Verbesserung in einer Phase-3-Studie bei Patienten erbrachte, die zuvor eine Oxaliplatin-basierte Behandlung erhalten hatten und nun mit FOLFIRI gegen die metastasierende Erkrankung behandelt werden. "Aflibercept ist eine wichtige Ergänzung bei der Behandlung von metastasierten kolorektalen Karzinomen und füllt eine Lücke in der bestehenden Therapielandschaft", sagte er in einem Statement.

Warum hat man auf Bevacizumab verzichtet?

Kritisiert wurde die Studie allerdings, weil man auf eine Therapie mit Bevacizumab (Avastin®, Genentech/Roche) verzichtet hatte, obwohl es als Standard-Zusatzmittel zur Chemotherapie beim metastasierten Darmkrebs gilt.

Nur 30,4% der mehr als 1.000 Teilnehmer waren zuvor mit Bevacizumab behandelt worden. Die Kontrollgruppe hat ausschließlich FOLFIRI anstelle von FOLFIRI in Kombination mit Bevacizumab erhalten.

„Hätte Aflibercept auch einen Vorteil gegenüber einer Kontrollgruppe unter dem  Antiangiogenese-Hemmer Bevacizumab erbracht? Oder, einfacher ausgedrückt: Ist dies ein 'Me-too-Präparat'?" fragt sich Dr. Alok Khorana, Vizechef der Hämatologie/Onkologie am James P. Wilmot Cancer Center der University of Rochester in New York, in seinem regelmäßigen Medscape-Blog OncNotes.

Beide - sowohl Aflibercept als auch Bevacizumab – sind Angiogenese-Inhibitoren, jedoch mit jeweils geringfügig unterschiedlichen Wirkmechanismen. Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen den Gefäßwachstumsfaktor VEGF-A (Vascular Endothelial Growth Factor A) gerichtet ist.

Aflibercept ist ein neuartiges Fusionsprotein, das wie ein Schwamm zirkulierende VEGF aufsaugt und wegen dieser Bindung in der wissenschaftlichen Literatur auch als "VEGF Trap" oder "VEGF-Falle" bezeichnet wird. Der Hersteller beruft sich auf den breiteren Wirkmechanismus von Aflibercept, das gegen die VEGF-Typen A und B und auch den Plazentawachstumsfaktor wirkt. Das verschaffe ihm einen Vorteil gegenüber den anderen zurzeit verfügbaren Mitteln.

Empörung über die hohen Kosten

Über diese wissenschaftliche Kontroverse hinaus sorgte vor allem der hohe Preis von Aflibercept in den Vereinigten Staaten für Entrüstung.

Das Memorial Sloan Kettering Cancer Center wird das Mittel erst gar nicht in sein Arzneimittelrepertoire aufnehmen. Experten begründen das in der New York Times wie folgt: "Das Medikament Zaltrap® hat sich gegenüber ähnlichen Mitteln, die es schon zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs gibt, nicht als besser erwiesen, wobei der Preis mit durchschnittlich 8.159 € je Behandlungsmonat mehr als doppelt so hoch liegt. In den meisten Branchen würde kein Produkt auf den Markt kommen, das keine Vorteile gegenüber der Konkurrenz bietet und trotzdem doppelt so teuer ist."

Die öffentliche Aufmerksamkeit hat den Hersteller dazu veranlasst, den Preis des Medikaments um 50% zu senken, was laut Dr. Khorana ein noch nie da gewesener Vorgang sei [3].

Dieser Artikel wurde von Andrea Thode von Medscape.com übersetzt und adaptiert.

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