Deal or No Deal: Pharmaindustrie will Kooperation mit Ärzten veröffentlichen

Julia Rommelfanger | 21. Januar 2013

Autoren und Interessenskonflikte

Korruptionsvorwürfe gegen Ärzte schlugen in den vergangenen Wochen hohe Wellen, auch, was die Strafbarkeit von Korruption angeht, wie Medscape Medizin berichtete [1]. Arzneimittelhersteller sind dabei oft in der Schusslinie, da ihnen vorgeworfen wird, Ärzte durch Zuwendungen in ihrem Verschreibungsverhalten zu beeinflussen.

Um den Bestechungsanschuldigungen entgegenzuwirken, tritt die Pharmaindustrie jetzt die Flucht nach vorne an – und nimmt selbst die Veröffentlichung der Namen von Ärzten, die Zuwendungen von Pharmaunternehmen erhalten, in Angriff – unter der Voraussetzung, die Ärzte stimmen einer Bekanntgabe zu. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) kündigte einen solchen Transparenz-Kodex, der Patienten Einblicke gewährt in die finanziellen Beziehungen der Ärzte mit der Pharmaindustrie, Anfang Januar im Nachrichtenmagazin Focus an [2]. Speziell sollen Patienten demnach ab 2016 – also frühestens in drei Jahren – erfahren, wie viel Geld ihr Arzt im Vorjahr für klinische Studien oder Vorträge von welchem Unternehmen erhalten und ob ein Unternehmen seine Fortbildungen bezahlt hat.

„Missstände sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Jedoch müssen wir diese Fälle glaubwürdig in den Griff bekommen“, erklärte Dr. Jochen Stemmler, Pressesprecher des vfa in einem Gespräch mit Medscape Medizin. „Bereits vor mehreren Jahren haben wir die freiwillige Selbstkontrolle durch die Gründung des Vereins FSA eingeführt – der Weg ist also beschritten; der Transparenz-Kodex beschreibt eine Stufe mehr dieser Kontrolle.“ Am 16. Februar 2004 haben die Mitglieder des vfa die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) gegründet, zur Überwachung der Zusammenarbeit von pharmazeutischen Unternehmen und Ärzten, Apothekern und anderen Organisationen und zur eventuellen Sanktionierung von Regelverstößen. Der Transparenz-Kodex sei eine europäische Initiative und auch aus diesem Grund „eine Stufe weiter in Richtung Transparenz“, sagte Stemmler. „Alle Verhältnisse zwischen Ärzten und Industrie offenzulegen ist ambitioniert“, gab er zu. „Das wichtigste ist jetzt die Zustimmung der Ärzte.“ Wie genau die finanziellen Beziehungen für Patienten einsehbar werden, kläre sich aktuell in Gesprächen, so der vfa-Sprecher.

Bundesärztekammer befürwortet Transparenz-Initiative

In ersten Gesprächen haben sich Ärzteverbände zustimmend zu der geplanten Offenlegung geäußert, berichtete Stemmler. So auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht Transparenz nicht zu scheuen“, zitiert ihn der Focus. Er äußerte jedoch Unverständnis über den späten Zeitpunkt der Veröffentlichung. „Wir brauchen diese Zeit, um dieses Vorhaben rechtlich und administrativ auf die Füße zu stellen“, informierte Stemmler. Ab 2015 sollen alle Informationen der Ärzte hinsichtlich finanzieller Kooperationen gesammelt und ab 2016 veröffentlicht werden.

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Julia Rommelfanger
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