Der Arzt kam, sah und diagnostizierte: Blickdiagnose des kardialen Risikos

Dr. med. vet. Susanne Kammerer | 12. November 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Los Angeles – Eine aktuelle Studie aus Dänemark zeigt, dass der klinische Blick des Arztes auf den Patient trotz aller diagnostischer Möglichkeiten wesentlich ist und Rückschlüsse auf die kardiale Gesundheit erlaubt. Das gilt sogar unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren. Patienten, welche 3 bis 4 typische Alterserscheinungen - etwa Glatzenbildung, Geheimratsecken, Xanthelasmen an der nasalen Seite der Augenlider, oder eine Ohrläppchenfalte - aufwiesen, hatten ein um 57% höheres Risiko für einen Herzinfarkt und ein um 39% höheres Risiko für eine koronare Herzerkrankung.

Doch auch einzelne Zeichen des Alterns erhöhten das Risiko für einen Infarkt bereits drastisch: Geheimratsecken bei Männern um 40%, Xanthelasmen um 35%, eine Glatzenbildung bei Männern um 14% und eine Ohrläppchenfalte um 11%. „Bestimmte sichtbare Alterszeichen spiegeln offensichtlich das biologische Alter wieder und sind unabhängig vom chronologischen Alter“, erklärte hierzu Studienleiterin Prof. Dr. med. Anne Tybjaerg-Hansen vom  vom Rigshospitalet der Universität Kopenhagen in Dänemark.

Die Wissenschaftler analysierten in der „Copenhagen Heart Study“ Altersanzeichen von 10.885 Studienteilnehmern im Alter von 40 Jahre oder darüber (der Frauenanteil betrug 45%). Im einzelnen wurden folgende Alterszeichen festgehalten: Hautfalten, graue Haare, vertikal verlaufende Ohrläppchenfalten, Geheimratsecken, Glatzenbildung, Arcus corneae, d.h. Lipideinlagerungen um die Kornea und Xanthelasmen. 7.537 Teilnehmer wiesen Geheimratsecken auf, 3.938 eine Glatzenbildung, 3.405 hatten Ohrläppchenfalten und 678 Xanthelasmen.

Falten im Gesicht sind nicht charakteristisch für das kardiale Risiko

In einem Nachbeobachtungszeitraum von 35 Jahren entwickelten 3.401 Studienteilnehmer eine koronare Herzerkrankung (KHK) und 1.708 einen Myokardinfarkt. Graues Haar und Falten im Gesicht zeigten keinen Zusammenhang mit einer KHK oder einem Myokardinfarkt. 4 altersbedingte Veränderungen jedoch, nämlich Geheimratsecken, Glatzenbildung, Ohrläppchenfalten und Xanthelasmen, erwiesen sich sowohl in der Einzelauswertung, als auch kombiniert als Prädiktoren für eine KHK und für Myokardinfarkte.

Das war unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, BMI, Lipidwerte, Hypertonie, Diabetes und Rauchen. Das Risiko nahm hochsignifikant zu, wenn mehrere Alterszeichen kombiniert vorlagen (p < 0,0001) und stieg bei Patienten mit allen vier Alterszeichn um 60%.

„Die Überprüfung dieser typischen Alterszeichen sollten daher Routine bei der klinischen Untersuchung der Patienten sein“, riet Frau Tybjaerg-Hansen. Es empfiehlt sich zudem, Lifestyle-Veränderungen und eine Kontrolle der Lipdwerte bei diesen Patienten zu intensivieren.

Da an der Studie ausschließlich Dänen teilnahmen, können die Ergebnisse nicht auf andere ethnische Gruppen übertragen werden.

Referenzen

Referenzen

  1. Jahrestagung der „American Heart Association“ (AHA) 3.-5. November 2012, Los Angeles. Scientific Sessions 2012, Abstract Oral Session (AOS.211.01) am 6. November 2012 (Abstract 15333)

Autoren und Interessenskonflikte

Dr. med. vet. Susanne Kammerer
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Prof. Dr. med. Anne Tybjaerg-Hansen
Es liegen keine Erklärungen zu Interssenkonflikten vor.

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