Die Mortalitätsrate des Diabetes im Kindesalter sinkt - bei Jugendlichen aber nicht

Miriam E. Tucker | 6. November 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Die Mortalitätsrate bei jugendlichen Diabetikern ist zwischen 1968 und 2009 um 61% gesunken. Dies geht aus einem neuen Bericht der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hervor, der in der Ausgabe des Morbidity and Mortality Weekly Report vom 2. November veröffentlicht wurde [1].

Allerdings zeigt die Datenanalyse aus dem US-amerikanischen Instrument für Lebensstatistiken National Vital Statistics System auch, dass die diabetesbedingte Mortalität unter Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren von 1984 – 2009 jährlich um etwa 1,6% angestiegen ist.

„Die Ergebnisse belegen insgesamt eine Verbesserung hinsichtlich der Mortalitätsrate bei jugendlichen Diabetikern. Gleichzeitig zeigt sich auch eine Notwendigkeit kontinuierlicher Verbesserung hinsichtlich Diagnose und Versorgung“, schreiben Dr. Sharon Saydah und ihre Mitarbeiter von der Abteilung Diabetes & Transfer der CDC und dem National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion.

Die Wissenschaftler untersuchten den Trend diabetesbedingter Todesfälle, die von 1968 – 2009 bei Jugendlichen im Alter von 19 Jahren und darunter dokumentiert worden waren. Aus den Daten ging nicht hervor, um welchen Diabetestyp es sich handelte. Die Autoren gingen davon aus, dass es sich im Wesentlichen um Typ-1-Patienten handelte.

Bessere Versorgung und bewusstere Symptomwahrnehmung

Die diabetesbedingte Mortalität sank von anfangs jährlich 2,69‰ zwischen 1968 - 1969 auf 1,05‰ zwischen 2008 und 2009, dies entspricht einer Verringerung um 61%. Sie war bei Kindern unter 10 Jahren ausgeprägter (von 1,80 auf 0,39‰, das entspricht einem Rückgang von 78%) als bei Jugendlichen zwischen 10 und 19 (von 3.56 auf 1.71‰, entsprechend 52%).

Hinsichtlich der Mortalitätsmuster gab es ebenso Unterschiede zwischen den Kindern <10 und Jugendlichen. In beiden Altersgruppen konnte man eine auffällige Verringerung zu Anfang des Untersuchungszeitraumes feststellen: Die jährliche prozentuale Veränderung in der Gruppe <10 betrug -5,7 zwischen 1968 und 1995. Für jene zwischen 10 und 19 -6.5% zwischen 1968 und 1984.

Anschließend sank die Mortalitätsrate bei den Kindern <10 jährlich nur noch um -0.3% zwischen 1995 und 2009, während die ältere Gruppe eine Steigerung um 1,6% per annum zwischen 1984 und 2009 aufwies.

Saydah und ihre Mitarbeiter sind der Meinung, die Gesamtverringerung der diabetesbedingten Mortalität – größtenteils als Folge des Rückgangs von Komplikationen, wie Ketoazidosen und Hypoglykämien – sei ein Ergebnis verbesserter Versorgung in den letzten vier Jahrzehnten. Dazu käme eine insgesamt bewusstere Wahrnehmung der Symptome.

Die Gründe für eine gesteigerte diabetesbedingte Mortalität seit den 1980er Jahren in der älteren Gruppe sind jedoch weniger klar. Die Autoren gehen von einer zeitlichen Verschiebung der Todesfälle im Kindesalter aus (Diagnosestellung <10 Jahre) – möglicherweise sind junge Diabetiker in früheren Zeiten vor Erreichen des 10. Lebensjahres verstorben – nun könnten diese Todesfälle tendenziell zwischen dem 10. und 19. Lebensjahr liegen.

Die Autoren fassen zusammen: „Aus dem Bericht geht insgesamt eine Verbesserung hinsichtlich diabetesbedingter Mortalität bei Kindern und Jugendlichen hervor, insbesondere im Altersbereich unter 10. Todesfälle bei Diabetikern in beiden Altersgruppen sind vermeidbar. Die Ergebnisse deuten auf die Notwendigkeit verbesserter Diagnostik und Versorgung hin, insbesondere bei Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 19: Das Risiko diabetesbedingter Mortalität ist in dieser Gruppe in den letzten Jahren anscheinend angestiegen.“

Dieser Artikel wurde von Dr. Immo Fiebrig aus www.medscape.comübersetzt und adaptiert.

Referenzen

Referenzen

  1. Saydah S, et al.: Morb Mortal Wkly Rep. 2. November 2012. http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm6143a2.htm?s_cid=mm6143a2_w 
    or PDF-Download: http://www.cdc.gov/mmwr/pdf/wk/mm6143.pdf

Autoren und Interessenskonflikte

Miriam E. Tucker
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Übersetzers
Dr. Immo Fiebrig
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Dr. Sharon Saydah
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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