Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Vier Risikofaktoren sind die Schuldigen

Dr. Immo Fiebrig | 1. November 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass die 4 Risikofaktoren, nämlich Hypertonie, Diabetes, Rauchen und ein hoher Cholesterinspiegel für den größten Teil aller Fälle von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) verantwortlich sind.

Die von Dr. Michel Joosten (Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston, Massachussets) koordinierte die Studie wurde unlängst im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht [1].

Joosten kommentierte gegenüber heartwire: „Die Vermeidung dieser vier Risikofaktoren könnte zu einer Verminderung aller pAVK-Fälle um 75% beitragen. Die Verringerung solcher Risikofaktoren sollte im öffentlichen Gesundheitswesen Priorität genießen.“

Er erläuterte, dass dies insbesondere für Hypertonie und Rauchen gelte. „Bezüglich pAVK reicht das Risiko für die Raucher weiter zurück, als es die Untersuchungen erlauben. Daher ist es wichtig, gar nicht erst damit zu beginnen. Hinsichtlich Bluthochdruck scheint das Risiko relativ kurz nach Diagnosestellung zu steigen, deshalb ist es hier ebenfalls von Bedeutung, die Lebensgewohnheiten entsprechend zu verändern, um das sich dann ergebende Risiko zu vermeiden.“

Joosten bemerkte, dass die 4 Risikofaktoren unabhängig voneinander seien und multiplikativ wirken. „Selbst wenn man nur mit einem Risikofaktor behaftet ist, sollten keine weiteren hinzukommen, da jedes zusätzliche Risiko entsprechend mehr zu Buche schlägt.“

Es ist unnötig, nach anderen Ursachen zu suchen

Er fügte hinzu, dass die Ergebnisse darauf hinwiesen, dass es unnötig sei, nach andern Ursachen zu suchen. „Wir müssen uns keine großen Sorgen über unentdeckte Risiken oder genetische Faktoren machen, die wir im gegebenen klinischen Umfeld bisher nicht erfasst hätten. Wir müssen uns lediglich auf die 4 Hauptrisiken konzentrieren, die bereits identifiziert wurden.“

Für die vorliegende Studie analysierten Joosten und die Koautoren Daten aus der Health Professionals Follow-up Study, in der 51.529 US männliche Angehörige der Heilberufe im Alter zwischen 40 und 75 Jahren im Rahmen von Verlaufskontrollen untersucht wurden [2]. Die Ausgangswerte ermittelte man im Jahr 1986. Anschließend füllten die Studienteilnehmer alle 2 Jahre Fragebögen zur Anamnese aus. Die Fragen bezogen sich u. a. auf die Themen „Claudicatio intermittens“ und „Lebensführung“. Männer mit kardiovaskulärer Erkrankung oder einer solchen in der Familienanamnese (Myokardinfarkt, Schlaganfall, koronarer Bypass,  koronare Ballondilatation und Claudicatio intermittens) wurden ausgeschlossen.

Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 24 Jahren wurden 537 pAVK-Fälle festgestellt. Jeder einzelne der vier üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren: Rauchen, Hypertonie, Hypercholesterinämie und Typ-II-Diabetes ging - nach Bereinigung um die anderen 3 Risikofaktoren und weitere statistisch relevante Störfaktoren - signifikant und unabhängig voneinander mit einem erhöhten pAVK-Risiko einher.

pAVK-Inzidenz bezogen auf die Anzahl der Risikofaktoren


Risikofaktoren (n)

Altersadjustierte Inzidenzrate zur pAVK (Fallzahl/100 000)

0

9

1

23

2

47

3

92

4

186

Der multivariabel bereinigte Risikoquotient für jeden zusätzlichen Risikofaktor betrug 2,06. Männer ohne jeglichen der 4 Risikofaktoren wiesen einen Risikoquotienten von 0,23 für die Manifestation einer pAVK auf, im Vergleich zu sämtlichen anderen Männern der Kohorte. Bei 96% der pAVK-Fälle war mindestens einer der 4 Risikofaktoren zum Zeitpunkt der pAVK-Diagnose vorhanden. Die absolute pAVK-Inzidenz bei Männern mit sämtlichen 4  Risikofaktoren betrug 3,5/1000 Personenjahren. Die Wissenschaftler stellen fest, dass die pAVK-Häufigkeit möglicherweise etwas unterschätzt werden könnte, da die Definition für eine neue pAVK-Diagnose sehr streng gehalten sei.

Obwohl die 4 bedeutendsten Risikofaktoren die gleichen seien wie für andere kardiovaskuläre Erkrankungen, gäbe es doch einige wichtige Unterschiede, betonen sie. Zum Beispiel kommt einer dieser Risikofaktoren bei 80% der Patienten mit KHK vor, indes bei mehr als 95% in Fällen von schwerwiegender pAVK. Hinzu kommt, dass aktives Rauchen 2 - 3 Mal häufiger mit einer pAVK in Zusammenhang steht als mit einer KHK. Das pAVK-Risiko scheint – anders als dies beim KHK- und Schlaganfallrisiko der Fall ist auch nach dem Einstellen des Rauchens nicht zum Ausgangswert zurückzukehren.

Dieser Artikel wurde von Dr. Immo Fiebrig aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

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Dr. Immo Fiebrig
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