Schubförmig remittierende Multiple Sklerose: Sicherheit und Wirksamkeit von BG-12 bestätigt

Martin Wiehl | 2. November 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Lyon – Der möglichst frühzeitige Beginn einer immunmodulatorischen Intervention bei demyelinisierenden Ereignissen wie der Multiplen Sklerose (MS) hat sich zweifellos zum Therapiestandard entwickelt. Das Behandlungsziel besteht idealerweise darin, degenerative neurologische Prozesse bereits in der Entstehungsphase zu verhindern. Dabei geht man allgemein davon aus, dass die inflammatorische Aktivität im Rahmen eines Autoimmungeschehens ein wesentlicher Trigger für degenerative Erscheinungen der Nervensubstanz ist.

Mit BG-12 (Dimethylfumarat, DMF) wird voraussichtlich im 2. Quartal 2013 eine neue orale Option zur First-Line-Therapie der schubförmig remittierenden MS (relapsing remitting MS; RRMS) zur Verfügung stehen, die sowohl antiinflammatorisch als auch neuroprotektiv wirkt. Auf dem 28. Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in Lyon wurden neue Daten vorgestellt.

Bei BG-12 handelt es sich um ein Small Molecule, das antiinflammatorische und antioxidative Eigenschaften besitzt und somit möglicherweise auch zytoprotektiv wirkt. Bei der RRMS konnten Wirksamkeit und Sicherheit der Substanz bereits unter Beweis gestellt werden: In den beiden großen randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studien DEFINE (Determination of the Efficacy and safety of oral Fumarate IN rElapsing-remitting MS) und CONFIRM (COmparator aNd an Oral Fumarate In RRMS) ist BG-12 240 mg bei 2- und 3-mal täglicher Gabe sowohl gegen Placebo als auch gegen den aktiven Komparator Glatirameracetat (GA) über einen Zeitraum von 2 Jahren verglichen worden. Auf dem ECTRIMS-Kongress wurden nun gepoolte Daten aus beiden Studien präsentiert. Insgesamt kam man so auf mehr als 2.300 Patienten.

BG-12 senkt Schubfrequenz und Behinderungsprogression

Prof. Dr. med. Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik am St. Josef Hospital, Bochum, betonte, dass es aufgrund des identischen Designs beider Studien und der vergleichbaren Kollektive möglich war, die gepoolten Daten zusammenzustellen. Demnach ergab sich nach 2 Jahren Behandlung mit BG-12 vs Placebo eine Senkung der jährlichen Schubfrequenz um 49% für die 2- und 3-mal tägliche Gabe; eine Minderung des Anteils der Patienten mit neuerlichem Schub um 43% bei 2-mal täglicher Gabe und 47% bei 3-mal täglicher Gabe; die Minderung einer nach 12 Wochen bestätigten Behinderungsprogression um einen EDSS-Punkt (Expanded Disability Status Scale) um 32 bzw. 30% nach 2- bzw. 3-mal täglicher Gabe.

Die Ergebnisse schlugen sich auch in Verbesserungen der einschlägigen MRT-Parameter nieder. Im selben Beobachtungszeitraum ging die Zahl der neuen oder neu vergrößerten T2-gewichteten hyperintensen Läsionen um 78 bzw. 73% nach 2- bzw. 3-mal täglicher Gabe zurück. Das Auftreten neuer T1-gewichteter hypointenser Läsionen war um 65 bzw. 64% vermindert. Das Risiko für Kontrastmittel anreichernde Läsionen konnte um 83 bzw. 70% reduziert werden.

Sicherheitsprofil annähernd auf Placebo-Niveau

Hinsichtlich des Sicherheitsprofils von BG-12 ergaben sich keine neuerlichen Bedenken. Das bestätigte Prof. Dr. med. Krzysztof Selmaj, Leiter der Abteilung für Neurologie an der Universitätsklinik Lodz/Polen. Die gesammelten Daten erwiesen sich konsistent zu den Studienergebnissen, denen zufolge sich das Spektrum unerwünschter Arzneimittelwirkungen insgesamt auf Placebo-Niveau bewegte. Die häufigsten Nebenwirkungen von BG-12 waren Flush und milde gastrointestinale Beeinträchtigungen, die sich innerhalb von 2 bis 4 Wochen zurückbildeten und nicht zu einem vorzeitigen Studienabbruch führten. Insbesondere wurden keine schwerwiegenden Ereignisse wie schwere Infektionen, Malignome oder opportunistische Infektionen beobachtet.

Zur Überprüfung der langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit von BG-12 ist 2011 die Studie ENDORSE mit 1.738 RRMS-Patienten gestartet worden. In diese weltweit laufende, hinsichtlich der Dosis verblindeten Verlängerungsstudie gehen Extensionsdaten der Studien DEFINE und CONFIRM ein. Einer ersten Zwischenbilanz zufolge ergaben sich nach dem ersten Jahr der auf 5 Jahre angelegten Nachbeobachtung keine neuen Signale hinsichtlich des primären Studienziels – der Sicherheit.

Referenzen

Referenzen

  1. 28. Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS), 10.-13. Oktober 2012, Lyon. Gold R: Parallel Session 12: Disease-modifying treatments
    Selmaj K: Poster 484
    http://www.congrex.ch/ectrims2012

Autoren und Interessenskonflikte

Martin Wiehl
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

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