Minderjährige im Solarium – Hautkrebsprävention tut not

Dr. Carola Göring | 18. Oktober 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Die Alabasterhaut ist „out“, vor allem die Deutschen lieben Sonnenstudios. Besonders Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren sind eine typische 'Viel-Nutzer-Gruppe' unter den Solariengängern, berichtet Prof. Dr. Sven Schneider vom Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) der Universität Heidelberg in der Sun Study 2012 [1]. Der Pferdefuß: Sonnenbank-Nutzer haben ein deutlich höheres Risiko, Hautkrebs zu entwickeln, als Menschen, die Solarien meiden. „Das deckt sich mit unseren Beobachtungen“, erklärt Prof. Dr. med. Eckhard Breitbart, einer der Studienautoren und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), Buxtehude, gegenüber Medscape Deutschland. „Wir Hautärzte sehen immer mehr junge Menschen ab 20 Jahren mit Melanomen.“

Die Sun Study 2012 beschreibt diese und weitere Risikogruppen genau. Dazu wurden 4.851 Menschen zwischen 14 und 45 Jahren in Deutschland telefonisch gefragt, ob bzw. wie häufig Sie ins Solarium gehen. Dabei kamen zum Teil schockierende Ergebnisse heraus: auch Minderjährige gaben an, dass sie in den letzten 12 Monaten Sonnenbänke genutzt hätten. Dabei sind nach geltendem Recht in Deutschland die Betreiber verpflichtet, Jugendlichen den Zugang zu Solarien zu verbieten. Sie riskieren seit März 2010 Bußgelder in Höhe von bis zu 50.000 Euro.

Für Menschen mit Migrationshintergrund sind Solarien attraktiv

Weitere Ergebnisse der Studie: 39,2 % der Befragten gaben an, schon mal eine Sonnenbank genutzt zu haben. In den letzten 12 Monaten waren es noch knapp 15 % der Befragten, darunter ein hoher Anteil von Frauen, Jugendlichen und Beschäftigten in Sonnenstudios. Neu ist die Erkenntnis, dass Menschen mit Migrationshintergrund signifikant häufiger ins Solarium gehen. Schneider und Kollegen wollten auch wissen, warum sich die Menschen auf die Sonnenbank legen. „Entspannung“ und „mehr Attraktivität durch Hautbräune“, aber auch das „Gefühl der Wärme“ waren häufig genannte Gründe.

Die Epidemiologie erklärt, warum die Studie so wichtig ist: Jährlich erkranken 224.000 Menschen in Deutschland neu an Hautkrebs, 26.000 davon am besonders gefährlichen malignen Melanom. Rund 3.000 Melanompatienten sterben jedes Jahr an den Folgen ihres Tumorleidens [2].

Dabei belegt eine europäische Studie eindrucksvoll, wie hoch das Risiko ist, durch regelmäßige Solariengänge an einem malignen Melanom zu erkranken und zu sterben: Von jährlich knapp 64.000 neuen Melanom-Fällen in 18 westeuropäischen Ländern konnten etwa 3.500 nachweislich auf den Gebrauch von Sonnenbänken zurückgeführt werden. Etwa 800 Menschen in diesen Ländern starben, weil sie regelmäßig Sonnenstudios nutzten [3]. „Anders ausgedrückt, steigt das Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, auf fast 200 Prozent, wenn Solarien bis zu einem Alter von 35 Jahren regelmäßig genutzt werden“, erklärt Breitbart, „da müssen wir gegensteuern.“

Die Ergebnisse der Sun-Studie 2012 zeigen die Zielgruppen, bei denen präventiv interveniert werden sollte. Das sind zum Beispiel junge Frauen, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund. Weiter sollte das Personal der Sonnenstudios sollte besser geschult werden. Wünschenswert wären standardisierte Schulungen von unabhängigen, nicht mit der Sonnenbankindustrie verbundenen Institutionen.

Referenzen

Referenzen

  1. Schneider S et al.: Archiv Dermatol (online) 15. Oktober, 2012
    DOI:10.1001/2013.jamadermatol.562  
    http://dx.doi.org/10.1001/2013.jamadermatol.562
  2. Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID)
    www.gekid.de
  3. Boniol M et al.: BMJ 2012 (online) 24. Juli 2012
    http://www.bmj.com/content/345/bmj.e4757

Autoren und Interessenskonflikte

Dr. Carola Göring
Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.