Hodentumoren: Watchful-Waiting unbeliebt

Franz-Günter Runkel | 28. September 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Leipzig – Risikoadaptierte Therapie – Unter diesem Motto steht die neue Leitlinie der European Association of Urology (EAU) für nicht seminomatöse Hodentumoren im Stadium 1. Ob der Patient aktiv überwacht werden sollte oder doch eine Chemotherapie eingeleitet wird, hängt vor allem davon ab, ob bereits eine vaskuläre Invasion durch den Tumor stattgefunden hat.

Insgesamt erleiden 28 % aller Hodentumorpatienten ein Rezidiv. Prof. Dr. med. Peter Albers, Direktor der Urologischen Universitätsklinik Düsseldorf, stellte im Congress Center Leipzig die Kriterien der neuen EAU-Leitlinie vor. An Hodentumoren erkranken vor allem jüngere Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Nur 1 - 2 % aller bösartigen Tumorerkrankungen in Deutschland sind jedoch Hodentumore. Pro Jahr werden rund 4.000 Diagnosen gestellt, etwa 150 Männer sterben an der Erkrankung.

Etwa sechs von zehn Hodentumorpatienten gehören der Niedrigrisikogruppe an, bei denen noch keine Invasion der Blut- und Lymphgefäße stattgefunden hat. Nur 15 % dieser Patientengruppe erleiden laut Albers im Laufe ihrer Krebserkrankung ein Rezidiv. Diese wären geeignete Kandidaten für ein abwartendes Vorgehen.

Abwarten und Überwachen finanziell nicht attraktiv

In Deutschland, so merkte Albers an, sei die Entscheidung in solchen Situationen jedoch dadurch erschwert, dass die aktive Überwachung aufgrund schlechter Bezahlung bei Urologen äußerst unbeliebt sei. Viel besser würden aktive Therapieformen wie Operation oder Chemotherapie honoriert. Albers hofft aber, dass die internationale EAU-Leitlinie gerade in dieser Frage eine Trendwende einleiten könnte.

„Bei den restlichen 40 % der Patienten mit vaskulärer Invasion der Blut- und/oder Lymphgefäße und damit relativ hohem Rezidivrisiko von 50 % empfiehlt die interdisziplinär besetzte Leitlinienkommission der EAU eine Chemotherapie. Das Standard-Therapieschema besteht aus Bleomycin, Etoposid und Cisplatin, also dem sogenannten BEP-Schema“, erläuterte Albers die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Hodenkrebs.

Neue Akzente setzt die neue EAU-Leitlinie allerdings in der Dosierung der Chemotherapie für fortgeschrittene Hodentumorpatienten mit Gefäßinvasion. Bislang gelten zwei BEP-Zyklen als therapeutischer Standard. In jüngster Zeit, so Albers, mehren sich aber die Anzeichen, dass eventuell auch ein einziger BEP-Zyklus ausreichen könnte. Es wurde gezeigt, dass auch nach einem BEP-Zyklus die Rezidivrate lediglich bei 1 % liegt. Gleichzeitig kann der Urologe bei reduzierter Anzahl der Zyklen eine dramatische Reduktion der Therapiemorbidität gegenüber der Standardtherapie erzielen, wie sie noch  vor zehn Jahren üblich war. Seinerzeit wurden Operationen mit der Chemotherapie kombiniert, was entsprechende Langzeitfolgen nach sich zog.

Referenzen

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  1. 64. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Leipzig. 27. September 2012, Forum 9, Kontroversen (Hodentumor)

Autoren und Interessenskonflikte

Franz-Günter Runkel
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