Ursache für Rosazea möglicherweise bakteriell

Joe Barber Jr. | 28. September 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Zunehmend verdichtet sich die Evidenz, dass es sich bei Rosazea um eine bakterielle Erkrankung handelt, die durch eine Überproliferation der Demodexmilbe in der Haut hervorgerufen wird. Dies geht aus einer Literaturstudie hervor, welche Stanishaw Jarmuda der Medizinischen Universität Posen in Polen und Kollegen veröffentlicht haben. Sie präsentierten ihre Ergebnisse in einem online veröffentlichten Artikel vom 29. August im Journal of Medical Microbiology.


Die Autoren stellen fest, dass sich die Forschungsbemühungen bisher auf die Aufklärung einer möglichen bakteriellen Ursache für Rosazea fokussiert hatten. „Über einen langen Zeitraum hinweg hat man mehrfach versucht, einen Zusammenhang zwischen der Rosazeaätiopathogenese  und dem Vorhandensein gewisser Mikroorganismen auf oder in der Haut zu belegen, zum Beispiel Demodexmilben oder Bakterien“, schreiben die Autoren. „Es ist allgemein anerkannt, dass die Dichte an Demodexmilben in der Haut von Rosazeapatienten höher ist als bei den Kontrollen, doch die Signifikanz dessen wurde bisher in Frage gestellt.”

Gefahr: Unkontrollierte Vermehrung von Demodexmilben

Die Demodex-Kolonisierung bei Menschen ist häufig, die Rosazeaprävalenz hingegen wesentlich geringer. Mehrere Studien weisen darauf hin, so die Autoren, dass Demodexmilben im Rahmen einer Immunsuppression pathogen werden und sich unkontrolliert vermehren können.


Dieser Hypothese entsprechend weisen die Daten darauf hin, dass Rosazeapatienten eine durchschnittliche Demodexmilbendichte von 10,8 Milben/cm2 aufweisen, gegenüber 0,7 Milben/cm2 bei Gesunden. Darüber hinaus wurde im Rahmen einer weiteren Studie Demodex folliculorum an Patienten mit papulopustulöser Rosazea im Follikelsekret von 90,2 % festgestellt, gegenüber lediglich 11,9 % bei den Kontrollprobanden.

Die Autoren sind ebenso der Meinung, dass diese Milben anderen ursächlichen Mikroorganismen als Vektoren dienen, gemäß der Hypothese zur Bedeutung von Demodexmilben in der Rosazeapathogenese. Bacillus oleronius wurde aus Demodexmilben eines Rosazeapatienten isoliert. Beobachtungen zufolge rief dieses Bakterium bei 73 % der Patienten eine Immunantwort mit papulopustulöser Rosazea hervor, gegenüber lediglich 29 % bei den Kontrollpatienten.

In einer früheren Studie wurde Staphylococcus epidermidis aus den Pusteln von 9 aus 15 Patienten mit papulopustulöser Rosazea isoliert. Dieses Bakterium war auf den unbetroffenen Hautarealen derselben Patienten nicht vorhanden. Weitere Forschungsergebnisse belegen, dass dieses Bakterium gegenüber Antibiotika, die üblicherweise zur Behandlung von Rosazea verwendet werden, empfindlich ist.

Die Autoren stellen fest, dass hinsichtlich der Rosazeapathogenese die Bedeutung der Demodexmilben und der damit in Zusammenhang stehenden Bakterien trotz der gegebenen Forschungsergebnisse unklar bleibt. „Der Mangel einer Immunreaktion auf Demodexmilben im Bereich gesunder Hautareale lässt eine lokalisierte Immunsuppression vermuten. Diese begünstigt das Überleben der Milbe”, schreiben die Autoren. „Hoffentlich bieten zukünftige Forschungsergebnisse hinsichtlich der Rosazeapathogenese mehr Einblicke in die Bedeutung dieser Mikroorganismen, was die Entwicklung neuer und wirksamerer Behandlungen gegen diese entstellende Krankheit ermöglichen würde.”

Dieser Artikel wurde von Dr. Immo Fiebrig für medscape.com adaptiert und übersetzt. 

Autoren und Interessenskonflikte

Joe Barber Jr.
Freiberuflicher Redakteur für Medscape

Es bestehen keine Interessenkonflikte.

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