Zwei Phase-3-Studien bestätigen die Wirksamkeit von Kapseln mit dem Fumarsäure-Präparat BG-12 bei Multipler Sklerose

Michael Simm | 25. September 2012

Autoren und Interessenskonflikte

 

Professor Dr. med. Ralf Gold
 

Der oral zu verabreichende Wirkstoff Dimethylfumarat kann die Häufigkeit von Krankheitsschüben bei der multiplen Sklerose (MS) deutlich reduzieren und die Krankheitsaktivität verringern, so das Ergebnis der beiden Phase 3-Studien DEFINE und CONFIRM, die nach Präsentationen auf zwei Fachkonferenzen nun vollständig im New England Journal of Medicine publiziert wurden.

In einer Stellungsnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sprach Professor Dr. med. Ralf Gold, der die DEFINE-Studie geleitet hat, von „einem weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einer Tablette für den Großteil der Betroffenen“. Man habe die Schubrate halbiert „und das bei guter Verträglichkeit und einem exzellenten Sicherheitsprofil“, fasste der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik (St. Josef Hospital) Bochum die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Deutliche Reduktion der Schübe

DEFINE steht für „Determination of the Efficacy and Safety of Oral Fumarate“, wobei die Wirksamkeit und Sicherheit des Präparates „BG-12“ in Dosierungen von zwei- bzw. dreimal täglich 240 mg mit Placebo verglichen wurde. 1234 Patienten aus 28 Ländern mit schubförmiger MS im Alter zwischen 18 und 55 Jahren hatten an der Studie teilgenommen.

Das primäre Erfolgskriterium war der Anteil der Patienten, die binnen zwei Jahren einen Krankheitsschub erlitt. Dies war bei 27 % der Probanden der Fall, die zweimal täglich BG-12 erhalten hatten, bei 26 % derjenigen mit dreimal täglich BG-12, jedoch bei 46 % der Patienten unter Placebo. Umgerechnet entspricht dies jährlichen Schubraten von 0,17 bzw. 0,19 in den beiden Verumgruppen gegenüber 0,36 bei den Placebo-Empfängern.

Alle Unterschiede waren statistisch signifikant, ebenso wie die Differenz beim Anteil der Patienten mit Krankheitsprogression zwischen Verum (16 % bzw. 18 %) und Placebo (27 %).

Die Krankheitsaktivität haben Gold und Kollegen anhand magnetresonanztomografischer Aufnahmen bei 540 Patienten erfasst. Die Zahl neuer oder vergrößerter hyperintenser Läsionen auf T2-gewichteten Bildern verringerte sich demnach um 74 – 85 % mit dem Fumarsäurepräparat gegenüber Placebo. Frei von Gadolinium-aufnehmenden Läsionen waren zum Ende der Studie 62 % der Placebo-Empfänger gegenüber 93 % bzw. 86 % derjenigen, die täglich zwei- oder dreimal BG-12 bekommen hatten. 
95 % aller Studienteilnehmer in allen drei Gruppen berichteten dabei von Nebenwirkungen. Hautrötungen, Durchfall, Übelkeit und Magenschmerzen traten dabei unter BG-12 häufiger auf als unter Placebo, sie gingen jedoch meist nach rund 30 Tagen zurück.

Zweite Studie mit ähnlichen Ergebnissen

In der Studie CONFIRM (Comparator and an Oral Fumarate in Relapsing/Remitting MS) wurden gleiche Dosierungen von BG-12 verabreicht, sowie in einem zusätzlichen Studienarm der Immunmodulator Glatirameracetat. Diese zwei Präparate wurden jedoch nicht direkt miteinander verglichen, sondern jeweils mit Placebo. Der primäre Endpunkt für die 1430 Teilnehmer war die jährliche Schubrate. Sie betrug 0,22 bzw. 0,20 für die beiden BG-12-Dosierungen, 0,29 für Glatirameracetat und 0,40 unter Placebo, was in jedem Fall einen signifikanten Unterschied zugunsten der aktiven Substanzen bedeutet.

Sowohl Glatirameracetat als auch die seit 15 Jahren in der MS-Therapie eingesetzten Interferone müssen gespritzt werden, erinnerte Gold, und der im April 2011 zugelassene orale Wirkstoff Fingolimod ist nur für schwere Verlaufsformen indiziert. Angesichts der robusten Verringerung der Schubrate mit BG-12 ohne Einbußen bei der Sicherheit erwartet der Neurologe indes baldige Fortschritte: „Wir hoffen auf Zulassung durch die europäischen und amerikanischen Behörden im Frühjahr des kommenden Jahres.“

Referenzen

Autoren und Interessenskonflikte

Michael Simm
Hat als freier Mitarbeiter für die Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eine Pressemitteilung zur Veröffentlichung der DEFINE-Studie erstellt und dafür ein Honorar erhalten.

R. Gold, Leiter der DEFINE-Studie, hat vom Hersteller der Studienarznei BG-12, BiogenIdec, Beraterhonorare erhalten sowie Forschungsmittel für sein Institut und ist beteiligt an der Firma NeuroRx Research, die die Bildanalyse durchgeführt hat
(weitere Details: http://www.nejm.org/doi/suppl/10.1056/NEJMoa1114287/suppl_file/nejmoa1114287_disclosures.pdf)

R. Fox, Leiter der CONFIRM-Studie, hat vom Hersteller der Studienarznei BG-12, BiogenIdec, Beraterhonorare erhalten sowie Forschungsmittel für sein Institut. Die Mit-Autorin KT Dawson ist Angestellte von BiogenIdec (weitere Details: http://www.nejm.org/doi/suppl/10.1056/NEJMoa1206328/suppl_file/nejmoa1206328_disclosures.pdf)

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.