Rheumatoide Arthritis: Biologika-Kombi künftig ein Regressrisiko

Ute Eppinger | 21. September 2012

Autoren und Interessenskonflikte

 

Prof. Dr. Klaus Krüger
 

Bochum – Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat jetzt eine neue S1-Leitlinie zur sequenziellen medikamentösen Therapie der Rheumatoiden Arthritis (RA) vorgelegt. „Die neue S1-LL versucht, dem Rheumatologen einen Behandlungsablauf vorzugeben, der die evidenzbasierte, bestmögliche Versorgung des Rheumapatienten zum Ziel hat, dabei aber ökonomische Aspekte nicht aus den Augen verliert“, erklärte Prof. Dr. med. Klaus Krüger, Sprecher der Kommission Pharmakotherapie der DGRh und Rheumatologe am Praxiszentrum St. Bonifatius in München, beim 40. Kongress der DGRh in Bochum.

Die neue Leitlinie stützt sich auf die EULAR-Empfehlungen (European League against Rheumatism) von 2010 und auf einen überarbeiteten, auf Expertenmeinung basierenden Therapiealgorithmus, der aus dem Jahr 2009 stammt. Damit ergänzt die neue S1-LL die bereits bestehende S3-LL Management der frühen rheumatoiden Arthritis. Wie Krüger erklärte, beschränkt sich die neue Leitlinie im Gegensatz zur S3-LL jedoch nicht ausschließlich auf die frühe Rheumatoide Arthritis. Die neue Handreichung beschäftigt sich speziell mit der medikamentösen Therapie und liefert eine Anleitung zum sequenziellen Behandlungsvorgehen in der Praxis. „Adressaten der S1-LL sind die rheumatologischen Spezialisten, während sich die S3-LL an die primärversorgenden Ärzte wendet“, erläutert Krüger.

Deutscher Sonderweg

Die neue Leitlinie wurde auf der Grundlage einer aktualisierten systematischen Literaturrecherche und eines Expertenkonsensus erstellt. Zudem erfolgte eine Anpassung an die Besonderheiten der Versorgungsstruktur in Deutschland. Hierzu, betonte Krüger, seien vor allem der Zulassungsstatus der relevanten Substanzen und spezielle Therapiehinweise des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu rechnen. Krüger nannte als Beispiel die Therapie mit Biologika und Leflunomid, das nach Methotrexat das am besten bewährte Medikament unter den DMARD-Präparaten (disease modifiying anti-rheumatic drug) darstelle: Im Unterschied zum weltweit üblichen Vorgehen, das Biologika mit Leflunomid kombiniere, bezeichne „der Bundesausschuss das als unwirtschaftlich.“ Die Kombination könne deshalb nur unter hohem Regressrisiko verordnet werden.

Krüger nannte die wichtigsten Inhalte der neuen S1-LL. Bei Diagnosestellung ist Methotrexat die Standard-Starttherapie und wird mit niedrig dosiertem Prednisolon kombiniert. Spricht der Patient nicht ausreichend darauf an, sollte nach 12 Wochen eine klassische DMARD-Kombinationstherapie eingesetzt werden (zum Beispiel Methotrexat und Leflunomid oder Methotrexat, Sulfasalazin und Hydroxychloroquin).

Abweichen von der Leitlinie ist erlaubt

Bei anhaltend hoher Krankheitsaktivität, so Krüger weiter, werde spätestens nach 6 Monaten der Einsatz eines Biologikums empfohlen, in der Regel in Kombination mit Methotrexat. In Sondersituationen wie bei frühen Destruktionen oder bei ungünstiger Prognose kann dies gegebenenfalls auch früher geschehen. Erweise sich das zuerst angewendete Biologikum in einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten als nicht ausreichend effektiv, sollte auf ein anderes Biologikum gewechselt werden.

Die neue S1-LL gibt auch Hinweise für eine Deeskalation der RA-Therapie: Bei lang anhaltender Remission kann eine kontrollierte Reduktion der Basistherapie versucht werden. Allerdings gebe es dazu bisher nur wenige Studiendaten. Krüger erklärt dazu: „Das Traumziel einer medikamentenfreien Remission ist bei frühem Therapiebeginn und vorsichtiger Reduktion heute für einen Teil der Patienten erreichbar.“ Die S1-LL würdigt Krüger als „Leitfaden, von dem im Einzelfall aus speziellen, patientenbezogenen Gründen natürlich abgewichen werden kann.“

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