Kein kausaler Zusammenhang zwischen Rheumafaktor und der Entwicklung einer Rheumatoiden Arthritis

Ute Eppinger | 11. September 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Männer und Frauen mit erhöhtem Rheumafaktor (RF) haben – je nach RF-Wert – ein bis zum 26-fach erhöhtes Risiko, langfristig eine Rheumatoide Arthritis (RA) zu entwickeln. Raucherinnen zwischen 50 und 69 scheinen am meisten gefährdet zu sein. Das zeigt eine prospektive Studie des Copenhagen University Hospitals, Herley, Dänemark, die am  6. September 2012 im British Medical Journal erschienen ist [1].

Rheumatoide Arthritis ist die häufigste chronische Gelenkentzündung, betroffen ist rund 1 % der Weltbevölkerung. Frauen erkranken drei Mal häufiger als Männer. Bisher kann kein Bluttest definitiv eine RA nachweisen, ein positiver Rheumafaktor kann jedoch eine Prädisposition anzeigen. Bislang war nicht klar, ob hohe RF-Level bei Menschen ohne RA mit einer späteren Krankheitsentwicklung korrelieren.

Dr. Sune F. Nielsen und sein Team wollten die Frage klären. Sie bestimmten mittels Blutproben den Rheumafaktor bei 9.712 gesunden weißen dänischen Probanden im Alter zwischen 20 und 100 Jahren. Deren gesundheitliche Entwicklung wurde über einen Zeitraum von bis zu 28 Jahren verfolgt.

Erhöhte RF-Werte von 25-50 I.E./ml, 50.1-100 I.E./ml und >100 I.E./ml wurden mit normalen RF-Werten (<25 I.E./ml) verglichen. Während des Studienzeitraums erkrankten 183 Probanden an Rheumatoider Arthritis.

Unter Berücksichtigung anderer möglicher Risikofaktoren zeigte sich, dass ein ums Doppelte erhöhter RF mit einem 3,3-fach erhöhten RA-Risiko einherging. Der höchste RF-Wert ( >100 I.E./ml) war assoziiert mit einem 26-fach erhöhten RA-Risiko.

In der Gruppe der 50 bis 69 Jahre alten Raucherinnen mit RF >100 I.E./ml war das Risiko, innerhalb von 10 Jahren an RA zu erkranken, mit 32 % am höchsten. 70-jährige Männer mit einem RF <25 I.E./ml wiesen das geringste 10-Jahres-Risiko von 0,1 % auf.

Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Rheumafaktor und RA-Entwicklung nachweisen können. „Dennoch unterstreichen sie die Notwendigkeit einer raschen fachärztlichen Abklärung und Therapie nach einem positiven Rheumafaktor-Test.“ Und das gerade dann, wenn typische Anzeichen einer Rheumatoiden Arthritis wie Schmerzen und Gelenkschwellungen (noch) fehlen würden.

Eine Überarbeitung der Richtlinien wird als sinnvoll erachtet.

Wachsamkeit für neu auftretende Gelenkschmerzen

„Wissenschaftlich ist die Studie durchaus interessant, sie bleibt vorerst aber ohne Konsequenzen“, kommentiert Prof. Dr. med. Klaus Krüger, Vorsitzender der Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) die Ergebnisse gegenüber Medscape Deutschland. „Wir wissen schon seit längerem, dass die weitaus spezifischeren Anti-CCP-Antikörper dem Ausbruch der Rheumatoiden Arthritis viele Jahre voraus gehen können; jetzt ist für den IgM-Typ ähnliches gezeigt worden.“

Der Rheumafaktor ist laut Krüger unspezifischer, er kommt auch bei 5 % der Gesunden und bei einer Reihe weiterer Erkrankungen vor, insbesondere bei Autoimmunerkrankungen. Man werde allein schon deshalb kein Screening für Gesunde empfehlen. „Zudem ergeben sich aus einem positiven Befund keine Konsequenzen, außer bestenfalls Wachsamkeit für neu auftretende Gelenkschmerzen.“

Schließlich, sagt Krüger, „kann man einen Patienten ohne jegliche Gelenkbeschwerden ja nicht prophylaktisch mit einem hoch differenzierten und nebenwirkungsträchtigen Immunsuppressivum behandeln, nur um zu verhindern, dass eventuell nach 20 oder 30 Jahren mal eine Rheumatoide Arthritis auftritt.“

Auch Dr. Julia Simard vom Karolinska Institut in Stockholm, Schweden, misst der Nielsen-Studie in einem begleitenden Kommentar eher geringe praktische Bedeutung bei [2], da Menschen ohne Symptome einer Rheumatoiden Arthritis nur sehr selten auf Rheumafaktoren getestet würden. „Künftige Forschung sollte das Feld auf andere bedeutende Auto-Antikörper ausweiten, zum Beispiel Antikörper gegen citrullinierte Peptide/Proteine bzw. ACPAs.“

Referenzen

Referenzen

  1. Nielsen SF et al. BMJ(online). 6. September 2012; DOI: 10.1136/bmj.e5244
  2. Simard J. BMJ 2012;345:e5841

Autoren und Interessenskonflikte

Ute Eppinger
Es bestehen keine Interessenkonflikte.

Prof. Dr. med. Klaus Krüger
Es liegen keine Erklärungen zu Interessenkonflikten vor.

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