T-DM1 verbessert signifikant die Ergebnisse bei HER2-positivem Brustkrebs

Roxanne Nelson | 3. Juni 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Chicago, Illinois – Das Prüfpräparat Trastuzumab-Emtansine (T-DM1) kann progressionsfreies Überleben bei einigen Frauen mit metastasierendem Brustkrebs verbessern.

Die Studienergebnisse, die hier auf dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology 2012 während einer Plenarsitzung präsentiert wurden, zeigen, dass T-DM1 (Roche/Genentech) gegenüber der Standardtherapie mit Capecitabin (Xeloda®, Roche) und Lapatinib (Tykerb®, GlaxoSmithKline) progressionsfreies Überleben bei Frauen mit HER2-positivem lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Brustkrebs, die zuvor mit Taxan und Trastuzumab behandelt wurden, signifikant verbesserte.

Patienten, die mit T-DM1 behandelt wurden, wiesen ein längeres medianes progressionsfreies Überleben auf als Patienten unter Standardtherapie (9,6 gegenüber 6,4 Monate). Dieser Unterschied erreichte statistische Signifikanz.

Das mittlere Gesamtüberleben bei Patienten unter T-DM1 wurde nicht erreicht, während das mittlere Gesamtüberleben bei denjenigen, die mit Standardtherapie behandelt wurden, 23,3 Monate betrug (Hazard Ratio [HR] 0,621; P = 0,0005).

„Wir haben aufgezeigt, dass T-DM1 progressionsfreies Überleben im Vergleich zu Capecitabin und Lapatinib signifikant verbessert. Und es besteht eine starke Tendenz zu einem verbesserten Gesamtüberleben“, erklärt der leitende Verfasser Sunil Verma, MD, Leiter der Breast Medical Oncology am Sunnybrook Odette Cancer Centre und Professor an der University of Toronto in Ontario, Kanada.

In einem Interview weist Dr. Verma darauf hin, dass „unglaubliche Fortschritte“ in der Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs mit Trastuzumab und Lapatinib erreicht wurden, aber dass diese mit Chemotherapie angewandt werden müssten, damit man den Nutzen sehen kann. „Hinter diesem Präparat steht die Idee einer wirklich präzisen Chemotherapie. Die Chemotherapie muss genau in die anvisierten Zellen abgegeben werden“, erklärt er.

„Dies ist eine Behandlungsoption für Patienten mit metastasierendem HER2-positivem Brustkrebs, die das, was wir diesen Patienten anbieten können, wirklich verändert. Sie sollte einer der ihnen zur Verfügung stehenden Behandlungsstandards sein“, meint Dr. Verma gegenüber Medscape Medical News.

T-DM1 ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das aus dem Antikörper Trastuzumab (Herceptin®, Roche) besteht und mit dem Zytotoxin Mertansine (DM1) verbunden ist. Es enthält die Antitumor-Aktivitäten von Trastuzumab und die gegen HER2 gerichtete Abgabe von DM1.

Wir sind trickreich vorgegangen.

„Wir sind trickreich vorgegangen – wir verwenden [Trastuzumab] als Zulieferer“, bemerkt Andrew D. Seidman, MD, ein Onkologe am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York City, der nicht an der Studie mitgewirkt hat.

Dies sei eine aufregende Zeit; andere Präparate würden auch zurzeit in Studien untersucht, erzählt Dr. Seidman Medscape Medical News.

Wie diese Präparate am besten kombiniert werden sollten, sei noch zu bestimmen, führt er fort. So würden zum Beispiel Pertuzumab, das zurzeit von Genentech entwickelt wird, und T-DM1 zusammen in der MARIANNE-Studie, eine Studie zur Erstlinienbehandlung bei HER2-positivem Brustkrebs, untersucht. „Sie haben kürzlich ihre Aufnahme beendet, das heißt, wir werden weitere wichtige Nachrichten hören“, bemerkt er.

„Ich vernahm von der EMILIA-Studie, dass ein Arzneimittel ... in Bezug auf Krebsprogression zwei Arzneimittel übertrifft“, erklärt Dr. Seidman. „Dies kann einen Überlebensvorteil darstellen.“

EMILIA: Einzelheiten der Studie

Die EMILIA-Studie ist eine internationale randomisierte Phase-3-Studie, in der T-DM1 mit Capecitabin und Lapatinib verglichen wurde. Diese Kombination stellt aktuell die einzige zugelassene Kombination für Trastuzumab-refraktären HER2-positiven metastasierenden Brustkrebs dar.

Dr. Verma und seine Mitarbeiter nahmen 991 Patienten mit bestätigter Diagnose von HER2-positivem metastasierendem Brustkrebs auf (positive immunhistologische [IHC] Bestätigung von 3+ und/oder Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung [FISH]), die zuvor mit Trastuzumab und Taxan behandelt worden sind. Die primären Endpunkte waren progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben und Sicherheit.

Insgesamt wurden 978 Patienten in der Kohorte einer Behandlung unterzogen. Die mediane Dauer der Nachbeobachtung betrug 12,9 Monate in der T-DM1-Gruppe gegenüber 12,4 Monaten in der Standardtherapie-Gruppe. Die Baseline-Angaben zur Demografie, vorherigen Therapie und zu Krankheitscharakteristika waren gleichmäßig zwischen den zwei Gruppen verteilt.

Ergebnisse

Messungen

T-DMI

Standardtherapie

Gesamtüberleben nach einem Jahr in %

84,7

77,0

Gesamtüberleben nach 2 Jahren in %

65,4

47,5

Objektive Ansprechrate in Monaten (95 % KI)

43,6 (38,6–48,6)

30,8 (26,3–35,7)

Ansprechdauer bei den Patienten mit Gesamtansprechen in Monaten

12,6

6,5

Unerwünschte Ereignisse von Grad 3 oder höher in %

40,8

57,0

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse des Schweregrades 3 oder höher unter T-DM1, verglichen mit der Standardtherapie, waren Thrombozytopenie (12,9 % gegenüber 0,2 %), erhöhte Aspartataminotransferase (4,3 % gegenüber 0,8 %) und erhöhte Alaninaminotransferase (2,9 % gegenüber 1,4 %). Patienten unter Capecitabin und Lapatinib litten häufiger unter Diarrhö (20,7 % gegenüber 1,6 %), Erythrodysästhesie-Syndrom der Handflächen und Fußsohlen (16,4 % gegenüber 0,0 %) und Erbrechen (4,5 % gegenüber 0,8 %) als diejenigen, die mit T-DM1 therapiert wurden.

Dosisreduzierungen wurden häufiger bei der Standardtherapie vorgenommen (53,4 % bei Capecitabin und 27,3 % bei Lapatinib).

Dieser Artikel wurde von Dr. Katharina Freche für www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

Referenzen

Referenzen

    Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2012: Abstract LBA1. Vorgestellt am 3. Juni 2012.

Autoren und Interessenskonflikte

Roxanne Nelson
Keine COI
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.