Neue Therapieoption bei Herzinsuffizienz ohne eingeschränkte Ejektionsfraktion

Martin Wiehl | 27. August 2012

Autoren und Interessenskonflikte

27. 08 2012 (München) – Etwa die Hälfte aller Patienten mit Herzinsuffizienz verfügt über eine normale oder zumindest annähernd normale Ejektionsfraktion (EF). Während in einer Vielzahl von Studien bislang der Nutzen einer pharmakologischen Beeinflussung der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion gezeigt werden konnte, blieb der entsprechende Beweis für Patienten mit Herzinsuffizienz und gleichzeitig fortbestehender Ejektionsfraktion (HFpEF = Heart Failure with preserved Ejection Fraction) noch aus. Für diese Patienten fand sich bis zuletzt keine Behandlungsoption, für die eine Reduktion der Mortalität und Morbidität nachgewiesen werden konnte. Aufgrund der Daten der PARAMOUNT-Studie (Prospective comparison of ARNI with ARB on Management of heart failure with preserved ejection fraction) mit dem neuartigen Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) LCZ696 scheint sich diese Herausforderung allerdings bewältigen zu lassen.

Dualer Wirkansatz in nur einem Molekül

Bei LCZ696 handelt es sich um eine Substanz mit dualem Wirkansatz in nur einem Molekül. Es ist der erste Vertreter der neuen Substanzklasse der Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren. Neben den bekannten Wirkungen einer Angiotensin-Rezeptor-Blockade zielt die Substanz zugleich auch auf das Enzym Neprilysin. Dieses Enzym ist verantwortlich für den Abbau natriuretischer  Peptide und dessen Hemmung trägt folglich zu einer Verbesserung des intrinsischen natriuretischen Peptidsystems bei, erklärte Prof. Dr. Scott Salomon, Boston, Massachusetts (USA). Und dieses System ist wiederum in vielfältiger Weise an günstigen Einflüssen auf das Herz beteiligt. Es senkt den sympathischen Tonus und den Aldosteron-Spiegel und darüber hinaus auch den Blutdruck. Ferner mindert es fibrotische Umbauprozesse und damit auch die Hypertrophie des Myokards. Insgesamt fördert es auch die Vasodilatation und die Diurese und trägt somit unmittelbar zur Entlastung der Gefäße und des Herzens bei.

Vor diesem Hintergrund sollte die PARAMOUNT-Studie bei 308 Patienten mit stabiler, symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz (NYHA II-IV) und linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) = 45% die Wirksamkeit und Sicherheit von LCZ696 testen. Die Arbeitshypothese bestand darin, dass das NT-proBNP als Marker für den kardialen Wandstress nach zwölf Wochen stärker zurückgeht als nach Behandlung mit dem Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB) Valsartan. Nach 36 Wochen sollte auch eine Verbesserung der kardialen Struktur und Funktion festzustellen sein.

Senkung des NT-proBNP unabhängig von Blutdrucksenkung

Beide Ziele wurden in der doppelblinden Phase-II-Studie erreicht. So ergab sich eine Senkung des NT-proBNP um 23% unter LCZ696 gegenüber Valsartan nach zwölf Wochen Behandlung. Dieser Effekt war mit einem p-Wert von 0,005 signifikant. Auffällig war auch, dass sich die positive Beeinflussung dieses Parameters über alle vordefinierten Subgruppen erstreckte. Der Vorteil blieb zwar noch über einen verlängerten Beobachtungszeitraum erhalten, verlor dann aber seine statistische Signifikanz (p = 0,20). Insgesamt korrelierte die Reduktion des NT-proBNP nur schwach mit der einhergehenden Blutdrucksenkung, betonte Salomon. So blieb die statistische Signifikanz der NT-proBNP-Senkung auch dann noch erhalten, wenn hinsichtlich der Blutdrucksenkung adjustiert wurde (p = 0,01). Ferner wurde in der Studie nach 36 Wochen tendenziell eine Reduktion des linksventrikulären Volumens sowie eine Verbesserung der Ejektionsfraktion gegenüber Valsartan festgestellt, die aber statistisch nicht signifikant waren.

Salomon stellte außerdem fest, dass LCZ696 von den Probanden der Studie gut vertragen wurde. Unerwartete Arzneimittelwirkungen wurden nicht beobachtet.

Angesichts der positiven Bestätigung der Arbeitshypothese bescheinigte Salomon der neuen Substanz LCZ696 ein gutes Potential für einen Benefit bei Patienten mit HFpEF. Deshalb sprach er sich auch für weitere Studien mit dieser vielversprechenden Substanz aus.

Referenzen

Referenzen

  1. European Society of Cardiology (ESC) Congress 2012, 25.-29. April, München. Abstract 9. Presented 25.08.2012
  2. http://www.escardio.org/congresses/esc-2012/Pages/welcome.aspx
  3. Hot Line 1: Late Breaking Trials on Prevention to Heart Failure, 26.08.2012

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