HiFU-Behandlung erreicht beim lokoregionären Prostatakarzinom nur experimentellen Therapie-Status

Franz-Günter Runkel | 26. August 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HiFU) ist eine umstrittene alternative Therapie zur Behandlung des lokoregionären Prostatakarzinoms. Hochenergetisch gebündelter Ultraschall (bis 200 Watt) wirkt über eine transrektal eingeführte Sonde auf die Prostata ein. Eine Temperatur von bis zu 90 Grad Celsius und mechanische Kavitation lassen eine Koagulationsnekrose entstehen, die die Form einer Zigarre hat. Bis heute haben sich 25.000 Patienten für die Behandlung eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms mithilfe der HiFU-Therapie entschieden.

Allerdings bleibt der Wert der HiFU-Behandlung umstritten, weil belastbare Studiendaten fehlen und die präzise Indikation der Therapie unklar ist. Zu den Befürwortern der Therapie in Deutschland zählt Dr. Andreas Blana, Klinik für Urologie und Kinderurologie im Klinikum Fürth. „Hochintensiver fokussierter Ultraschall“, so Blana, „ist eine minimalinvasive alternative Therapie, deren Vorzüge in der Kombination von guter onkologischer Effektivität und einer niedrigen Nebenwirkungsrate liegen.“ Blana folgert aus der Analyse wissenschaftlicher Studien, dass die HiFU-Therapie schon heute einen festen Stellenwert bei der Therapie älterer Patienten mit Low- und Intermediate-Risk-Prostatakarzinom hat.

Blana verweist auf aktuelle Studiendaten von 538 Patienten, die auf dem diesjährigen European Association of Urology (EAU) Kongress in Paris vorgestellt wurden. Mit einem mittleren follow-up von 8,1 Jahren ergab sich ein biochemisch rezidivfreies Überleben nach fünf bzw. zehn Jahren von 88 und 71 % bei Low-Risk-Patienten sowie 83 und 63 % bei Intermediate-Risk-Patienten.

Eine gravierende Nebenwirkung der radikalen Prostatektomie (RPE) ist die Harninkontinenz. In der Literatur ergibt sich eine Bandbreite von 2 bis 34 % der Grad-1-Harninkontinenz. Dieses Ergebnis ist laut Blana besser als das der RPE. Ein ähnliches Ergebnis gibt es bei der zweiten zentralen Nebenwirkung der RPE, der erektilen Dysfunktion. Allerdings erreicht die HiFU in dieser Hinsicht Werte zwischen 20 und 70 %, je nach Studie.

Ein operatives Zentrum der radikalen Prostatektomie in Deutschland ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie die angeschlossene private Martini-Klinik, in der zum Beispiel Prof. Dr. Markus Graefen operiert. Er ist ein profilierter Gegner der HiFU-Therapie und verweist auf die deutsche S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom, in der HiFU nicht über einen experimentellen Status hinauskommt. „Die HiFU“, sagt Graefen, „ist ein nach wissenschaftlichen Kriterien experimentelles Verfahren, dessen Nebenwirkungsspektrum keine erkennbaren Vorteile bietet. Es bleibt unklar, wo eine Indikation besteht, die nicht auch durch andere, besser untersuchte und onkologisch sichere Verfahren abgedeckt wird.“

Der wesentliche Grund dieser zurückhaltenden Bewertung ist laut Graefen die absolut unzureichende Datenlage der Behandlung. Die onkologische Effektivität ist nach Einschätzung von Graefen nur wenig untersucht und das Nebenwirkungsspektrum des hochintensiven fokussierten Ultraschalls zeige keinen Vorteil gegenüber etablierten und gut untersuchten Verfahren. Sowohl die Inkontinenzraten der HiFU zwischen 2 und 34 % als auch die ED-Raten zwischen 20 und 70 % sind laut Graefen nicht besser als die Ergebnisse der Operation oder der Strahlentherapie.

Neben der deutschen S3-Leitlinie bieten auch die europäische Leitlinie der EAU sowie die US-Leitlinie des National Comprehensive Cancer Network keine positivere Bewertung der HiFU.

Referenzen

Referenzen

    UroForum, 2012;04:26-27
    Eur Urol, 2010;58:559-566
    Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 2.0, Aktualisierung 2011.
    Eur Urol, 2011;59:61-71
    Eur Urol, 2010; 58:803-815
    Eur Urol, 2012; 61:112-127

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