Top News vom ASCO 2012

Martha Kerr | 17. August 2012

Autoren und Interessenskonflikte

Die Zusammenarbeit im Kampf gegen Krebs war das herausragende Thema der diesjährigen Jahresversammlung der "American Society of Clinical Oncology", die vom 1. bis 5. Juni im McCormick Konferenzzentrum in Chicago, Illinois, stattfand.

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Es wurden mehr als 4.500 Abstrakte präsentiert. Zu den Highlights zählten:

  • Die PD-1-Hemmung ist das „nächste große Ding“ im Rahmen der Immuntherapie bei Krebs.
  • Trastuzumab hat beim HER-2-positiven, lokal fortgeschrittenen Mammakarzinom das Überleben verbessert.
  • Verbesserte Überlebensraten bei einigen Patienten mit primärem, anaplastischem Oligodendrogliom des Gehirns.
  • Das indolente und langsam fortschreitende Lymphom kann mit einer einfacheren Kombination aus 2 Substanzen behandelt werden, anstatt mit dem aggressiveren Standard-Regime.
  • Der intermittierende Einsatz einer Androgendeprivationstherapie (ADT) bei Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom ist hinsichtlich des Überlebens der kontinuierlichen ADT unterlegen.
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Ein PD-1-Hemmer schafft den Durchbruch bei krebsbedingter Immuntherapie

Zwei zu untersuchende Substanzen (BMS-936558 und BMS-936559, Bristol-Myers Squibb) haben in einer frühen Testphase zu einer unvorhersehbar dauerhaften Ansprechrate bei 3 Tumorentitäten (Lungenkarzinom, Melanom und Nierenzellkarzinom) geführt. Dieser Ansatz sieht den Gebrauch monoklonaler Antikörper vor, die das Protein für den programmierten Zelltod 1 (programmed death-1, PD-1) und sein Partnermolekül PD-L1 neutralisieren. In einem Editorial im „New England Journal of Medicine“ schreibt  Dr. Antoni Ribas vom Jonsson Comprehensive Cancer Center in Los Angeles, dass die Inhibition von PD-1 „die Erwartungen an einen Fortschritt im Kampf gegen den Krebs erfüllen könnte“. Dies stimmte überein mit den auf dem ASCO präsentierten Daten, die von Dr. Suzanne Topalian (Bild oben) von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, Maryland, USA,vorgestellt wurden.

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T-DM1 verbessert das Outcome signifikant beim HER-2-positiven Mammakarzinom

Laut der Daten, die auf einer Plenartagung präsentiert wurden, verbesserte die zu untersuchende Substanz Trastuzumab Emtansin (T-DM1, Roche/Genentech) im Vergleich zur Standardtherapie mit Capecitabine (Xeloda) und Lapatinib (Tykerb) signifikant das progressionsfreie Überleben bei Frauen, die wegen Her-2-positiven, lokal fortgeschrittenen oder bereits metastasierten Mammakarzinomen behandelt wurden und in der Krankenvorgeschichte bereits ein Taxan oder Trastuzumab erhalten hatten. "Dies stellt eine Therapieoption für Patientinnen mit metastasiertem, HER-2-positivem Mammakarzinom dar, die unser Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten wirklich erweitert. Sie sollte zukünftig eine der Standardtherapien sein, die für diese Patientinnen zur Verfügung stehen", sagte Dr. Sunil Verma vom Sunnybrook Odette Cancer Centre und der University von Toronto in Ontario, Canada.

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Verbessertes Überleben bei bestimmten Patienten mit primärem Hirntumor

Aktualisierte Daten aus 2 Studien zeigen einen eindeutigen Überlebensvorteil für eine Radiochemotherapie bei einigen Patienten mit primärem, anaplastischem Oligodendrogliom. Bei Patienten mit Tumoren, bei denen spezifische genetische Deletionen an den Chromosomen 1 und 19 (1p/19q Kodeletionen) nachgewiesen werden können, stellt die Radiochemotherapie laut Experten das neue Standardregime dar. Es sei "klar, dass die Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung das Überleben dieser Patienten signifikant verbessern kann", bemerkte Dr. Martin van den Bent vom Daniel den Hoed Cancer Center am Erasmus University Medical Center in Rotterdam, Niederlande.

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Bendamustin und Rituximab glänzen als Kombinationstherapie beim indolenten Lymphom

Neue Studienergebnisse bestätigen, dass Patienten mit indolentem und langsam fortschreitendem Lymphom mit einer einfacheren Zweierkombination aus den Substanzen Bendamustin und Rituximab therapiert werden können, anstatt sie einer Behandlung mit dem wesentlich aggressiveren R-CHOP Regime (Rituximab plus Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Vincristin und Prednison) zu unterziehen. Diese Ergebnisse sollten nun "evident genug sein, um die tägliche klinische Praxis zu verändern", sagte der führende Forscher Dr. Mathias Rummel von der Universitätsklinik der Justus-Liebig-Universität in Giessen, Deutschland. Die aktualisierten Ergebnisse aus der Deutschen Arbeitsgruppe zum Indolenten Lymphom (StiL) "zeigen eindeutig", dass die einfacher anzuwendende Zweierkombination effektiver und gleichzeitig weniger toxisch sei, so Dr. Rummel.

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Die intermittierende ADT beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Zahltag

Im Rahmen einer Phase-III-Studie wurde herausgefunden, dass der intermittierende Einsatz einer Androgendeprivationstherapie (ADT) bei Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom der kontinuierlichen ADT hinsichtlich des Überlebens unterlegen ist. "Die kontinuierliche ADT ist und bleibt der Standard bei Männern mit metastasiertem, hormonsensitivem Prostatakarzinom", wie der Autor der Studie Dr. Maha Hussain von der University of Michigan in Ann Arbor, Michigan, USA, Teilnehmern der Jahresversammlung mitteilte. Die Studienergebnisse seien "enttäuschend", machten aber "intuitiv Sinn", sagte Dr. Elizabeth Plimack vom Fox Chase Cancer Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA, die nicht an der Studie beteiligt war.

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Fehlende Aufmerksamkeit hinsichtlich später Nebenwirkungen von onkologischen Systemtherapien bei Langzeitüberlebenden

Eine Untersuchung fand heraus, dass nur sehr wenige Mediziner in der Lage sind, in vollständiger Weise die Hauptkomplikationen zu identifizieren, die mit 4 verschiedenen Chemotherapien bei den 2 häufigsten Krebserkrankungen (Brustkrebs und Kolonkarzinom) assoziiert sind. "Hier gibt es eine Menge an Arbeit zu tun", sagte Dr. Nicholas J. Vogelzang, Vorsitzender des Cancer Communications Committee der American Society of Clinical Oncology®. "Diesem Problem liegen unsere Erfolge zugrunde", fügte er hinzu und verwies auf die nun mehr als 12 Millionen Krebslangzeitüberlebenden in den USA.

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Paclitaxel ebenfalls mit guten Ergebnissen beim Mammakarzinom

Die alte Therapie ist ebenso gut wie die neue Erstlinienbehandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinoms, wie eine randomisierte Phase-III-Studie mit 799 Patientinnen demonstrierte. Die Effektivität von Paclitaxel war mit der zweier neuerer und teurer Substanzen – Nanopartikel-albumin-gebundenes (nab)-Paclitaxel (Abraxane, Bristol-Myers Squibb) and Ixabepilon (Ixempra, Bristol-Myers Squibb) – vergleichbar. Hauptautor Dr. Hope S. Rugo, MD, vom Helen Diller Family Comprehensive Cancer Center an der University of California, San Francisco, USA, präsentierte die Resultate.

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Regorafenib verbessert das Überleben beim chemotherapie-resistenten GIST

Auf dem ASCO-Meeting wurde berichtet, dass im Rahmen einer internationalen Phase-III-Studie die zu untersuchende Substanz Regorafenib (Bayer) das Outcome bei Patienten mit gastrointestinalem Stromatumor (GIST) verbesserte, die gegen Imatinib (Glivec) und Sunitinib (Sutent) resistent waren. Bei Regorafenib handelt es sich um ein oral bioverfügbares "Small Molecule" mit potenziellen antiangiogenetischen und antineoplastischen Eigenschaften. Die Substanz bindet an und hemmt Rezeptoren (VEGFR 2 und 3) und Ret, Kit, PDGFR und Raf Kinasen. Bei Patienten mit metastatischen und/oder inoperablen Tumoren war das progressionsfreie Überleben mit Regorafenib im Vergleich zu Plazebo signifikant länger (4,8 vs. 0,9 Monate; Hazard Ratio, 0,27; P <0 ,0001).

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Schlechtere Ergebnisse bei jüngeren Erwachsenen mit Leukämie sorgen für Bedenken

Eine großangelegte, neue Studie hat bestätigt, dass eine Kindheitsleukämie im Falle eines Auftretens in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter nicht so gut auf eine Therapie anspricht wie im Kindesalter. "Das schlechtere Ansprechen bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ist das Ergebnis einer resistenteren Erkrankung, woraus höhere Raten an Rezidiven und therapiebedingten Toxizitäten resultieren", sagte der Hauptautor der Studie, Dr. Eric Larsen, Medizinischer Direktor des Maine Children's Cancer Programms in Scarborough, Maine, USA. "Wir müssen uns auf die Entwicklung neuer Substanzen konzentrieren, um die Leukämie erfolgreich zu bekämpfen", fügte er hinzu.

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Risiko für Brustkrebs als Spätfolge einer onkologischen Therapie bei Langzeitüberlebenden höher als erwartet

Langzeitüberlebende nach onkologischer Therapie in der Kindheit, die eine Bestrahlung des Brustraumes erhielten, weisen ein höheres Risiko auf, Brustkrebs zu entwickeln, wie eine neue Studie hervorbrachte. Die Daten der Studie legen nahe, durch Screening-Empfehlungen ein weiter gespanntes Netz aufzubauen, um betroffene Patienten rechtzeitig zu diagnostizieren. Insbesondere fand die Studie heraus, dass Frauen mit einer niedrigeren Strahlendosis (10-19Gy) "ein wesentlich erhöhtes Risiko für ein Mammakarzinom haben", berichtete Hauptautorin Chaya Moskowitz, PhD, Biostatistikerin am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York City. "Es ist bemerkenswert, dass es für dieses Patientenkollektiv bislang keine Empfehlungen gibt", merkte sie weiter an.

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Geldbeutel beeinflusst die Einschlussrate für klinische Krebsstudien

Menschen mit geringem Einkommen haben keinen einfachen Zugang zur Teilnahme an klinischen Studien, wie eine Überprüfung unter mehr als 5.400 zwischen 2007 und 2011 neu diagnostizierten Tumorerkrankten ergab. Dies berichtete Joseph M. Unger, ein Forscher des Gesundheitsamtes und Statistiker am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, Washington, USA. Demnach hatten Patienten mit einem angegebenen Einkommen von weniger als 50.000 US-Dollar pro Jahr um 27 % weniger Chancen, an einer klinischen Studie teilnehmen zu können als Patienten mit höherem Einkommen. Diese Rate stieg bei Patienten mit einem jährlichen Einkommen unter 20.000 US-Dollar, verglichen mit Patienten höheren Einkommens, sogar noch auf 44 %.

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Afatinib verdoppelt das progressionsfreie Überleben beim Lungenkarzinom

Als Ergebnis der LUX-Lung 3-Studie zeigte Afatinib (Boehringer Ingelheim) bei Patienten mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge und positiver Testung für das Vorliegen von Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) ein verlängertes, progressionsfreies Überleben. Nach einer mittleren Nachsorge von 8 Monaten verzögerte Afatinib die Progression der Erkrankung um mehr als 4 Monate im Vergleich zur Standardtherapie (im Median 11,1 vs. 6,9 Monate; P=0,0004). Bei den 308 Studienteilnehmern mit Exon 19 Deletion oder Exon 21 L858R Mutation war die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens unter Afatinib-Gabe sogar noch ausgeprägter (13,6 vs. 6,9 Monate; P < 0,0001). "Dies ist die aussagekräftigste Phase-III-Studie bei Patienten mit Lungenkarzinom und EGFR-Mutation", sagte der Erstautor der Studie, Dr. James Chih-Hsin Yang, von der National Taiwan Universität in Tainan, Taiwan.

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Die Inhibition des MEK-Moleküls verbessert auch das Überleben beim Melanom

Wie auf dem ASCO berichtet wurde, hat ein neuer Ansatz mit zielgerichteten Therapien zur Behandlung des Melanoms bei vorhandener BRAF-Mutation – auch bekannt als MEK-Inhibition – nachgewiesenerweise zu einer Verlangsamung der Krankheitsprogression und zu einer Verlängerung des Gesamtüberlebens bei metastasierten Patienten geführt. Einigen Experten zufolge bleibt allerdings offen, wie MEK Inhibitoren einschließlich Trametinib (GlaxoSmithKline) zukünftig in das Therapie-Management des malignen Melanoms integriert werden. Basierend auf diesen Daten bemerkte Dr. Caroline Robert, Leiterin der Klinik für Dermatologie am Institut Gustave Roussy in Paris, Frankreich, dass "Trametinib eine alternative Behandlungsoption für Patienten mit BRAF-positivem, metastasiertem Melanom darstellt".

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Patienten mit Nierenzellkarzinom bevorzugen Pazopanib gegenüber Sunitinib

Die meisten Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom bevorzugen eine Therapie mit Pazopanib (Votrient®, GlaxoSmithKline) gegenüber Sunitinib (Sutent®, Pfizer), wie eine Umfrage bei 168 Patienten ergab, die über 10 Wochen eine der beiden Medikationen einnahmen und anschließend ebenfalls für 10 Wochen auf die jeweils andere Substanz umgestellt wurden. "Das war überraschend", bemerkte der Erstautor der Studie, Dr. Bernard Escudier vom Institut Gustave Roussy in Villejuif, Frankreich. "Wir hätten einen solchen Unterschied in der Präferenz der Patienten nicht erwartet." Er sagte weiter, dass bei 7 zur Verfügung stehenden Erstlinientherapien "ein Luxusproblem entstanden ist". Außerdem äußerte er, dass die Präferenz der Patienten ein wichtiger Faktor bei der Wahl sei, welches Medikament letztendlich zur Anwendung kommt.

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Bevacizumab verstärkt das Outcome beim therapieresistenten Ovarialkarzinom

Bevacizumab (Avastin®, Roche) in Kombination mit der Standard-Chemotherapie verlängert signifikant das progressionsfreie Überleben bei Frauen mit platin-resistentem Ovarialkarzinom. Dieses Ergebnis ergab die AURELIA Studie, die erste randomisierte Studie zu dieser Substanz beim platin-resistenten Ovarialkarzinom. Diese Kombination "halbiert das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung", sagte der Hauptautor der Studie, Dr. Eric Pujade-Lauraine, von der Université de Paris Descartes, Frankreich. "Bevacizumab plus Chemotherapie sollte als neues Standard-Regime bei Patienten mit platin-resistentem Ovarialkarzinom in Erwägung gezogen werden", gab der Forscher zu bedenken.

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Die kontinuierliche Gabe von Bevacizumab ist für Patienten mit kolorektalen Tumoren von Vorteil

Die weiterhin durchgeführte Gabe von Bevacizumab nach einer ersten Progression zusammen mit einer Umstellung der Chemotherapie führte zu einer Verbesserung sowohl des Gesamt- wie auch des progressionsfreien Überlebens im Rahmen einer randomisierten Studie mit Patienten mit metastasierten, kolorektalen Karzinomen. Dies berichtete Dr. Dirk Arnold, vom Krebszentrum der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg, Deutschland. "Hieraus ergibt sich eine neue Option zur Zweitlinientherapie für Patienten, die bereits im Rahmen einer Kombinationstherapie mit Bevacizumab vorbehandelt wurden", erklärte Dr. Arnold weiter.

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Autoren und Interessenskonflikte

Martha Kerr, Medscape Conference News Editor, Arlington, Virginia

Darbe Rotach, Medscape Senior Photo Editor, New York City

Charles Cherney, freiberuflicher Fotograf, Chicago, Illinois

Megan Brooks, freiberuflicher Journalist, Weston, Connecticut

Zosia Chustecka, Medscape Oncology News Editor, London, England

Nick Mulcahy, Medscape Oncology Senior Journalist, Philadelphia, Pennsylvania

Roxanne Nelson, Medscape Oncology Journalist, Bellingham, Washington

Übersetzung: Dr. Christoph Eimer

Bei den Beteiligten bestehen keine finanziellen Eigeninteressen.

Diese Slideshow wurde ursprünglich veröffentlicht auf Medscape.com im Juni 2012.

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