Zuhause alt werden: 15 Innovationen machen Senioren das Leben leichter

David Lee Scher, MD | 9. Januar 2015

Autoren und Interessenkonflikte

Zuhause alt werden: Neue Geräte machen das wahrscheinlicher

Viele Dinge sprechen gegen einen langen Aufenthalt im Krankenhaus: Die meisten Patienten wollen nicht länger als unbedingt nötig im Krankenhaus bleiben. Behandlungsfehler im Krankenhaus sind die dritthäufigste Todesursache in den USA [1], nosokomiale Infektionen rangieren unter den Top 5 [2]. Die Aufnahme in ein Pflegeheim wird ebenfalls meist nicht gewünscht. Die Generation der Baby Boomer und die Generation X ziehen es vor, zu Hause alt zu werden. Allerdings fürchten 95% von ihnen, dass die Technologie noch nicht ausgereift genug ist, um potenzielle Komplikationen vorherzusagen und ein entsprechendes Alarmsignal abzugeben, bevor es im häuslichen Umfeld zu einer Katastrophe kommt [3].

Der kardiologische Elektrophysiologe David Lee Scher, Direktor einer digitalen Gesundheitsberatungsfirma und Vorsitzender der Mobile Health Roadmap Task Force der Healthcare Information and Management Systems Society, bittet darum, zu unterscheiden. Zur Unterstreichung seiner Position verweist er auf 15 mobile Innovationen, die die Patientenversorgung in den Krankenhäusern, Altenheimen und zu Hause revolutionieren könnten und bereits den US-Gesundheitsmarkt aufmischen.

Bild von Dreamstime

Dia 1

EKG aus der Hosentasche

Scher glaubt, dass der Herzmonitor AliveCor® und die zugehörige App zu den potenziellen Impulsgebern in der Kardiologie gehören. Das Ein-Kabel-EKG wird mit dem Smartphone verbunden und nimmt innerhalb von 30 Sekunden ein präzises EKG inklusive der Herzfrequenz auf. Es kann die Wirkungen von Medikamenten überwachen, Symptome wie Palpitationen und Kurzatmigkeit aufstöbern, die kardialen Auswirkungen von Alkohol-und Kaffeekonsum aufzeichnen und körperliche Aktivitäten sowie Schlafphasen überwachen. „Dies wiederum erlaubt es den Patienten mit Vorhofflimmern oder anderen kardialen Arrhythmien, den behandelnden Arzt drahtlos über Symptome zu informieren, ohne sich einen Tag bei der Arbeit freinehmen oder in die Notaufnahme fahren zu müssen“, erklärt Scher. „Es handelt sich um das erste und einzige Ein-Kabel-EKG, das einen durch die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) zugelassenen Detektionsalgorithmus für Vorhofflimmern hat. Das Problem mit den meisten der anderen Herzmonitore ist, dass ihr Einsatz nur für einen Zeitraum von 30 Tagen von der Krankenkasse erstattet wird. Deshalb profitieren gerade chronische Patienten von diesem Gerät.“ Es kostet 199 Dollar und macht ein regelmäßiges Monitoring erschwinglich.

Bild mit freundlicher Genehmigung von AliveCor®

Dia 2

AirStrip® ermöglicht die Überwachung der Vitalzeichen stationärer Patienten in Abwesenheit. Nach Verknüpfung mit der Monitoring-Ausrüstung des Krankenhauses, können beispielsweise Körpertemperatur, Blutdruck, CT-Bilder, Ultraschalluntersuchungen, Laborwerte, Röntgenaufnahmen, Medikamente und Notizen aus der Krankenakte auf dem Laptop oder Smartphone des betreuenden Arztes abgerufen und angezeigt werden. „AirStrip® verlagert die Überwachung am Krankenbett auf ein mobiles Gerät des behandelnden Arztes“, sagt Scher. „Es zeigt verschiedene Daten im Überblick an, sodass es die Datenanalyse vereinfacht. Darüber hinaus ist es mit der elektronischen Krankenakte vollständig kompatibel und lässt Sie auch in Abwesenheit mit dem Versorgungsteam kommunizieren. Daher ist es ein Allzweck-Instrument für die Patientenüberwachung“. Eines Tages könnte dieses Instrument laut Scher auch seine Anwendung zu Hause finden, mit dem selbst Risikopatienten in der häuslichen Umgebung alt werden können.

Bild mit freundlicher Genehmigung von AirStrip® Technologies

Dia 3

Kontrollzentrum für alle Ihre Diabetes-Patienten

Drahtlose Blutzuckermessgeräte sind schon länger erhältlich. Die meisten Patienten mit Diabetes verwenden allerdings noch immer kabelgebundene Geräte – und die sind in Sachen Monitoring eine Herausforderung. Eine elegante Lösung für dieses Problem bietet Glooko™, eine Kombination aus App und Messgerät. Das sogenannte Glooko MeterSync™ verbindet über 30 kabelgebundene Blutzuckermessgeräte mit den Smartphone und macht so die Synchronisation von Blutglukoseprofilen, die Integration von Ernährungs-und Verhaltensdaten und die Verbindung von Patienten und Provider in Echtzeit möglich. Die App kann die Daten zahlreicher Patienten auf dem Display eines Smartphones gleichzeitig anzeigen, einschließlich Geburtsdatum, Diabetes-Typ, Datum der letzten Synchronisierung, durchschnittliche Blutzucker-Tageswerte und der Standardabweichung. Patienten, die einen Trend zu schlechteren Werten aufweisen, werden mit Fähnchen markiert. „Jedes von der FDA zugelassenes Blutzuckermessgerät kann verbunden werden“, sagt Scher. „Die Plattform zum Patienten-Management liefert robuste Analysen – wahrscheinlich die besten, die es gibt. Derzeitige Provider fürchten sich vor einer Welle an nutzlosen Daten, aber die von Glooko™ sind tatsächlich hilfreich, visuell ansprechend und klinisch relevant“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Glooko™, Inc.

Dia 4

Digitale Überwachung der Medikamenteneinnahme

Ein winziger, schluckbarer Sensor vom Hersteller Proteus Digital Health – so glaubt Scher – „wird die Kontrolle der Medikamenten-Compliance verändern. Der Sensor, der weniger als einen Cent kostet, wird auf einer Tablette platziert und durch den Kontakt mit Magensäure aktiviert. Dann wird ein digitales Signal an einen Pflaster-ähnlichen Monitor gesendet, der auf dem Arm des Patienten getragen wird.“ Auf diese Weise werden die Einnahme der Medikamente, die Einnahmezeit, die Herzfrequenz, die Körpertemperatur, die Körperposition und Ruhe- sowie Aktivitätsmuster aufgenommen. „Sie können die Daten hinsichtlich der Effektivität der eines Wirkstoffes untersuchen“, so Scher. „Beispielsweise können Sie bei einem Patienten, der ein Medikament zur Senkung der Herzfrequenz einnimmt, analysieren, ob die Herzfrequenz unter Aktivität aufgrund der Medikamentenwirkung oder aufgrund seiner Inaktivität niedrig ist.“ Die Daten werden drahtlos auf eine App übertragen – wodurch sie durch den überwachenden Arzt, eine verantwortlichen Pflegekraft oder ein Familienmitglied eingesehen werden können. Die Sensoren werden während des Herstellungsprozesses auf spezifische Medikamente hin kodiert. „Die Patienten erhalten Textnachrichten, die sie im Falle der Nicht-Einnahme erinnern“, fügt Scher hinzu. „Es handelt sich um die ultimative „Ich habe die Pille eingenommen“- Methode.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von „Proteus Digital Health“

Dia 5

Symptomkontrolle für Patienten mit Asthma und COPD

Patienten mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sollten in einem Tagebuch ihre Symptome, deren Auslöser und die Einnahme der Medikation aufschreiben. Genau das sorgt oft für Schwierigkeiten, denn nur wenige nutzen dieses Tagebuch regelmäßig. Propeller Health hat eine Lösung gefunden: ein Gerät, das auf den Inhalator passt und drahtlos über eine App anfallende Daten registriert. Die Patienten erhalten anschließend Feedback und Verhaltensvorschläge, wie sie ihr Asthma oder ihre COPD besser einstellen können. Die Daten können ebenso drahtlos mit dem verantwortlichen Arzt geteilt werden. „Dieses Gerät überprüft eine Erkrankung wie Asthma inklusive seiner unterschiedlichen Komponenten, beispielsweise Umweltfaktoren. Es deckt auf, wann und wie ein Patient seine Medikation einsetzt“, sagt Scher. „Es kann Ihnen mitteilen, ob ein bestimmter Ort problematischer ist als ein anderer, oder ob ein Patient seinen Inhalator eher nachts als tagsüber einsetzt. Benutzt ein Patient seinen Inhalator eher nachts, kann das bedeuten, dass seine anderen Medikamenten neu eingestellt werden müssen, oder dass im Schlafraum ein Allergen oder Staub vorkommen, die die Symptome auslösen“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von „Propeller Health“

Dia 6

Fortschritt beim Insulin-Monitoring

Echo Therapeutics hat ein nicht-invasives, drahtloses Monitoring-System für Menschen mit Diabetes entwickelt. Ein Stift-förmiges Gerät verabreicht Insulin schmerzfrei und transdermal – ohne Nadelstich. An dieser Stelle wird anschließend ein Pflaster-ähnlicher Biosensor aufgeklebt. Er überträgt minütlich die Blutzuckerspiegel des Patienten zu einem entfernten Monitor, der den Glukosespiegel und das Ausmaß der Veränderung kontrolliert. Wird dabei der vorher festgelegte Normbereich über- oder unterschritten, werden sicht- und hörbare Alarmsignale ausgelöst. „ Dieses System ist zwar noch nicht erhältlich, aber echt toll“, sagt Scher. „Zur Haarentfernung wird die oberste Hautschicht abgeschliffen, und dann ein kleiner Behälter mit Insulin auf die so präparierte Stelle gesetzt. Insulin wird Feedback- oder Zeit-gesteuert freigesetzt. Damit ist dieses Gerät Monitoringsystem und Medikamenten-Applikator in einem. Das wird die Medizin nachhaltig verändern – nicht nur bei der Verabreichung und Kontrolle von Insulin, sondern auch bei anderen Medikamenten.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von „Echo Therapeutics“

Dia 7

Präzises Monitoring von Herzpatienten mit regelmäßigen Symptomen

Medtronic´s Seeq™ Mobile Cardiac Telemetry System, das mit einem tragbaren Sensor und einem drahtlosen Transmitter ausgestattet ist, ermöglicht ein kurzfristiges, kardiales Monitoring bei anhaltenden kardialen Symptomen. In den USA gibt es bereits eine Medicare-zertifizierte Einrichtung (also eine von der öffentlichen Krankenversicherung geprüfte Einrichtung), in der kardiografische Techniker rund um die Uhr vom Transmitter geschickte Daten auswerten und behandelnde Ärzte über klinisch relevante Befunde informieren. „Zurzeit hat ein Arzt, der seinen Herzpatienten während einiger Wochen engmaschig kontrollieren will, zwei Optionen: entweder nutzt er ambulante Telemetrie oder einen Befundrekorder, der durch Symptome aktiviert wird“, erklärt Scher. Allerdings kämen viele Versicherer nicht für eine ambulante Telemetrie auf, und das Einholen einer vorherigen Genehmigung gestalte sich beschwerlich. Befundrekorder lieferten Auszüge auf der Basis vorgegebener Schwellenwerte, würden aber keinesfalls jeden Herzschlag aufzeichnen. Idealerweise sollte ein Arzt beides verwenden. „Seeq kann beides“, sagt Scher. „Es kann entweder als ambulante Telemetrie oder als Befundrekorder fungieren. Außerdem wird es vom Versicherer ersetzt. Das ist das Tolle daran“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Medtronic, Inc

Dia 8

Eine Skala, die weit mehr als nur Ihr Gewicht misst.

Der Withings Smart Body Analyzer ist ein Bluetooth-Gerät, das mithilfe einer von der FDA freigegebenen, bioelektrischen Impedanzanalyse die Fettmasse, die Magermasse und den Body-Mass-Index bestimmt. Darüber hinaus überwacht es den Puls (über eine zugehörige Blutdruckmanschette), nimmt die Herzfrequenz im Stehen auf und misst Temperatur sowie den Kohlendioxidgehalt zur Bestimmung der Luftqualität. Eine begleitende App dokumentiert Laufkurven, Gewichtsverlust, Aktivität und Kalorienlevel sowie die kardiovaskuläre Fitness. Sie ist außerdem mit über 100 beliebten Partner-Apps wie RunKeeper, MyFitnessPal und Lose It! kompatibel. Über WiFi können die Daten mit anderen Usern geteilt werden. Diese Datenskala hat besonderen Wert für Patienten mit Diabetes, Asthma und anderen Atemleiden. „Es ist außerdem sehr nützlich für Patienten mit Herzinsuffizienz, bei denen eine Gewichtszunahme streng überwacht werden muss“, erklärt Scher. „Ein Patient mit Herzinsuffizienz kann durch Flüssigkeitsretention am Tag 3 Pfund zunehmen.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von Withings

Dia 9

Ein schlauer Weg zur Überwachung von Herzpatienten

Zephyr Technologies hat ein drahtloses BioPatch™ herausgebracht, das ohne Unterbrechung die Herzfrequenz, das R-R-Intervall, die Atemfrequenz, ein EKG, den Aktivitätsgrad, die Position und die Körperhaltung während eines Klinikaufenthalts, eines Transports oder zu Hause überwacht. Das Modul ist mit einem durch 2 standardmäßige EKG-Elektroden auf der Brust des Patienten befestigten Halteapparates verbunden, was es dem Patienten problemlos ermöglicht, auch auf Distanz mit dem medizinischen Betreuungsteam ohne lästige Kabel oder schwer bedienbare Apparate verbunden zu bleiben. Die Vitalzeichen, die jede Minute aktualisiert werden, können über ein spezielles Web-Portal kontrolliert werden. „Zephyr war unter den ersten, die eine Überwachung multipler Vitalzeichen anhand eines Patches , das man einfach auf der Brust platziert, umgesetzt haben“, sagt Scher. „Es ist besonders von Vorteil für Patienten, die sich nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause erholen oder die eine kontrollbedürftige, chronische Erkrankung haben. Es handelt sich hierbei um ein Paradebeispiel für eine Technologie, die es Patienten erlaubt, zu Hause älter zu werden. Wir werden eine bedeutende Umstellung erleben: nicht nur bei Patienten, die nicht mehr in Pflegeheime kommen, sondern auch bei Patienten, die statt im Krankenhaus eher zu Hause behandelt werden. Produkte wie dieses sollten diesen Trend vorantreiben“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Zephyr Technologies

Dia 10

Ein drahtloses System zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens älterer Menschen.

Grandcare Systems bietet ein Tablet-ähnliches Gerät an, um die Lebensqualität von Pflegeheimbewohnern zu verbessern oder ältere Patienten in die Lage zu versetzen, zu Hause bleiben zu können. Die einfach zu bedienende Software-Oberfläche beinhaltet Medikamentenpläne und Einnahmeerinnerungen sowie Bewertungen der Lebensführung und Bemerkungen zur Versorgungskoordination, anhand derer Familienmitglieder und Pflegekräfte Informationen austauschen können. Das Tablet ist mit vielen anderen Geräten des Herstellers wie Waage, Pulsoxymeter, Glukometer, Blutdruckmanschette, Thermometer, Bewegungssensoren, Kontaktsensoren (für Türen und Fenster) und Drucksensoren (für Bett und Stühle) kompatibel. Die Messwerte können in einem Online-Portal eingesehen werden. Das Portal ermöglicht es den älteren Menschen auch, sich im Video-Chat auszutauschen, sich gegenseitig Fotos zu senden, E-Mails zu schicken, Spiele zu spielen, Musik zu hören, sich Videos anzusehen, im Internet zu surfen und sich an anderen sozialen Aktivitäten zu beteiligen. „Zusammengefasst handelt es sich um ein umfassendes System für das Lebensmanagement älterer Menschen zu Hause“, sagt Scher. „Es bietet nicht nur Sensoren zur Messung der Vitalzeichen, sondern berücksichtigt auch die sozialen und medizinischen Lebensaspekte des Patienten, womit möglicherweise auch die Inzidenz von Depressionen gesenkt werden könnte“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von GrandCare Systems

Dia 11

Frühwarnsystem für stationäre Patienten mit Monitoring

Stationäre Patienten werden typischerweise mit verschiedenen Monitoren verkabelt und von den Krankenschwestern alle 4-6 Stunden kontrolliert. Das EarlySense® All-In-One-System macht lästige Gerätschaften überflüssig und ersetzt sie durch einen Tablet-ähnlichen Sensor, der unter der Matratze des Patientenbetts platziert wird. Dieser Sensor erhebt drahtlos die Herzfrequenz, Atmung und Körperbewegungen. Computermonitore an Überwachungsstationen und mobile Geräte alarmieren die Schwestern bei Änderungen des Patientenstatus und ermöglichen so ein rasches Reagieren bei Verschlechterung des Allgemeinzustandes des Patienten. „Dieses Tool ist zwar eigentlich für die Station gedacht. Ich glaube aber, dass sein größtes Potenzial in Einrichtungen ohne High-Tech-Möglichkeiten wie Reha-Zentren und Pflegeheimen liegt“, erklärt Scher. „Mit einem solchen Gerät können Sie beispielsweise in einem Pflegeheim die Sturzrate und das Auftreten von Druckulcera mindern. Es ist ein Frühwarnsystem, das sowohl das Risiko für die Patienten als auch die Rate an Wiedereinweisungen in eine Klinik minimieren kann.“ Eine Version für die Anwendung zu Hause ist in Entwicklung.

Bild mit freundlicher Genehmigung von EarlySense®
Dia 12

Tricorder für’s reale Leben

Ärzte und Schwestern aus älteren Generationen werden sich noch an die Fernsehserie „Star Trek“ aus den 60er Jahren erinnern, in der der Arzt des Raumschiffs Enterprise – Dr. Leonard McCoy – sich eines Tricorders bediente, eines fiktionalen Scanners zur Messung von Körpertemperatur, Herzfrequenz und weiteren Parametern physiologischer Funktionen seiner hauptsächlich menschlichen Patienten. Jetzt hat ein chinesisches Unternehmen namens Viatom Technology diesen fiktionalen Tricorder in die Realität umgesetzt: mit dem Checkme™ Health Monitor. Mit der Größe eines Satzes Spielkarten kann der Monitor Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung, Schlafmuster, Temperatur, Blutdruck, Schrittzahl und mehr aufzeichnen und die Daten via App auf dem Display eines Smartphones anzeigen. Man kann auch tägliche Erinnerungsappelle und aufgezeichnete Video-Memos hinzufügen, und Gesundheitsinformationen mit Familienmitgliedern und Freunden über E-Mail, Facebook, Twitter und andere soziale Medien teilen. „Bei diesem Gerät handelt es sich wirklich um ein allumfassendes, mobiles Produkt für jedermann“, sagt Scher. „Seine Einfachheit macht es für weite Bevölkerungsteile zugänglich, beispielsweise in China. Wenn es dort Erfolg hat, kann es sich überall durchsetzen“.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Viatom Technology

Dia 13

Brillenverschreibung selbst gemacht

In Entwicklungsländern leiden mehr als 600 Millionen Menschen an Sehstörungen, da Optiker für Sehtests und Verschreibungen von Brillen fehlen [4]. Techniker des MIT Media Lab haben eine bemerkenswerte Lösung hervorgebracht: ein Augen-Aufsatz aus Plastik, den man am Bildschirm eines Smartphones anbringen kann. Der Patient guckt durch den Aufsatz auf den Bildschirm, sieht mehrere parallel zueinander verlaufende Linien und drückt dann solange die Pfeiltaste des Smartphones, bis sich die Linien überlappen. Dieser Vorgang wird aus verschiedenen Blickwinkeln wiederholt, sodass am Ende eine auf das Smartphone geladene Software die Verschreibungsdaten generiert. Der Vorgang dauert 2 Minuten, die Materialien kosten 2 Dollar. „So können Sie sich selbst eine Brillenverschreibung erstellen“, sagt Scher. „Anschließend können Sie Ihre Brille online bestellen. Es ist echt einfach und toll!“. Der EyeNetra Mobile Visual Acuity-Tester misst Myopien, Hyperopien, Astigmatismen, Presbyopien und die Pupillendistanz mit der Präzision von Autorefraktoren, die sonst 45.000 US-Dollar kosten, wie die Erfinder erklären. Ihr neues Unternehmen hat seit Juli 4 Millionen US-Dollar Risikokapital gesammelt. Die Zulassung durch die FDA steht aus.

Bild mit freundlicher Genehmigung von EyeNetra, Inc.

Dia 14

Eine neue Generation von Schuhsohlen

Die deutsche Firma Moticon hat den weltweit ersten drahtlosen Sensor für Einlagen entwickelt: OpenGo. Er ist so dünn wie eine normale Einlage und überträgt die Daten über die plantare Druckverteilung eines Patienten an eine Smartphone App. Diese Daten sind nützlich für die klinische Forschung und Sportwissenschaften, insbesondere für Trainingsanalysen und die Optimierung einer Rehabilitation nach einer Fußverletzung. „Diese Einlage beherbergt einen Sensor, der das Gangbild und die Strecke, die eine Person zurückgelegt hat, aufzeichnen kann“, erklärt Scher. Er misst die Gewichtsverteilung, das Gleichgewicht, die Temperatur und Beschleunigung. Dieser Prozess muss normalerweise auf einem Laufband ablaufen, mit zahlreichen Anschlüssen an diverse Monitore in einem Labor und nicht kabellos bei einem Spaziergang auf der Straße. Scher zeigt sich von dem klinischen Potenzial von OpenGo beeindruckt. „Mithilfe von OpenGo kann man bei Parkinson-Patienten oder solchen nach Hüftoperationen vorhersagen, ob sie ein Sturzrisiko entwickeln“, sagt er, „für Neurologen und Podotherapeuten kann es zu einer revolutionären Innovation werden.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von Moticon

Dia 15

Risikoreduktion von Druckulzera bei bettlägerigen Patienten

Die Kombination aus App und Sendegerät namens WoundRounds® automatisiert die Wundbeurteilung, vereinfacht die Wundbehandlung, ermöglicht dem Versorgungsteam eine drahtlose Kommunikation und identifiziert bettlägerige Patienten mit hohem Dekubitusrisiko, bevor Druckulzera entstehen können. „ Mit der App kann die behandelnde Person den klinischen Wundstatus zum Zeitpunkt der Versorgung erheben“, sagt Scher. „Sie verwendet klinisch validierte Instrumente zur Standardisierung der Wundbeurteilung. Sie erlaubt ebenfalls verschiedenen Behandlern die Wundnachsorge. Falls Sie beispielsweise eine Wunde regelmäßig versorgt haben und dann in Urlaub gehen, könnte Ihre Vertretung die Wunde als „ziemlich hässlich“ bezeichnen, während Sie noch vor Ihrem Urlaub geäußert hatten, dass die Wunde im Vergleich zu einer Woche davor sehr gut aussähe. Unterschiedliche behandelnde Personen können nun den Fortschritt der Wundheilung nachverfolgen und so die Behandlungsqualität erhöhen“. Obwohl WoundRounds® für die Überwachung neuer Wunden und Druckulzera bei Patienten in qualifizierten Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern der Akutversorgung und Rehabilitationszentren sowie Langzeit-Versorgungseinrichtungen entwickelt worden ist, besteht laut Scher das große Potenzial dieser Erfindung darin, dass „Patienten, die zu Hause leben und Schwierigkeiten haben, ihr häusliches Umfeld zu verlassen (da sie sehr adipös oder durch einschränkende Rückenschmerzen gehandicapt sind), durch den Hausarzt nachgesorgt werden können.“

Bild mit freundlicher Genehmigung von WoundRounds®

Dia 16

Referenzen

Autoren und Interessenkonflikte

 

Diese Slideshow wurde ursprünglich auf Medscape.com präsentiert.


Mitarbeiterinformationen

Autoren:

David Lee Scher, MD
Director
DLS Healthcare Consulting
Harrisburg, Pennsylvania

Scher DL: arbeitete als Sprecher für Boehringer Ingelheim Pharmaceuticals, Inc.; Ortho-McNeil-Janssen Pharmaceuticals, Inc.


Neil Chesanow
Senior Editor
Medscape Business of Medicine
Chesanow N: Es liegen keine Interessenskonflikte vor.


Übersetzer:

Dr. Christoph Eimer
Urologe


Redaktion und Adaptation:

Shari Langemak
Editorial Director Medscape Deutschland

Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.